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8 (1830) O bis Q
Entstehung
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910
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t>10 Protestantismus Mid Reformation (kath.)

eigentlich noch eine Kirche genannt werden können, wie des Abendmahls h. Fest ih-nen unter den Händen entschwunden und zu einer bloßen Ecinncrungsceremonie mitschwach erkünstelter Begeisterung geworden u. s. w.

Es wird zum Schlüsse die Frage zu untersuchen sein, welchen Einfluß die Re-formation auf die kath. Kirche, auf Wissenschaft, Volksbildung, Politik, Huma-nität, Künste und Sittlichkeit geäußert habe. Auf die kath. Kirche konnte kaumein Einfluß segensreicher sein als der der Reformation. Die ohne Kampf erschlaf-fenden Kräfte wurden geweckt, die Geistlichkeit wurde wissenschaftlicher, die Kir-chenzucht ward hergestellt und mehre andre Mißbräuche wurden aufgehoben; dieKirche erhielt ihre Reformation auf organische Weise, durch das Eoncil von Trient,ohne daß ihr und der Religion Wesen verletzt worden wäre; bei Beginn der Refor-mation traten die unenthaltsamen Priester in jene andre Kirche, die keinen Cölibatkannte; die zurückbleibenden Geistlichen waren um so treuere Söhne der Kirche.So besteht sie denn, in ihrem Wesen noch immer dieselbe, bis auf unsere Tage, inihrem Innern gekraftigtcr und edler als zur Zeit der Reformation, wenngleichder Zahl ihrer Bekenner nach geschwächt. — Man ist es gewohnt, der Reforma-tion großen günstigen Einfluß auf die Wissenschaft zuzuschreiben. Indessen warder den profanen Wissenschaften so nothwrndige Forschungsgeist schon vor der Re-formation durch die Erstehung der Wissenschaften geweckt; allenthalben sing manan, die Wissenschaften mit Liebe zu pflegen, allein die Reformation störte fast Al-les, und erst nachdem Ruhe eingetreten war, konnte man sich in den protestan-tischen und gemischten Ländern wieder den Wissenschaften widmen, während in Ita-lien, das von der Reformation nicht berührt ward, schon zur Zeit der Reformationeine heitere Philosophie und Liebe zu den Wissenschaften herrschte. Als im 17.Jahrh. Hugo Grotius vom kath. Europa bewundert ward, warf ihn sein Prote-stant. Vaterland in Fesseln. Deutschland ist durch die Reformation um 2 Jahrh.in s. wissenschaftlichen Entwickelung zurückgesetzt worden; wo die Bestreitung derFreiheit des menschlichen Willens, wo die Vorherbestimmung zur VerdammnißGlaubensdogma ward, wo alle Furien des Krieges losgelaffen wütheten, — dawurden die scheuen Musen verscheucht. Die wissenschaftlichen Fortschritte, dieman der Erfindung der Buchdruckcrei, der Bekanntschaft mit dem klassischen Al-terthum und mit den Geisteswerken der während der Reformation vorgeschrittenenkath. Nachbarvölker verdankt, kann man natürlicherweise nicht auf Rechnung derReformation schreiben. — Die Volksbildung hat unstreitig in neuerer Zeit ge-wonnen, allein keineswegs nothwendig in Folge der Reformation. Die Buch-druckerei und das Aufstreben der Städte, des dritten Standes, waren schon vor derReformation vorhanden; gute Schulen endlich sind kein Erbtheil eines Bekennt-nisses, und es ist noch gar nicht ausgemacht, ob die Schulen im kath. Deutschland— z. B. in Würzburg, wo ein Franz Ludwig v. Erthal (Bischof), oder in West-falen, wo ein Max Franz (Erzbischof) waltete — den protestantischen nicht vorzu-ziehen. Wenn im kath. Frankreich die Hälfte der Bewohner nicht lesen kann, sostellt sich im Protestant. England das Verhältnis noch viel widriger dar. So wahrist es, daß die Vorsorge oder die Indolenz der Regierungen und ungünstige natio-nalwicthschaftliche Verhältnisse, nicht aber die Bekenntnisse, auf die Volksbildungeinwirken. — In der Politik wird der Reformation von der einen Seite ebensoviel vorgeworfen, als ihr von der andern Seite gutgeschrieben wird. Die Freiheitüble das Mittelalter in constitutionnellen nationalen Formen, und es war der Re-formation Vorbehalten, die völlige Entwickelung der Territorialhohcit selbst bis zudem Punkte, daß die Landesherren Beherrscherder Kirche wurden, zu fördern, so-wie der Untergang des deutschen Reichs ebenfalls in s. Ursachen bis zu ihr hinausge-führt werden kann. Überhaupt aber würde es ungerecht sein, Alles, was auf dieReformation gefolgt ist, nun auch gleich als durch sie begründete Wirkung zu be-