247
Papst
bestätigte nun zwar die tridenlinische Kirchenversammlung, und die GesellschaftZesutrat als eine Schutzwache um seinen Thron, die die Spuren der Reformation in denkatholisch gebliebenen Staaten zu vertilgen, und voaS in Europa verloren wordenwar, durch M issionen unter den Heiden zu ersetzen strebte; doch weder diese neue Stützenoch die Staatskunst schlauer Papste, wie Clemens VII., Medici, 1523—34, dendes Kaisers General, Karl von Bourbon, 1527 in die Engelsburg trieb, und Paul HI.,Farnese, 1534—49, der seinem Hause Parma und Piacenza erwarb, noch die mön-chische Kirchlichkeit Paul IV., Caraffa, 1555—59, noch die Mäßigung Pius lV.,Medici, 1559—66, der sich bis zur Bewilligung des Kelchs für die hussitischenBöhmen heradließ, oder die Anmaßung und Harte Pius V., 1566—72, derdurch seine, des stolzen Dominicaners und wüthenden Ketzcrrichters, der er vorhergewesen, vollkommen würdige Nachtmahlsbulle (I» ooena Domini) Fürsten undVölker empörte, obgleich seine rauhe Sittenstrenge ihm zur Ehre der Heiligsprechungverhalf; ferner die gemeinnützige Thatigkeit Gregor XIII., 1572—85, welcherder Welt den verbesserten (Gregorianischen) Calender gab, oder die Regentengrößeund Weisheit Sixtus V. (s. d.), 1585—90, das Glück Clemens Vlll., Aldo-drandini, 1592—1605, der 1597 Ferrara zum Kirchenstaate schlug, noch end-lich die Gelehrsamkeit Urbans Vllt., Barberini, —44, der Urbino dazubrachte und die Bewegung der Erde um die Sonne von Galilei ab schwören ließ,vermochte das alt« Ansehen eines Thrones wiederherzustellen, auf dem in der Re-gel nicht die Religion, sondern die Politik des Eigennutzes und der Herrschsucht,und im 16. Iahrh. auch meist die Schwäche und Beschränktheit regierte. Verge-bens erneuerte man zu Rom die Sprache Gregors VII. und Innocenz lll.; auch inkatholischen Staaten wurde der Unterschied der kirchlichen Angelegenheiten von denpolitischen schon deutlich genug begriffen, um die Einschränkungen des päpstlichenEinflusses auf die ersten in der Ordnung zu finden. Seit der Mitte des 16. Iahrh.wurde kein deutscher Kaiser mehr vom Papste gekrönt; die Fürsten, die ihm seinePolitik abgelernt hatten, entzogen sich seiner Vormundschaft; die Nationalkirchengewannen ihm Freiheiten ab, die er vergebens streitig machte, und der westfälischeFriede, den der heil. Stuhl nie anerkannt hatte, gab einer Duldung, die mit denGcundlehren des Papismus im geraden Widerspruche steht, ein« öffentliche, vonallen europäischen Machten verbürgte Geltung. Unter solchen Umständen konntenicht mehr von Erweiterung der papstl. Macht, sondern nur von Anstalten gegenihren gänzlichen Verfall die Rede sein, und der Statthalter Christi, der, da er an-sing sich den Knecht der Knechte zu nennen, Herr aller Herren ward, mußte sichnun in die Nolle eines Unterdrückten fügen, der mehr das Mitleid und die Billig-keit als den Gehorsam anspricht. Der Zansenismus raubte ihm einen bedeuten-den Theil der Niederlande, seine Bullen galten außer dem Kirchenstaate nichts mehrohne die Genehmigung der Könige, die Abgaben aus fremden Reichen gingen im-mer sparsamer ein; in Frankreich und bald auch in Deutschland wurde er das Zieldes Witzes, und die würdigen Männer, die den heil. Stuhl im Laufe des 18. Iahrh.zierten, der gelehrte Lambertini, 1740—58 (s. Benedict XIV.), und der cmf-geklärte Ganganelli, 1769—74 (s. Clemens XIV.), mußten die Schuld ihrerVorfahren büßen und sich die Achtung, die diese ertrotzt hatten, durch Geduld, Nach-giebigkeit und persönliche Verdienste zu erhalten suchen. Schlimmer noch ging esihren Nachfolgern Pius VI,, 1775—99, und Pius VII. seit 1800. Der Erster«wurde nach bittern Erfahrungen von den Fortschritten der Aufklärung, gerade alsder Tod Josephs II. ihm neue Hoffnungen gab (s. Nuntien), Zeuge von der Re-volution, welche die französische Kirche von ihm losriß und ihn seiner Staaten be-raubte. Der Andre mußte seine persönliche Freiheit uno den Besitz des verkleinertenKirchenstaats durch ein zweideutiges Concordat 1601 mit Bonaparte und durchschmähliche Erniedrigungen erkaufen, um 1809 Beides zu verlieren. Er verdankte