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8 (1830) O bis Q
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Pala-s Royal

sem oder jenem Buchhändler frage man nach dem ältesten wie nach dem neuesten,

»ach dem wiffenfchaftlichsten wie nach dem frivolsten Buche, und man wird cs sinden. Berühmte und unberühmte Schriftsteller versammeln sich bei ihm, und umsie her wimmelt es von Kritikern und Dilettanten. Das Bijouteriegewölbe daneben,das 3 Bogenhallen cinnimmt, bietet der armen Braut den kleinen Ring und derreichsten Fürstin die brillantenen Armbänder. Dies funkelnde Gewölbe ist Abendsvon mehr als 50 Wachskerzen erleuchtet, und große Spiegel vermehren das zauberi-sche Strahlen- und Farbenspiel. Elegante Modehändlerinnen walten hier mit ihremScepter. Was die phantastische Laune aus Band und Pettinct, Blumen und Fe-dern zu schaffen versteht, formt sich hier unter den niedlichen Fingern einer Scharvon zierlichen Mädchen. In diesem Gewölbe breiten sich die glänzendsten seidenenZcuche, die köstlichsten Merinos aus, in jenem die feinsten Tücher, die weichstenorientalischen Shawls, hier die nettesten Wäschwaaren, dort die zartesten Sticke-reien. Gewölbe mit Uhren aller Arten wechseln mit Niederlagen des geschmackvoll-sten Porzellans ab; hier sind Knöpfe von Wcdgcwood und Diamanten, dort Uhr-ketten von Gold, Degengefäße von Stahlbrillanten und Silber; hier duften dielieblichsten Parfüms, dort fesseln den Blick die vollendetsten Miniaturgemälde, dieherrlichsten Kupferstiche ; und ebenso lockend sind Bonbons wie mathematische In-strumente, Kinderspielzeug wie Gewehre in bunter Mannigfaltigkeit nebrneinander-gereiht; dazwischen erblickt man wieder ein weites Gewölbe, das Alles faßt, wasman an Bekleidung im erlesensten Geschmackc nur wünschen kann ; dort ein andresmit Chiffonnieren und allem Hausrath, dem Bequemlichkeit, Kunst und ModeEntstehung, Pracht und Gestalt gaben. Lotteriecollecteurs und Geldwechsler,Petschaftstecher und Pastetenbacker, Restaurateurs und Obsthändlrrinncn drängensich in jede Reihe. Aufgethürmt sind die erwähltesten Leckereien aller Mrerc undProvinzen in der berühmten Loutigue au Aourmanä, wahrend man in dem Oakv«le kui das beste Eis findet, bei welchem die ausgesuchteste Gesellschaft sich versam-melt. Aus dem Oase lies avcixle« ertönt die fröhlichste Musik von lauter Blindenausgeführt, während wilder Lärm und freche Ausgelassenheit aus den Oase« llueaveau und 'lu »auvags erschallen. Daneben zieht der Oak« «lu veutrilogue durchdie Possen seines Eigenthümers ebenso viele Gaste an, als dort der Oakö lle,mi»e colouues durch seinen, von allen Seiten zurückgespicgelten Glanz. ktbrigenSsind alle Waaren im Palais Royal um die Halste theurcr als im übrigen Paris.

Das äußere Leben drangt sich hier so allgcbietend auf; cs scheint über alles Geisti-ge, über das Innere, Reine, Heilige und Natürliche so leichtsinnig zu spotten, daßder unverdorbene Fremde sich gewiß aus diesem bethörenden Lustlabyrinthe baldwegsehnt. Noch anlockender und verführerischer als die Galerien sind die ober» !Säle. Hier sind in der ersten Etage zwischen reichen Magazinen und glänzendenRestanrateursälen jene verrufenen Spielzimmer, wo an der grünen Tafel Rouletteund Rouge et noir die letzten Funken der Vernunft ersticken. In den Mansardenwohnen Künstler, viele der Familien, deren Gewölbe und Läden in den Bogen-hallen sind, auch einzelne öffentliche Mädchen mit Matronen, jedoch nicht in solcherZahl und noch weniger so hochgebildet, als es oft in Reisebeschreibungen darge-stellt wird. Spaziergänger trifft man zu jeder Tageszeit im Palais Royal an.

Früh eilt der ernste Geschäftsmann, der fleißige Künstler durch, um noch einmalfrische Luft zu schöpfen, ehe er an seine Arbeit geht; die Bewohner sind da noch im >tiefen Schlafe. Nach 8 Uhr werden die Gewölbe geöffnet; nach 9 Uhr fangen dieCaffeehäuser an sich zu füllen, die Zeitungsleser versammeln und die Gruppen ver-vielfältigen sich. Von 122 Uhr wird es der Sammelplatz der vornehmsten'Welt;rechtliche Frauen erscheinen und bilden hier die Schule des Geschmacks und derMode. Die Bänke reichen nicht zu; Hunderte von Strohstühlen, die unter denDäumen aufgeschichtet standen, werden herbeigeschafft und für 2 SouS vermietbet,