Palliativ 213
war die erste Frucht dieser botanischen Wanderungen. Nebenbei blieb kein Theilder Natur - und Menschenkunde von ihm unbeachtet. Das beweisen s. „Samm-lungen historischer Nachrichten", die „Neuen nordischen Beitrage", s. trefflichen„lcones ineeotoruin" und s. Beitrage zu dem Glossarium aller Sprachen im russ.Reiche. Er setzte nämlich eine von Katharina II. selbst begonnene Sammlung zueinem vergleichenden Glossar, von ihr damit beauftragt, fort und gab sie u. d. T.heraus: „I-ivAuarnm vocabularia ^UAustiooiinae eura oolleots" (Petersb.1787 — 89, neueÄ. 1790 fg. 1785 ward er Mitglied der kaiferl. Akad. derWissenschaften zu Petersburg und Ritter des Wladimkrordens, 1787 Historiographdes Admiralitätscollegiums. Da er in Tauricn zu leben wünschte, so schenkte ihmdie Kaiserin mehre heimgefallene Güter in dem fruchtbarsten südlichen Theile derHalbinsel, und seit 1796 lebte P. zu Symphcropol mit einem reichlichen Aus-kommen. Eine Frucht seiner letzten Reise, die er mit Geisler aus Leipzig aufeigne Kosten unternahm, waren die „Bemerkungen auf einer Reise durch die süd-lichen Statthalterschaften des russischen Reichs" (Leipzig 1799 und 1801, 2 Bde.,4.), wovon der 2. Theil ausschließlich der Krim gewidmet ist, die uns dadurchzum ersten Mal gleichsam ganz aufgeschlossen wurde. Neben 14Hesten der „8po-C,08 S 8 traxalvrum", die als Denkmal jener Reise betrachtet werden können, nen-nen wir wegen der darin entwickelten anziehenden Ansichten s. „Observation«! surla fnriniltion -les inontagnes et Ie 8 ebanAemeno arrives au Alobe, partivulie-I cment a l'egaril ,Ie I'eiupire Ku 88 s". Der Aufenthalt in Taurien war P. durchdie Gesetzlosigkeit der Tataren verleidet worden. Als daher auch seine Gattin ge-storben war, so hielt ihn nichts mehr ab, selbst mit großen Aufopferungen in Ge-sellschaft seiner Tochter zu seinem altern Bruder, Doctor der Medicin, nach Berlinzu reisen, wo er am 8. Sept. 1811 starb. Einen Theil seiner kostbaren Samm-lungen hat er der berliner Universität vermacht.
Palliativ (von pallium, Bedeckung, Hülle, Mantel) heißt, was zurVerhüllung, Verbergung eines Gegenstandes angcwendet oder gethan wird; da-her Palliativ ein Mittel, wodurch ein physisches oder moralisches Übel nicht gehoben,sondern nur verhüllt und den Augen Andrer entzogen wird. Insofern schon derBegriff dieses Wortes andeutct, daß das Übel im Stillen fortwirkt, und zuletzt diezerstörenden Folgen desselben um so verstärkter Hervorbrechen können, je länger sieim Verborgenen sich anhäuftcn, insofern verbindet man auch meistens einen Ne-benbegriff von Tadel und Vorwurf mit demselben, indem man ihm das Radikal-mittel entgegensetzt, welches das Übel an der Wurzel angreift und dadurch densichtbaren Äußerungen desselben die Nahrung benimmt, sodaß sie allmälig vonselbst verschwinden müssen. In medicinischer Bedeutung bezeichnen Palliativ-mittel solche Arzneimittel, welche besonders gefährliche, dem Gefühle des Kran-ken vorzüglich lästige, oder ihm und den Umstehenden auffallende Äußerungen derKrankheit mindern, ohne jedoch auf die ihnen zum Grunde liegenden krankhaftenUrsachen heilend zu wirken. Ungeachtet die Palliativmittel nicht ganz mit Unrechtin einem ungünstigen Rufe stehen, so gibt es doch auch Fälle, wo ihre Anwendungerlaubt, ja unentbehrlich ist. Zulässig ist sie, wo uns die Kenntnis der wesentlichenUrsache der Krankheit abgeht, und der Arzt sich mit der Bekämpfung der gefährlich-sten Zufälle begnügen muß; ferner da, wo wir zwar die wesentliche Ursache derKrankheit erforscht haben, allein sie mit den uns bekannten Mitteln vor der Handnicht heben können; ferner, wenn einzelne Zufälle der Krankheit den Kranken sobeunruhigen, daß er es vom Arzte durchaus verlangt, sie zu heben, und dieses, umden Kranken zu beruhigen und das Vertrauen zum Arzte zu befestigen, ohne we-sentlichen Nachtheil geschehen kann; wenn solche Zufälle bedeutender und in ihrenFolgen gefährlicher werden als die Ursache der Krankheit selbst ist, wenn z, B. heftigeSchmerzen die Ruhe und den Schlaf des Kranken verscheuchen, Krampfe«. dal. die