226 Parnöbrief Pannonien ^
wurde Kammerherr, ging 1747 als bevollmächtigter Minister nach Kopenhagen,und 2 Jahre darauf nach Stockholm. Bei seiner Rückkunft ward er Gouverneur des ^Großfürsten Paul Petrowitsch, und als Katharina ll. 1762 den Thron bestieg, er-nannte sic ihn zum Staatsminister. Der Krieg wider die Türken, welchen die Un-ruhen von Polen vcranlaßten; die Vertauschung des Herzogthums Holstein gegendie Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst, zum Vortheil der jungem Linie desHauses Holstein-Gottorp; der Friede mit der Pforte 1774; die Vermittelung Ruß-lands beim Frieden von Teschcn; endlich die bewaffnete Neutralität, wurden groß- Itentheils durch seine Vorstellungen hervorgebracht und durch ihn vollendet. Alle In- )structionen für die Feldherren und auswärtigen Minister, sowie die ganze Correspon-denz mit den fremden Höfen wurden von ihm selbst entworfen. Er war die Haupt-stütze des preuß. Systems in dem rüff. Cabinette; allein sein Einfluß aus Katharinahatte sich in den letzten Jahren bedeutend vermindert, sowie der seines Gegners gestie-gen war. Die Grundsätze, nach welchen er die öffentlichen Angelegenheiten leitete,waren, daß der Staat seine Würde, ohne Beeinträchtigung Andrer, stets behauptenmüsse, und cs einem mächtigen Reiche nicht anstehe, zu List und Verstellung seineZuflucht zu nehmen, sondern die offenste Freimüthigkeit das Verhalten seines Mini-steriums beseelen müsse. Ec behandelte die Geschäfte gern mit der Sanftheit undangenehmen Leichtigkeit, welche einen Hauptzug seiner tugendhaften Seele ausmach-ten. Überall bewies er große Festigkeit. Wo eS das Wohl des Staats galt, erschüt-terten ihn weder Drohungen noch Versprechungen. Er riech nur, wovon er über-zeugt war, daß es das Beste sei, und widersprach in diesem Falle selbst seiner Fürstin. 'Mit einem richtigen Verstände verband er eine scharfe Urtheilskcaft, tiefe Menschen-kenntniß und die Gabe der Überredung. Er starb den 11. April 178,1.
Panisbrief (von pani«, Brot, daher Brotbrief), ein Schreiben,worin ein deutscher Kaiser eine weltliche Person einem deutschen Stifte oder Kloster ^zuwieS, um ihm eine Laienpfründe zu verleihen. In karh. Stiftern war dies Rechtdes Kaisers, einen alten Diener, Trabanten, Hatschier u. dgl. unterzubringen,vielfältig in Übung geblieben, in den mittelbaren und protestantischen Stiftern aber !seit Jahrh. nicht mehr üblich gewesen, als plötzlich unter Joseph II. eine Mengederselben erschienen, um Personen aus den kaiserl. Erblanden in andrer Reichs- jstände Landern mit Pensionen zu begnadigen, was zu einigen gegen diesen Miß-brauch gerichteten Bestimmungen in der Wahlcapitulation seines Nachfolgers An- ^laß gab, auch bei Stiftung des Fürstenbundes mit angeführt wurde. ^
Pannonien, im Alterthume das von den Pannoniern, einem thrazischenVolke, bewohnte Land, zwischen den Illyriern und Celten auf dem nördl. Abhangeder östl. Alpen. Erst dem Kaiser Augustus gelang es, die Illyrier und Dalmaucrzu überwältigen; er drang in die Gebirge der Pannonier ein und bezwang sie (10 I.n. Ehr.). Eine gefährliche Verschwörung derselben gegen die Römer wurde durchLiberias gedämpft. Nachher scheinen sie unter Begünstigung der Römer sich ander Donau niedergelassen zu haben; wahrscheinlich aber erhielt ihr Lano erst unterClaudius die Einrichtung einer römischen Provinz. — Pannonien umfaßt auf un-fern Charten den östlichen Streif von Ostreich und Steiermark, ganz Ungarn, wel- iches daher vorzugsweise ?annonia heißt, soweit es auf der Südseite der Donau ^
liegt, einen Theil von Krain und Kroatien, ganz Slawonien und einen Streif von ^
Bosnien längs der Save. Wahrscheinlich theilte Hadrian es in ^»nnonia »»perivr ^oder ocvillentalis (nachher prima) und kaiinauia interior oder oriental!« (nachherseciwla). Seit dem markomannischen Kriege ward Pannonien häufig von Bar-baren mitgenommen. Ungleich mehr litt es durch die Völkerwanderung. Die Rö-mer verloren einen Theil des Landes im 4. Jahrh. an die Vandalen, dann an dieGothen. Ganz entrissen wurde ihnen Pannonien von den Hunnen unter Attila.
Nach dem Tode dieses Eroberers (453) ging das Hunnenreich in seine östlichen