Protestatio» Proteus 811
trachten. Wenn ein Protestant. Volk (in Dänemark) die Aufgebung coust'tution-neller Formen freiwillig beschließt, und wenn ein andres Volk (England) es in derCultuc falscher Freiheitsprincipien so weit bringt, daß es s. König (Karl l.) sogarim Wege der Justiz mordet, so sind Beides so widersprechende Thatsachen, daß mansich gern bescheiden wird, über Einfluß der Reformation auf politische Freiheit seinUrtheil zu suspendiren. — Die Humanität hat bestimmt nicht durch die Refor-mation gewonnen, wie aus dem Bisherigen schon hervorgcht; daß die Reformationauf die Künste einen zerstörenden Einfluß geübt, ist bekannt genug. — Die Sitt-lichkeit katholischer und Protestant. Völker gegen einander zu vergleichen, fehlt eüwvl noch an genug bestimmten Daten; so viel ist aber gewiß, daß das Verhältnis,für die Katholiken wenigstens nicht ungünstig sein werde. Nichts aber beweis!mehr für die Göttlichkeit und Erhabenheit der Moral des Gekreuzigten, als daß inden noch so verschiedenen christlichen Kirchen die Sittlichkeit der Völker im Ganzenso ziemlich gleich steht. Dieser Gedanke möge die kirchlich Geschiedenen zur Liedegegen einander cinladen. V. e. Kath.
Protestatio», feierliche Erklärung, vornehmlich Widerspruch gegen eineHandlung, Erklärung, Folgerung aus einer Thatsache. Die bloße Protestationist für sich allein selten von Wirkung; sie schützt nur dagegen, daß man nicht für«inwilligend gehalten werde. Au dem Ende darf man auch an der Handlung selbstkeinen Theil nehmen (dies ist eine prote8tatio tuet«, oontrari-r), sondern vielmehrmit der Protestation zugleich Dasjenige thun, was nach Verschiedenheit der Falleals geeignetes Rechtsmittel angesehen werben kann. 37.
Proteus, in der altgriech. Fabel ein vergötterter Mensch, der als wahr-sagender und zauberischer Meergreis die Robben (Seekälber) Poseidon s im ägäischenMeere weidete und, nach dem Berichte verirrter Seefahrer, manchmal auf derwüsten Insel Pharos, unweit der westlichen Nilmündung, manchmal auch auf derentgegengesetzten Seite des Mittelmeeres, in Karpathos, dem heutigen Skarpanto,zwischen Kreta und Rhodus, sich mit den Robben sonnte und Mittagsschlaf hielt.Nur durch List und Gewalt gezwungen, weissagte er; zwar wandte er Alles an,um dem Fragenden zu entwischen, und verwandelte sich, nach der Art der Meer-götler, in allerlei Gestalten, in verschiedene Thierc, Bäume, ja selbst in Femrund Wasser. Wer aber, unabgcschreckt, ihn stets in festen Banden hielt, dementdeckte er endlich, was er zu wissen verlangte, Vergangenes, Gegenwärtiges undZukünftiges. So überlistete und zwang ihn Menelaus (Homer's „Od.", IV,351 sg.), ihm ,s. Prophezeiungen und s. Rath zu crtheilen. Homer nennt denProteus einen Ägypter, entweder im eigentlichen Sinne, oder weil ec in der Nähedes Stroms Ägyptus sich aufhielt. Später machte man den Proteus zu einemKönige aus der Zeit des trojanischen Kriegs, der entweder durch heilige Künste oderdurch künstliche Veränderungen des Hauptschmucks mancherlei Gestalten habe an-nehmen können. In andern Erzählungen, welche vielleicht Virgil vor sich hatte,war Proteus ein vergötterter Tausendkünstler aus Pallene, einer Landzunge Ema-thiens oder Makedoniens. Durch die Ruchlosigkeit seiner Söhne gekränkt, wun-derte er zu Hercules's Zeiten unter dem Meere weg nach Ägypten, und hütete seine!»Herrscher Neptunus, der ihm die prophetische Wundergabe verliehen hatte, dieRobben jenes noch unerkundetcn Meeres. Erst die spätem Mystiker schuf.» ihn zueinem Sinnbilde des Urstvsss um, und so erscheint er im 24. orphischen Hymnus.Der sterblich geborene Mcerdämon wurde jetzt ein Sohn des Neptun und der Phö-nice oder gar dcS alten Okeanos selbst und der Tethys. Zur Gemahlin gab manihm die Psamathe, mit der er mehre Söhne und Töchter zeugte, deren Namenverschieden angegeben werden. Von ihm nennt man jeden Menschen, der schnellseine Gestalt verwandelt, unter verschiedenen Charakteren und Namen erscheint,einen Proteus.