Palarncdcs Paläographie 20Z
Von 2—5 Uhr nimmt die wogende Menge ab. Dagegen benutzen die Wärterinnen,Ammen und Mütter mit ihren Kleinen diese Pause; aber bald strömt Alles, was iwdie Theater eilt, herbei. Gegen 8 Uhr nehmen die öffentlichen Mädchen die Alleeein, unö später findet man solche, für eine kurze Zeit, noch zahlreicher in den Gale-rien, welche die Polizei ihnen zu ihren Promenaden angewiesen hat. Die funkelndeBeleuchtung beginnt, und die Stunden bis 11 Uhr werden die rauschendsten undmannigfaltigsten. Nach 11 Uhr verliert sich allmälig das Getümmel, und um 1LUhr ist Alles leer und todtenstill. Da die Alleen 3 Mal des Tages besprengt wer-den, so ist der Staub nie beschwerlich. Eine wohllhuende Abkühlung bewirkt ein iwder Mitte des Gartens angelegtes großes Bassin mit einem Springbrunnen, der iweiner aus 24 Öffnungen hervorgehenden Garbe aufsteigt. Auch tritt man aus demGarten durch eine zweite Galerie in den Hof, wo gewöhnlich die herrlichsten Blu-men und fremde Gewächse zu haben sind. Ein andrer Ausgang führt durch eineFreitreppe hinauf in die glänzende Rue Vivienne. So wenig dieser Ort, wo dieSinncnlust des Leichtsinns über alles Reine, Stille und Heilige zu spotten scheint,den unverdorbenen Fremden fesseln wird: so belehrend ist er dennoch für den Un-erfahrenen, ergötzlich und unterhaltend für den Schuldlosen und anziehend für dewBeobachter der Menschen und Sitten; er ist daS reichste und lebendigste Gemäldeder Frivolität und des Luxus, des Sinnenrauschcs und der Verderbtheit derneuern Zeit.
Palamedcs, einer der griech. Helden vor Troja, nach der Sage ein Soh«des Nauplius, Königs von Euböa, und der Klymene. Nachdem er mit ander»griech. Gesandten die Helena von Priamus vergebens zurückgesodert und den ver-stellten Wahnsinn des Ulysses, der sich dadurch von dem Zuge gegen Troja frei zumachen dachte, aufgcdcckr hatte, schloß er sich dem griech. Heere an. JmKciegsratheder griech. Helden setzte er sich den Anmaßungen des Agamemnon entgegen undnahm selbst eine Zeit lang dessen Stelle als Oberfeldherr ein. Doch kommt von die-ser Thcilnahmc des P. im Homer noch Nichts vor. Über ihn sind überhaupt dieSagen sehr verschieden, vorzüglich über s. Tod. Nach der gewöhnlichsten vergrubUlysses einen Schatz im Zelte des P. und brachte diesen durch einen untergeschobe-nen Brief in den Verdacht eines Einverständnisses mit Priamus, worauf P. alsVcrräthcr gesteinigt wurde. Ihm wird die Erfindung des Würfelspiels und dcSSchauspiels, oder ooch wenigstens die Einführung des letztem, wie auch die Erfin-dung der Rechnung und des Maßes und Gewichts bcigelegt. Noch allgemeiner istdie Sage, daß er das alte griechische, von Kadmus zuerst eingcführte Alphabet,welches aus 16 Buchstaben bestand, durch 4 andre (gewöhnlich nennt man ttHrf/)vermehrt habe. Auch werden ihm astronomische und medicinische Kenntnisse zuge-schriebcn. Nach allen Sagen spielt er in der ältesten Bildungsgcschichtc der Grie-chen eine bedeutende Rolle.,
Palämon, s. Melicertcs.
Palankin, eine in Ostindien gebräuchliche Art von Tragscsseln mit 4Füßen, einem ziemlich hohen Geländer ringsherum und einer gewölbten Decke mitBambusstäben, inwendig mit einer Matratze und einigen Kissen belegt, überdiesnoch mit einem Vorhänge versehen, den man, um in dem Palankin zu schlafen,heruntcrlassen kann. Er wird von 4 Trägern (KuliS) auf den Schultern getragen,denen 4 andre zum Abwcchseln beigesellt sind. Sie machen eine besondere Classe derSudcrs (der letzten indischen Kaste) aus und haben in jeder Stadt und jedem Dorfeihren Vorsteher, der mir den Reisenden den Accord abschlicßt. Man reist in diesenTragsesseln ziemlich schnell, bequem und sicher, denn die Träger beobachten einengewissen Taktschritt und sind ehrliche, dienstfertige Leute.
Paläographie, die Wissenschaft, durch deren Hülfe uns das Verständ-siiß aller (graphischen) geschriebenen und gezeichneten Denkmäler eröffnet wird.