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Papst
land und die nordischen Reiche, der französische über Frankreich, Spanien, Savoyen,Lothringen und Schottland behauptete, sondern auch in ebenso unversöhnlichen Nach-folgern fortlcbtc. Der offene Ämterhandel, die schändlichen Erpressungen und nie-drigen Ranke, worin die meisten dieser Gegenpäpste einander übcrboten, gaben denVorläufern der Reformation in England u. Böhmen (s. H uß) gerechten Grund zuBeschwerden und zu den Federungen einer Kirchenvcrbesscrung. Zwar gelang es derKirchenversammlung zu Konstanz, das große Schisma (so wurde diese Spaltung derKirche unter zwei Päpsten genannt) durch Absetzung der beiden Gegenpäpstc zu en-digen; aber der 1417 an ihre Stelle gewählte alleinige Papst Martin V. (s. d.)kam in den Besitz der Rechte und der Macht seiner Vorgänger, ohne die Mißbrauchederselben abzustellen, und selbst die nachdrücklichen Reformationsdecrete der Kirchen-versammlung zu Basel wurden durch die List und Beharrlichkeit des sich gegen dmWillen dieses Conciliums behauptenden Eugen IV., aus dem Hause Ursini, der von1431—77 Papst war, großtentheilö unkcaftig gemacht- Frankreich gewann er schon1438 durch die pragmatische Sanktion, welche die Freiheiten der gallicanischen Kir-che begründete, und durch Unterhandlungen mit ihm und seinem Nachfolger (demals Freund der alten Literatur und Beschützer der gelehrten Flüchtlinge aus Griechen-land verdienten Nicolaus V.) brachte Äneas Sylvius, als Gesandter Kaiser Fried-richsill-, 1448 das wiener Eoncordat zu Stande- Warum aber darin den Beschwer-den der deutschen Nation so wenig abgeholfen, und das päpstl. Interesse so sorgfältigwahrgenommen war, merkten die von dem schlauen Unterhändler Äneas Sylvius zurAnnahme überredeten deutschen Fürsten erst, als letzterer Cardinal und 1458 unterdem Namen Pius ll. selbst Papst wurde. In diesem Concordate erhielt der Papstdie Bestätigung der Annaten, des Rechts, die Prälaten zu consirmiren, und untervielen andern Vorbehalten auch die Papstmonate, oder die nicht mehr nach den Er-lcdigungsfällcn, sondern nach den Monaten der Erledigung (deren 6 in jedem Jahreihm Vorbehalten waren) mit den Stiftern abwechselnde Verleihung der Pfründen.Durch allmälige Ausdehnung dieser an sich schon sehr beträchtlichen Vortheile, dieauch andre christliche Reiche unter andern Titeln gewähren mußten, hatten die Päpstees noch im 15. Jahrh. wieder so weit gebracht, daß ihnen die volle Hälfte der geistli-chen Einkünfte des Occidents unter mancherlei Namen zufloß. Hülfe gegen die Tür-ken war der gewöhnlichste Vorwand, wozu jedoch nur selten Etwas von diesen Unge-heuern Summen angewcndet wurde. Denn thcils mußte die Gunst der Parteien inRom, unter welchen die alten Geschlechter der Colonna und Ursini seit lange her wett-eiferten, erkauft werden, theils nahmen die Bedürfnisse der Verwandten (vgl. N e -potismus) so viel weg, daß für das allgemeine Beste der Christenheit eben nichtsübrig blieb. In der Sorgfalt für seine Familie trieb es wol kein Papst weiter alsAlexanderVi. (s. d.), 1492—1503, dessen Staatskunst der Religion und Moralebenso fremd war wie sein Leben. Sein Nachfolger Julius kl, 1503—13, wandtenicht minder jede Kraft auf politische Händel und den Krieg mit Frankreich, in wel-chem er sein Heer ritterlich anführte, aber trotz seiner Kanonen vor Bayard fliehenmußte. Zum Glück für ihn und seinen Nachfolger LcoX. (s. d.) wurde Maximilian!.durch äußere Umstände, endlich durch seinen Tod gehindert, mit dem Einfälle einerVereinigung der päpstl. und kaiserl. Krone auf seinem Haupte hcrvorzutrcten. Durchden Umstand, daß Ostreich, Frankreich und Spanien um die Lombardei und Neapelkämpften und sich daher wechselseitig um die Freundschaft des Papstes bewarben,hatte dessen politische Bedeutung gegen das Ende des 15. Jahrh. von Neuem zuge-nommen, als das nicht mehr zu wehrende Vordringen des Zeitgeistes ein Ereignißherbeiführte, am welchem Leos X. Staatskunst scheiterte. Luther, Zwingli v. Calvinwaren die Herolde einer Opposition, die fast die Hälfte des OccidentS vom PapsteloSriß, während denselben auch die Politik-Karls V. immer mehr in den Hintergrundstellte. Was frühere Jahrhunderte der Unwissenheit dem Papste zugestandm hatten,