612 Prologcncs Provence
Protvgencs, ein griechischer Maler, -Zeitgenosse des Apelle«, nach Eini-gen aus Rhodus, nach Andern aus Karien geb. Es werden mehre meisterhafteGemälde von ihm genannt, namentlich das Bild des Zalysus, des vermeintlichenStifters der Stadt Rhodus. Auf diesem Gemälde befand sich ein Hund, den derMaler keuchend und mit schaumendem Munde vorgestellt hatte. Plinius erzählt,daß ihm lange der Schaum am Munde nicht hatte glücken wollen. Vor Unwillenwarf er endlich den Schwamm, womit er die Farben abzuwischen pflegte, auf daSGemälde, wodurch zufälligerweise der Schaum so natürlich gebildet wurde, alses P nur wünschen konnte. Dieses Gemälde rettete auch die Stadt Rhodus beider Belagerung durch den Demetrius. Zur Zeit des Cicero war es noch zu Rho-dus; Cassius brachte es nach Rom und stellte cs in dem Tempel des Friedens aus,wo es unter Commodus sammt dem Tempel verbrannte. Über sein Zusammen-treffen mit Ap elles vgl. d. A.
Protokoll, eine Niederschrcibung oder schriftliche Aufzeichnung irgend ei-ner Verhandlung. So werden Protokolle ausgenommen über die Aussagen einerzur Untersuchung gezogenen Person, über eine gemachte Anzeige, über die Beralh-schlagungen einer Versammlung wegen amtlicher Angelegenheiten rc. In Frank-reich nennt man Protokoll das Formular, nach welchem eine Verhandlung-eingerichtet ist.
Prötus (Prötos), Zwillingsbrudcr des Akcisius, Königs von Argos.Beide waren schon feindselig gegen einander im Mutterliebe. Akcisius vertriebden P. aus Argos. Dieser flüchtete zu Zobates oder Amphianax, König von Ly-cien, heiralhete dessen Schwester, eroberte mildem Beistände desselben die StadtTyrius und stiftete daselbst ein kleines Reich. Hier kam Bellerophon (s. d.)zu ihm. Seine Töchter, die Prötiden, irrten entstellt und wahnsinnig durch Argo-lis und Arkadien, weil sie des Bacchus Geheimnisse verachtet, oder der Juno Bildverspottet hatten. Nach später» Sagen wähnten sie Kühe zu sein und irrten mitwildem Gebrüll durch die Fluren, und dieser Wahn ergriff auch die übrigen Argi-verinnen. Melampus heilte sie, und erhielt einen Theil des Reichs. P. soll vonPerseus durch das Medusenhaupt versteinert worden sein.
Provence, früher ein Generalgouvernement Frankreichs, bildet jetzt 3Departements, die der Rhonemündungcn, des Var und der nieder» Alpen;ein kleiner Theil ist zum Departement der Vaucluse geschlagen. Diese Landschaft, -die erste des alten Galliens, in der sich die Römer 124 v Chr. festsetzten und dieColonie eVguae 8eitiae (Aix) gründeten, erhielt von ihnen den Namen krovinvi».
Bei dem Untergange des abendländischen römischen Reichs bemächtigten sich nachund nach die Westgothen, die Burgunder, die Ostgokhen und die Franken die-ser Landschaft. Auch die Saracenen waren eine kurze Zeit im Besitze derselben.Karl Marte! vertrieb sie daraus. Als das fränkische Reich 843 unter die SöhneLudwig des Frommen getheilt wurde, kam die Provence zu dem Antheile Lothars I.Unter den Nachfolgern desselben machten sich die Grafen von Provence allmäligunabhängig, und ihre Nachkommen von 4 verschiedenen Zweigen blieben Herrenderselben bis 1480, wo der letzte Stamm erlosch, und die Provence an die franz.Krone siel. S. Papon's „liwt. ,Ie I» Provence".— Nach ihrem Naturverhält-niß unterscheidet man die Oberprovcnce oder den nördlichen Theil von dem südl.,oder der Niederprovcnce. Erster« ist mit Zweigen der Alpen bedeckt, zwischen welchensich weitere und engere Thäler öffnen. Eins der weitesten, aber auch zugleich daS wil-deste, ist das von Barcelonette. Diese Alpenzweige, Alpinen genannt, trennensich auf der Grenze Piemonts von den cottischen Alpen und breiten sich über die gan-ze Oberprovence aus. Hauptfluß ist die Durance. Außerdem gibt es eine MengeWaldbäche, die im Sommer auStrocknen, im Frühjahre aber, wenn der Schnee aufdem Gebirge schmilzt, aus ihren Ufern treten und große Verwüstungen anrichten.