Druckschrift 
8 (1830) O bis Q
Entstehung
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Palm (Johann Hcmrich von der)

weil s. Name nicht mit der Firma seiner Buchhandlung zusammentraf. Er hattelangst sich flüchten können und that es nicht; als er aber hörte, daß der augsburgerBuchhändler verhaftet sei, begab er sich von Nürnberg, das ungeachtet des Frie-dens noch von franz. Truppen besetzt war, nach der damals preuß. Stadt Erlangen.Nach wenig Tagen jedoch trieb ihn die Sorge für s. Familie nach Nürnberg zurück,wo er sich indeß nicht öffentlich sehen ließ. Da erschien ein armer Knabe im Buch-laden mit einem Zcugniß angesehener Männer und verlangte Almosen für eineSol-datcnwitwe. Er drang darauf, P. selbst zu sprechen. Der arglose P. ließ ihn zusich kommen und theilte ihm eine Gabe mit. Kaum hatte sich aber der junge Bett-ler entfernt, so traten 2 franz. Gendarmen, die durch diesen KunstgriffP. über-raschten, in den Buchladen, drangen in P.'s Zimmer und führten ihn mit sich zumfranz. General. Er ward über die Flugschrift befragt und sagte aus, was er nochin der Stunde s. Todes betheuerte, daß sie ihm von fremden Buchhandlungen, ohneBenennung, zur weitern Spedition nach Buchhändlcrgebrauch in verschlossenenPacketcn zugesandt worden sei. Da er nicht entdecken wollte, woher er sie erhalten,so ward er in ein Zimmer gesperrt, und den Tag darauf, wie er ging und stand, ineiner Chaise nach Ansbach zum Marschall Bernadette gebracht. Hier schlug manihm das verlangte Gehör ab. Der Adjutant des Marschalls erklärte, P.'s Ver-haftung gründe sich auf einen unmittelbaren Befehl von Paris. Er wurde hieraufnach Braunau (welches die Franzosen noch nicht an Ostreich zurückgegcben hatten)geschafft. Das von s. Gattin an den franz. Gesandten in München gerichtete Bitt-schrcibcn, in welchem sie bewies, daß außer dem nach Augsburg spedirtcn Packeteauch nicht ein Exemplar der Flugschrift von der Stein scheu Handlung verkauftworden sei, blieb unbeantwortet. Auf eine ähnliche Vorstellung an den MarschallBerlhier erfolgte der Bescheid, daß nichts mehr zu thun sei. Der Proceß wurde sobeeilt, daß das außerocdcntl. Kriegsgericht schon am 26. Aug., nachdem P. in 2Verhören s. Unschuld dargcthan zu haben glaubte und s. Loslaffung erwartete, dasTodcsurlhcil aussprach. Für P. hatte, ungeachtet das Urtheil dies behauptete, keinVertheidiger gesprochen, da der von ihm erbetene nicht erschienen war, und dasKriegsgericht ihm einen zu geben nicht für nöthig gefunden hatte. Ein Dolmetscherleitete die Verhöre. P. war bei seiner ersten Behauptung standhaft geblieben; auchfand sich in der ihm zur Last gelegten Schrift kein Aufruf zum Aufruhr oder Meu-chelmorde. Er glaubte daher, als man am 26. halb LI Uhr Mittags s. Kerkeröffnete, man werde ihm f. Freilassung ankündigen. Statt Dessen ward ihm dasLodesurtheil vorgclescn, welches noch denselben Tag um 2 Uhr vollzogen werdensollte. Vergebens ward der General St.-Hilaice von braunaucr Frauen und Kin-dern um Aufschub angefleht. Der Kaiser allein, hieß cs, könne begnadigen, wenner zugegen wäre. Dieser habe das Todesurtheil ausgesprochen und die unaufschieb-bare Vollziehung anbefvhlen. Indeß haben angesehene franz. Ofsiciere ausdrück-lich erklärt, daß nicht Napoleon, sondern daß Berlhier der Urheber dieses Justiz-mordes gewesen sei. P. starb als Märtyrer. Der Brite steuerte milde Beiträgefür die Familie des Gemordeten; in Petersburg trugen der Kaiser und die KaiserinMutter zu einer Sammlung bei; einzelne Städte: Berlin, Leipzig, Dresden, Ham-burg und Dorpat thatcn Dasselbe. Der Name Palm entflammte den Zorn derdeutschen Krieger zu blutiger Rache. Ein Sohn des Unglücklichen trat 1813 in dieSchar der Freiwilligen. K.

Palm (Johann Heinrich von der), Prof, der oriental. Sprachen u. Predigerzu Leyden und Ritter des belgischen Löwcnocdens, gcb. 1763 zu Rotterdam, einMann von umfassender Gelehrsamkeit und gebildetem Geschmack, gehört zu denelastischen Schriftstellern Hollands, so ausgezeichnet als Prosaist, wie Bilderdyk alsDichter. Die Revolution von 1787 vertrieb ihn von seiner Landpfarre in Zeeland;ein reicher Gutsbesitzer auf der Insel Walchcrn ward sein Mäcen, bis er 1795 den