236 Papier
predigte Paulus dem Proconsul Sergius das Evangelium. Jetzt findet man anihrer Stelle das Städtchen Basso.
Papier, eine aus Pflanzenstoffen in Gestalt dünner Blatter bereitete Masse,vorzüglich um daraufzu schreiben oder zu drucken. Die älteste bekannte Art, dasägyptische Papier, ward aus der ägyptischen Papierstaude, Oz-porusksp^rus,bereitet. Diese gehört zu den Gräsern, ihr Halm ist unten von Scheidenblättcrnumgeben, oben trägt er eine Blüthendolde. Sie wächst, nach Plinius, am Nil undbei Syrakus in stehenden Gewässern. Den auf uns gekommenen Nachrichten zu-folge, löste man vom Halme des Papierschilfes die Häute oder Fäserchen in feinenSchichten ab, breitete diese auf einer mit Nilwasser befeuchteten Tafel aus undübcrstcich sie mit heißem klebrigem Nilwasser. Auf die erste Lage ward eine zweitegelegt, zusammengepreßt, an der Sonne getrocknet und mit einem Zahne geglät-tet. DaS Alter der Erfindung ist ungewiß. In spätem Zeiten wandten die Römervielen Fleiß auf die Bereitung ihres Papiers; sie hatten ihre Klutinatore-, (Leimer),NsIIestores (Hämmerer, Klopfer) ic., und bereiteten mehre Sorten. Das meistePapier ward in Alexandrien gemacht, welche Stadt sich dadurch große Reichthü-mer erwarb. Im 5. Jahrh. ward cs durch starke Auflagen sehr verlheuert. Im8. Jahrh. sing es an, durch Baumwollcnpapier verdrängt zu werden; doch erhieltcs sich in Italien bis zum 11. Jahrh. Auch die Eingeborenen von Mexico be-reiteten vor der spanischen Eroberung ihr Papier auf ähnliche Art. Sie entferntenaus den Blättern der Agave durch Auswässern alles Fleisch, legten die übriggeblie-bcnen Netze auf einander und überzogen sie mit einem erdigen Teige, der dem Gan-zen vicl Festigkeit und Elasticität gab. — Neben dem ägypt. Papiere finden sichnoch Reste von Baumbastpapicr aus jenen alten Zeiten, das aber wegen s. Sprö-digkeit und Brüchigkeit nicht so allgemein gewesen zu sein scheint. Außerdem schriebman im 11. und 12. Jahrh. auf Membrane. Die Araber lernten 704 das Baum-wollenpapier in der Bucharei kennen, bereiteten es nachher selbst aus roher Baum-wolle und brachten diese Kunst im 11. Jahrh. nach Spanien. Hier, wo man dieWassermühlen kannte, entstanden die ersten Papiermühlen, die später (1300)nach Italien, Frankreich und Deutschland verpflanzt wurden, und schon ansin-gen, baumwollene Lumpen zu verarbeiten. Dieses baumwollene Papier war u. d.N. der Oirsrts seriös, evttonea, Fnss)pins, i^Iins, llsmsscen» , auchl'sr-esmen» Arsevs und des Tuchpergaments bekannt. Es unterscheidet sich von demleinenen Papier durch weniger Zusammenhalt und größere Brüchigkeit. Abernach dem Ansehen mehrer spanischen Papierreste aus dem 12. Jahrh. zu urtheilen,hat man schon damals versucht, der Baumwolle leinene Lumpen beizumengen,was später wol auch der Weg gewesen ist, der zur Erfindung des leinenen Papiersführte. Eigentlich leinenes Papier kommt vor 1318 schwerlich vor; von diesemJahre aber hat das Archiv des Hospitals Kaufbeuern Urkunden auf leinenem Pa-pier aufzuzeigcn, sowie im dortigen Stadtarchive mehre von 1324, 1326, 1331befindlich sind, daher die erste Bereitung dieser Papierart wahrscheinlich nachDeutschland gehört. Spanien und Italien haben vor 1367 kein leinenes Papierin ihren Archiven und Bibliotheken. Aus China stammt diese Erfindung nicht,da die Chinesen noch gegenwärtig ihr Papier aus rohem Hanfe, Bambus - oderMaulbeerbaumrinde bereiten. Leinenes Papier wird seiner Festigkeit und Brauch-barkeit wegen als das vorzüglichste geschätzt. Die erste Sorge der Papiermachcrist das gehörige Auslesen der Lumpen (Hadern); denn Leinwand allein gibt gutesPapier. Alle wollene, baumwollene, seidene müssen abgesondert, und könnenhöchstens nur zu geringem Sorten als Zusatz verbraucht werden. Die leinenensortirt nochmals der Papiermacher nach ihrer Feinheit, Güte und Farbe, und rei-nigt sie von Staub, Holz, Sand, Erde, durch Ausschütteln, Klopsen, Wa-schen in der Waschmaschine (einer großen Tonn«, in deren Mitte durch einen Kü-