214 Pallium Palm (Johann Philipp)
kritische Entscheidung hindern oder stören, Blutandrang nach dem Kopfe einenSchlagfluß droht; endlich wenn bei einem Kranken keine gründliche Heilung mehrzu hoffen ist, z. B. im letzten Stadium mancher chronischen Krankheiten, wo es nurnoch Geschäft des Arztes sein kann, das Leben des Kranken zu verlängern und seineLeiden zu mildern, insoweit Beides in der Macht der Heilkunst steht. X.
Pallium, Mantel, Obcrkleid, hieß besonders der wollene Mantel, dendie römischen Kaiser seit dem 4. Jahrh. an Patriarchen und höhere Bischöfe ihresReichs zu verschenken, und den diese als Zeichen ihrer geistlichen Gewalt zu tragenpflegten. Im 5. Jahrh. singen die Patriarchen an, mit kaiserl. Genehmigung selbstPallien an die Erzbischöfe beim Antritte ihres Amtes zu senden, welche die damitBeschenkten beim Hochamte tragen mußten. Dennoch wurde man gewohnt, dieErtheilung der Pallien an die Erzbischöfe für Zeichen der Bestätigung ihrer Wahlvon Seiten der Patriarchen anzusehcn, und die Kirchenvcrsammlung zu Konstan-tinopel machte es 872 zum Gesetz, daß alle Erzbischöfe von ihren Patriarchen ent-weder durch Auflegung der Hände oder durch Zusendung der Pallien bestätigt wer-den mußten. Die Päpste bemächtigten sich dieses Bestätigungsrechtcü im ganzenOccidente und foderten von den mit Pallien beehrten Erzbischöfen anfangs nureine schriftliche Verpflichtung zum kanonischen Gehorsam gegen den päpstlichenStuhl, seit dem 10. Jahrh. aber auch eine bedeutende Taxe für ihre Kanzlei. Un-geachtet der unmäßigen Erhöhung dieser Taxe wurde das Pallium als Unterpfandder päpstlichen Bestätigung der Erzbischöfe für unentbehrlich gehalten und bis aufdie neuesten Zeiten jedem Erzbischöfe und auch einigen mächtigccn Bischöfen beimAntritt ihrer Würde ertheilt. Seit dem 12. Jahrh. besteht es in einem 3 — 4Finger breiten, weißwollenen Kragen, der über den priestcrlichen Ornat um dieSchultern geworfen wird; ein Streifen davon hängt über den Rücken, der andreetwas längere über die Brust herab, und beide sind mit einem rothcn Kreuze bezeich-net. Dieser ebenso einfache als kostbare Schmuck (man bezahlte bis 37,000 Gldn.dafür) wird durch die Nonnen im Kloster St. - Agnes zu Rom aus der Wolle ge-weihter Schafe gefertigt und mit Denen, die ihn erhalten, begraben. 17
Palm (Johann Philipp), Bürger und Buchhändler zu Nürnberg, gcb. zuSchondorf 1760, auf Berthier's Befehl erschossen zu Braunau, den 26. Aug.1806, siel als ein blutiger Zeuge von Deutschlands tiefster Erniedrigung. Er hattein Erlangen bei seinem Oheim, Joh. Jakob Palm, den Buchhandel gelernt, hei-rathete späterhin die Tochter des Buchhändlers Stein zu Nürnberg und ward In-haber der Stcin'schen Buchhandlung daselbst, deren Firma er beibehielt. Im Früh-jahre 1806 versandte diese Handlung eine Flugschrift: „Deutschland in seiner tief-sten Erniedrigung", die, im Ganzen gehaltlos, bittere Wahrheiten über Bonapartcund das Betragen der franz. Truppen in Baiern in einer derben Sprache enthielt,an die Stage'sche Buchhandlung in Augsburg; jedoch, wie P. bis zum letztenAugenblick seines Lebens behauptete, als einen bloßen, ihm unbekannt gebliebenenSpeditionsartikel. Von der augsburger Handlung erhielt sie als Neuigkeit einGeistlicher, bei welchem französische Ofsiciere im Quartiere waren, welche Deutschverstanden und über den Inhalt der Schrift ihren Unwillen äußerten. Napoleonsauswärtige Polizei, die unter allerhand Vcrlarvungcn in Deutschland herumspürte,erfuhr bald, daß die Flugschrift durch die Stein'sche Buchhandlung nach Augsburggesandt worden sei. P. verlangte nun selbst bei der nürnbergischen Buchhand-lungSbehörde eine gerichtliche Untersuchung; sie ward aber abgelchnt. Jndeß wur-den in München, wo sich der franz. Gesandte Otto befand, die Nachforschungenfortgesetzt. P. war damals in München, wohin ihm seine Gattin meldete, daß4 Fremde in ihrem Hause nach jener Flugschrift gefragt, Alles durchsucht, undda sie nichts gefunden, sich entfernt hätten. P. beruhigte sie und kam nachNürnberg zurück. Wahrscheinlich hatte man ihn nicht schon in München verhaftet,