204 Paläphalus Palaprat
„soll nicht bloß lehren, wie man alte Schriften lesen lernen könne, sondern sie lehrtauch die Bestandtheile derselben auseinandersetzen, so weit als möglich auswärts dieQuelle einer jeden aussuchen, und abwärts thcils die Veränderungen, welche eineund die nämliche Schrift viele Jahrh. hindurch erlitten, darstcllen, theils diejeni-gen Abweichungen, welche mehre verwandte Schriftarten nach der Trennung vomgemeinschaftlichen Sprachstamme erlitten, Nachweisen". So erklärt sie Kopp(s. d.), dem Deutschland jetzt unter seinen Paläographcn den Rang einräumt.Das Gebiet der Paläographie ist sonach alles Geschriebene, und folglich täglichwachsend durch die neuen Entoeckungen beschriebener Denkmäler in allen früherunzugängigen Ländern; doch unterscheidet man sic jetzt dadurch von der Diploma-tik, daß man dieser die schriftlichen, mit höherer Autorisation versehenen Beglaubi-gungs- und Bestätigungsmittel der neuern Staatengcschichte (seit dem 5. Jahrh.)vorzugsweise zutheilt. Ihre wissenschaftliche Begründung verdankt die Paläo-graphie Bernard v. Montfaucon, der durch s. „?»IaeoAr»pKi<r Aiaeca" dem bis-her unsichern Verfahren eine Regel, den einzelnen Forschungen einen Kern gab, anden sie sich anlegen konnten. Leider ist das Exemplar dieses Werks, das d'Anscde Villoisson besaß und mit Nachträgen aller Art bereichert hatte, kurz vor dessenTode spurlos verschwunden. — Barthelcmy, der Vers, der „Reisen des Anachar-sis", gab zu dieser Grundlage s. »l'une paleozrnpbic n»misi»k»tiguo"
(,M«!IN. ,le I'acuä. den inner.", 1'. XXIV, 30) und brachte dadurch die Paläo-graphie der semitischen Sprachen auf einen Standpunkt, der dem der elastischenentsprechend war. Hegel in seinen paläogr. Fragmenten („Über die Schrift derHebräer und Griechen", Berl. 1816) und Hartmann in Rostock in s. „Unter-suchungen über asiatische Denkmäler" haben schätzbare Beiträge zu dieser Wissen-schaft geliefert. Die größte Schwierigkeit bieten überall die zusammengezogenenSchriftzüge, die in lat. Urkunden u. d. N. der tironlschcn Noten bekannt und b!Szun» 10. Jahrh. im Gebrauch gewesen sind. Nach manchen weniger glückliche»,oft verzweifelten Versuchen, haben sie durch Kopp's Scharfsinn eine bewunderns-würdige Lösung erhalten. Bei den Vorträgen, welche Prof. Hase zu Paris überneugricch. Sprache bei der Schule der lebenden morgenländ. Sprachen hält, pflegter auch Paläographie der griech. Handschriften und graphischen Denkmäler zu leh-ren, und ein Studium anzuregen, das in Frankreich seit den Benedietinecn vonSt.-Maur mit besonderer Vorliebe gepflegt worden ist. Das Interesse, das eseinflößt, hat auch in Deutschland ihm mehre Liebe gewonnen; doch fehlt überhauptnoch ein Werk, das mit einem Blicke die Elemente dieses Faches vor Augen legte.In Velasquez (Madrid 1752, 4.) und Buriel's „kaieoFratiil eupirilol-r" (Ma-drid 1758, 4.), in Joachim's „Einleit, zur deutschen Diplomatik" (Halle 1748,3. Aufl. 1785), ein „Alter Beitrag zur praktischen Diplomatie für Slawen",finden sich vereinzelte Stoffe, deren Anwendung Kopp in den „Bildern und Schrif-ten der Vorzeit" durch s. Beispiel gelehrt hat. An Genauigkeit und gewissenhafterTreue der Darstellung wird dieser Meister in der Kunst deS Lesens von Wenigenerreicht. Für Steinschriften des griech. Alterthums darf man durch das zu Ber-lin erscheinende „6'orpus liuwriptionum" von Böckh sich reiche Beiträge ver-sprechen. 19.
Palaphatus, ein vorhomerischer Dichter Athens. Ein andrer Paläpha-tus, wahrscheinlich aus dem 4. Jahrh., nach Einigen aus Athen, n. A. aus ParoSoder aus Priene, hintcrließ 5 Bücher über unglaubliche Dinge, worin Mythen alle-gorisch erklärt werden. Gewöhnlich mit Äsop zusammengedrnckt, einzeln am bestenvon Fischer, Lcipz. 1789.
Palaprat (Jean de Vlgot), ein beliebter Dichter, geb. zu Toulouse 1650von guter Familie, erhielt einige Male den Preis in denjcixilornux; dadurchreiste der Entschluß in ihm, sich ganz der Dichtkunst zu weihen. In seinem 25.
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