Druckschrift 
8 (1830) O bis Q
Entstehung
Seite
239
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Papiergeld AZ9

drückte Summe unweigerlich in Metall zu bezahlen, oder das Papier nach gleichemWerth wie Metallgeld anzunehmen. Eine solche Versicherung muß aber von einerAutorität ausgehen, welche das vollkommene Zutrauen genießt, den Willen und dieMittel zu besitzen, ihr gegebenes Versprechen unverbrüchlich, jeden Augenblick undunverkürzt zu erfüllen. Andre Papiere können zwar eine solche Versicherung eben-falls enthalten, wie Schuldscheine, Wechsel, Bankactien, Pfandbriefe u. dgl.; alleindiese haben nicht den Charakter des Geldes, d. h. sie sind kein allgemeines Tausch-mittel, und können ihren Werth nicht auf der Stelle, nicht jeden Augenblick erhalten,sind nicht so zur Emulation, nicht zum Verkehre bestimmt; ihre Realisirung hangtvon einer festgesetzten Zeit ab, oft von Bedingungen, welche ihr Anbcingen einschran-ken oder erschweren. — Die Autoritäten, welche Papiergeld unter obigen Bedin-gungen auszustcllen vermögen, sind 1) Privatpersonen (Privatpapiergeld),die täglich oder wöchentlich viel auszuzahlen und wieder einzunehmen haben, z. B.Fabrikherren, die zugleich lebhaften Handel treiben. Diese können ihre Arbeiter undAlle, die mit ihnen in ihrer Stadt oder Umgegend in Verkehr stehen, auf ihren Cre-dit in Papiergeld auszahlcn, wenn in ihrem Comptoir die Veranstaltung getroffenist, daß Jedermann solch Papiergeld augenblicklich nach dem Nennwcrth in GeldUmtauschen, oder es dem Fabrikherrn gegen Waare u. dgl. zurückgeben kann. Soweit nun der Credit und die Geschäfte des Ausgebers sich erstrecken, was freilich nichtüber seine Umgegend sein wird, so weit pflegt auch sein Papiergeld in Circulation zubleiben und mancher Bequemlichkeit wegen sogar dem Metallgelde vorgezogen zuwerden. Ec aber genießt dadurch den Vortheil, so viel weniger baarcs Geld, als erPapiergeld in Umsatz brachte, und überhaupt nur so viel vorräthig halten zu dürfen,als etwa der hier und da gewünschte Umwechscl erfodert. 2) Gesellschaften, die einenausgcbreiteten Verkehr im In- oder Auslande haben, z. K. Banken (Bankno-ten, s. d.), können unter den Grundbedingungen des Credits eines Papiergeldessolchem schon eine größere Ausdehnung geben und es auch in beträchtlichem Sum-men ausgeben, je vollkommener und allgemeiner ihr Credit ist. Weil nun Papiergeldtransportabler ist, und große Auszahlungen darin schneller und leichter von stattengehen, so circuliren Banknoten u. dgl. gewöhnlich lange Zeit, ohne zur Auswechslungpräsentirl zu werden, und verschaffen der Gesellschaft auch einen gleichen und ver-hältnismäßigen Vortheil wie dem Privatmann. 3) Der Staat. Das Borherge-sagte findet bei dem SraatSpapiergelde ebenfalls seine Anwendung, nur in weit gro-ßem Verhältnissen. Der Credit des Staats ist allgemeiner, die Einnahmen sind be-trächtlicher, der Staat kann es seinen Casicn zur Pflicht machen, sein Papiergeldgleich baarem Gelbe anzunchmen, und hat weit mehr Mittel in den Händen, dasPapiergeld in lebhafter Circulation zu erhalten, sodaß bisweilen sogar Agio gegebenwird.— Da das Papiergeld seinem Stoffe nach gar nichts werth ist, und seinWerth nur von der Masse herrührt, die cs vorstellt, so kann es auch nie mehr gelten,als die Quantität dieser vorgestellten Masse betragt. Will man daher wissen, wasein Papierthalcr, ein Papierrubel, eine Pfund-Sterlingnote werth sei, so muß manauSmicteln, was ein solcher wirklicher baarer Thaler, Rubel oder Pf. Stcrl. in Sil-ber oder Gold wiegt, und wie viel von diesem Gewicht man jeden Augenblick für dasPapier erhalten könne. — Wie nun die Voriheile des Papiergeldes auf dem Creditdes Ausgebers beruhen, mit demselben steigen und fallen, immer aber wieder auf denUmstand, stets und genau so viel baar Geld dafür eintauschen zu können, als derNennwerth des Papiers besagt, so hängen auch von der Nichterfüllung dieser Be-dingung die Nachtheile ab, und sie können allerdings sehr groß werden und die trau-rigsten Folgen nach sich ziehen. Läßt z. B. ein Staat sein Papiergeld unter seinen No-minalwerth fallen, so verlieren zunächst alle Die, welche es für voll erhielten undnun nicht wieder für voll anbringen können; gewöhnlich fällt dann auch das Papiervon Hand zu Hand immer tiefer. Noch größer wird die Verwirrung, wenn, wie es