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Protestantismus und Reformation (kath.)
Bekenntnisse nussprachen, wodurch also die der Autorität der bisherigen symboli-schen Bücher widerstreitende geheime Lehre eine öffentliche ward. — In der neue-sten Zeit ist man indessen einigermaßen von den Verirrungen des kritischen Prote-stantismus zurückgekommen; man glaubt doch wenigstens an den meisten Ortenwieder an Christus und enthalt sich von Äccommodationen der Bibel. An einWiederaufleben des dogmatischen Protestantismus ist aber kaum zu denken, somitjedes Zugeständnis; des kritischen Protestantismus rein precair. Zwar hat der A>-chidiakonus an der St.-Nicolaikirche in Kiel, Klaus Harms, mit aller Kraft derBegeisterung und eines frommen über den Untergang der lutherischen Kirche er-schreckten Gemüths, für das lutherische Symbol gezeugt und geeifert, undAm-mon schloß sich ihm an und verdammte, insofern freilich konsequent, die Vereini-gung beider Bekenntnisse; ihm widersprach Schleiermacher mit der logischen Schär-fe, die diese!« Gelehrten eigen. Allein nie ist zu erwarten, daß die aufgelösten po-sitiven Bekenntnisse wieder die Religion der Menge wie der Gebildeten werden.
Daß diese neuern Um- und Durchbildungen des Protestantismus einen we-sentlichen Einfluß auf die Ansichten über Kirchcnverfassung haben mußten, ist nichtzu laugnen. Schon in der Mitte des vorig. Zahrh. hatte Pfaff die Kicchengewaltder evangel. Fürsten — die man ihnen früher, sonderbar genug, als Nachfolgernder kath. Bischöfe zugestand (Episcopalsystcm), und die I. H. Böhmer auf wahr-haft heidnische Weise aus der landesherrlichen Gewalt abgeleitet hatte (Tcrritorial-system) — auf eine stillschweigende Übertragung von Seiten der Gemeinden be-gründet (Cvllegialsystem). Es lag der Gedanke nicht fern, diese Gewalt zurückzu-nehmen oder gar die Übertragung derselben zu bestreiten; es sind demnach verschie-dene Vorschläge zu einer neuen Gestaltung der evangel. Kirche geschehen, die vondem Princip ausgingen, daß die Gewalt in der Gemeinde liege. Einzelne habenNachahmung kath. Verfassungssormen, Kirchhof sogar einen Protestant. Papst —der freilich in einem Bekenntnisse, dessen Princip Vereinzelung ist, ein wahresbor-j ck'oeuvio sein würde — gefedert. Die Setzung einer neuen Verfassungwird freilich da geschehen müssen, wo sich ans dem alten Bekenntnisse ein neuesgebildet hat, wo sogar die Vereinigung der auch in ihren Verfassungssormen so ver-schiedenen Bekenntnisse ausgesprochen worden. — Als das tüchtigste Element imProtestantismus dieser Zeit muß man wol den Mysticismus betrachten. Zst erzwar — wie jeder Mysticismus, den die Kirche nicht zu richten, zu veredeln, zuverallgemcinen weiß — unklar und häufig ins Narrenthum überfaselnd, so wirddoch durch ihn das heilige Feuer der Vesta bewahrt, bis ihm eine bessere Zeit undwürdigere Priester werden. - - Die Polemik des Kalholicismus gegen den Prote-stantismus mußte durch die veränderte Richtung des letzlern nothwendig eine andrewerben. Der Streit um einzelne Unterscheidungslehren ist hinfort nicht mehr we-sentlich , da cs bei dem Verfall der positiven Bekenntnisse des Protestantismus nurnoch die Eine große Untcrscheidungslehre gibt, daß jeder einzelne Protestant vernei-nen kann. Der Katholik vercheidigt sich dagegen durch Geltendmachung des we-sentlichen Begriffs der Offenbarung und religiöser Belehrung (s. Katholicis-mus), und er führt als den vollgültigsten Beweis für den Kalholicismus die Ge-schichte von Geburt und Tod des dogmatischen Protestantismus an; ec bezweifeltzwar nicht, daß der Kirche von Zeit zu Zeit Reformen noththun, und daß Unter-suchungen über noch unentschiedene Jftligionsgegenstände nothwendig und heilsamseien, aber er wird nie glauben, daß jeder Einzelne sich seine Religion bilden, daßder auch der kath. Religion inwohnende verständige Untersuchungsgeift ein eignesverneinendes Bekenntnis werden müsse. Die Polemik der Katholiken ist um Vie-les durch die neuern Begebnisse des Protestantismus erleichtert worden; die Kirchekann ihren Mitgliedern sagen, wie die Protestanten s-lbst so manche der Unterschei-dungslehren d. 16 . Jahrh. verlassen haben, wie ihre einzelnen Gemeinden nur un-