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Papst (kath.)
seine Wiederherstellung 1814 nicht seinem gegen Napoleon geschleuderten Bann-strahle, sondern der Verbindung der weltlichen Machte, unter welchen zwei Ketzer(England, Preußen) und ein Schismatiker (Rußland) sich befanden. Gleichwolhat er nicht nur die Inquisition, den Jesuiten- und andre geistliche Orvcn, sondernauch Foderungcn und Grundsätze erneuert, die den liberalen Ideen und Beschlüssenseiner Befreier durchaus entgegen sind. Durch den Cardinal Consalvi proteflirle er(14. Juni 1815) gegen die wiener Congrcßbcschlüsss, welche Avignon, Ferraraund die säcularisirten Besitzungen der katholischen Kirche in Deutschland betrafen.Die Rückschritte dieses Papstes zum Geiste des 11. u. 12. Jahrh. haben bewahrt,was immer die Hauptmaxime des römischen Hofes war: „von seinen Behauptungenund Aussprüchen nie das Mindeste bestimmt aufzugeden, sondern damit nur diegelegene Zeit abzuwarten". Aus dem 1809 nach Paris gebrachten päpstl. Archiv er-gab sich unter andern auffallenden Dingen die echt jesuitische Weise der Päpste, öf-fentlich geschlossene Verträge durch eigenhändige geheime Verwahrungen dagegenfür abgcdrungen und ungültig zu erklären. So verwahrte sich Alexander VII. den18. Febr. 1664 gegen den Vertrag von Pisa vom 12. desselben Monats, so Cle-mens Xlll. den 3. Sept. 1764 wegen Vertreibung der Jesuiten aus Frankreich.Pius VII. und sein Nachfolger erklärten sich öffentlich gegen die „Toleranz der Phi-losoph. Sekte", gegen die Bibelgesellschaften und die Bibelübersetzungen. S. PiusVII. Breven an die Erzbischöfe v. Gnesen und v. Mohilew, und Leos XII. I)p>«toI.-»ene^cliea eto., Rom 1824 (inPaulus's „Sophconizon", 2. Heft, 1819, 6. Heft,1824), und die Bischöfe schwören in ihrem dem Papste zu leistenden VaialleneiveU. a. „Usercticos, sclrisinatico« vel rebelles eiilei» lloinin» nostro et succes-soribus pro passe perseguar et irupuAriabo. Jndeß regen sich gegen die veralteteMacht des apostol. Stuhles in der franz. und deutschen kathol. Kirche Elemente ei-nes Freiheitsgeistes und weitverbreitete Wünsche eines selbständigen Nalionalkir-chenthums, die man schon in den Verhandlungen wahrnimmt, welche dem Abschlüsseder neuesten Concordate vorangegangen sind. In England hat nach dem Emanci-pationsgesctze von 1829 der Papst kein Veto bei der Wahl der kathol. Bischöfe, dievon dem Capitel aus einer dem Papste vorgelegtcn Liste dazu geeigneter britischerUnterthanen gewählt werden. (S. auch Gallicanisehe Kirche.)— Über dieweltlichen Besitzungen des Papstes s. Kirchenstaat. Die beiden päpstl. Ver-dienst-Ritterorden vom goldenen Sporn und vom heil. Johann vom Late-ran sind wieder vcrtheilt worden. Der erste, gestiftet 1559, wird in der Kanzlei-sprache der Orden der Ritter der goldenen Miliz genannt; die Benennung vomgoldenen Sporn gibt man ihm nur im gemeinen Leben. Das Ocdenszeichen ist eingoldenes, weißcmaillirtcs, achlspitziges Kreuz, an welchem unten ein goldener Spornhängt; cs wird an einem rothen Bande im Knopfloche getragen. Päpstliche Be-amte, Gelehrte, Künstler oder Personen, die sich sonst um den päpstl. Stuhl verdientgemacht haben und kathol. Religion sind, erhalten ihn. Die Decoration deS zweitenOrdens ist ein goldenes, achtspitziges, rothemailliries Kreuz, in dessen Mitte auf derVorderseite Johannes der Täufer und die Inschrift: „Oräinis Institut!» 1560".Auf der Rückseite die päpstl. Tiare mit kreuzweis ausgestellten Schlüsseln und derInschrift: „kraeiniurn virtuti et pietati". Erwirb, wie der erste, an einem rothenBande getragen und auf gleiche Weise vertbeilt. Zu s. Breven braucht der Papstzwei Siegel. (S. Fischerring.) Vgl. Spitiler's „Geschichte des Papstlhums,nach dessen Vorlesungen, m. Anm. von Gurlitt, vervollständigt v. I). Paulus"(Heidelberg 1826); Daunou: „8ur la puissauce temporelle lies p-ipes" (4. A.,Paris 1828), und Pinel (Priester des Oratoriums): „Über den Primat des röm.Papstes" (a. d. Lat. mit Bemerk, v. v. Breidenstein, bei Cotta 1829).
Papst (der) ist das Oberhaupt der kathol. Hierarchie. Es war der Kircheein Mittelpunkt der Einheit nolhwcndig, um in oberster Instanz zu sorgen für die