Palimpsestcn Palinuius 209
Palimpsestcn, wieder übrrschriebene Handschriften, eo«Iioe» resoripti(von 7r</X„- und i/,«w), haben in der neuesten Zeit durch die glücklichen Erfolge desMonsignore Majo (s Manuscripte u. Ma j o), um den Inhalt der ursprüng-lichen zu erforschen, die Aufmerksamkeit der Gelehrten und Bibliothekare sehrlebhaft auf sich gezogen, und man darf hoffen, daß die großen, noch wenig durch-suchten Handschristensammlungen zu Rom, Neapel, Oxford, Cambridge rc. nochmanche Trümmer der alten Literatur uns geben werden, die so dem großen Schiff-bruche entgangen sind. Bei der Theurung des Schreibmaterials, welches dieAlten anwandten, war cs natürlich, daß man auf Mittel dachte, einmal gebrauch-tes Pergament oder ägyptisches Papier noch einmal brauchbarzu machen. Derauswischende Schwamm war schon zu Augusts Zeiten nicht unbekannt. Perga-ment konnte man abkratzcn, und ein eignes Schabemessec (rakwrium) gehörte zudem Apparate der Abschreiber. Das so abgeschabte Pergament ward dann mitBimsstein abgeriebcn, um bequemer darauf schreiben zu können. Glücklicher-weise ist die ursprüngliche Schrift oft so leserlich geblieben, daß sie dem bloßen Augenoch sichtbar erscheint, oder durch Nachhülfe trockener chemischer Mittel wiederdeutlich hcrvortritt. Da die Abschreiber des Mittelalters (wo der Bedarf desSchreibmaterials, wegen der häufigem Nachfrage nach Chorbüchern, Miffalen ec.,fühlbar wurde) das ursprünglich große Pergament oftmals umbrachen, so findetsich die neuere Schrift zuweilen über die alte quer hinweglaufend, sodaß die altenund neuen Zeilen sich kreuzen (so in einer Schriftprobe bei Kopp: „Bilder undSchriften der Vorzeit", Thl. 1, S. 192), oder daß man die alte Schrift auf denKopf stellte (so in den Fragmenten des Ulphilas, im Fragmente des Phaeton rc.).Der steigende Eifer für alle Überreste der classischen Literatur richtete den Fleiß derGelehrten auf diese aufgehobenen Schatze, deren Fragmente aber die Mühe derGewinnung nicht zu lohnen schienen. Majo überzeugte die europäischen Gelehrtendurch den Fronto und einige andre Arbeiten, die noch gehaltreicher waren, einesBessern; seitdem haben die Auffindungen des Fragments aus dem „Phaeton" desEuripidcö, der Reste von Cicero's Büchern „I)e republica", Pcyron's Entdeckun-gen u. A., das Interesse für Zerstörungen vermehrt, die uns, wie die Lava des Ve-suvs, sonst verlorene Schätze erhalten haben. (S. Manuscripte.) 19.
Palindromen, ein Vers oder eine Zeile, welche vorwärts und rück-wärts gelesen denselben Sinn gibt; ein Krcbsvers. Z. B. der bekannte, denman dem Teufel in den Mund legt: 8i'xna te «iZna, tomor« me tanxi» et anxi,(kreuze dich, kreuze dich nur, du berührst und quälst mich vergebens).
Palingenesie, griech., die Wiedergeburt. Wir bezeichnen damit vor-nehmlich die Übergänge, die wir im Reiche der Insekten wahrnehmen, vermögederen ein Insekt, z. B. die Raupe, Fliege ec., in einer völlig veränderten Gestaltwiedecerscheint.
Palino die, ein (besonders poetischer) Widerruf Dessen, was man gegenJemand Schimpfliches oder Falsches gesagt hat. So schrieb Stcsichorus eine Pa-linodie s. Schmähgedichts auf die Helena, wofür er mit Blindheit gestraft wordenwar, und erklärte alle in demselben enthaltene Beschuldigungen für unwahr.
Palinurus, Steuermann des Äncas auf seiner Fahrt nach Italien, einSohn des Jasius. Bekannt ist die Dichtung, nach welcher der Gott des Schlafs,unter der Gestalt des Phorbas, denselben in dem Augenblicke, wo das Schiff sichder erwünschten,Küste nähert, mit täuschender Gewalt cinschläfert und in dasMeer stürzt. ÄncaS sah den verlorenen Gefährten in jenem berühmten Gesichtewieder, in welchem die Schatten der Unterwelt vor seinen Augen vorübergingcn,und P. erzählte ihm, wie er sich zwar aus dem Wasser gerettet habe, aber an derKüste des untern Italiens von den Lucanern erschlagen worden sei. Als die Lu-caner später von einer Pest heimgcsucht wurden, errichteten sie dem P. ein Eh-Conv.-Lex. Siebente Ausl. Bd. VIII, h 14