Druckschrift 
8 (1830) O bis Q
Entstehung
Seite
187
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Ovidius

L67

nung: die Auferweckung des Jünglings zu Nain (im Besitze des Hm. Welten zuKarlsruhe, der einige Blatter von O. hat lithographircn lassen), und sein Cartonzu Frankfurt, den Verkauf des Knaben Joseph darstellend, sowie der genannte,der bei der Ausstellung zu Rom 1819 allgemeinen Beifall fand, sind vollgül-tige Zeugnisse seines Künstlcrberufs. Sein frommes Gemüth gab ihm vonder frühesten Zeit an eine Richtung zu religiösen Gegenständen. Und ob-schon diese Ähnlichkeit seines Sinnes mit dem der altern Meister auch einegewisse Härte, die diesen eigenthümlich war, herbeigeführt haben mag, sohaben doch seine neuesten Arbeiten bewiesen, daß sein inniges Schönheitsgefühlin Gestalt, Ausdruck, Stellung und Anordnung auch über diese AengstlichkeitenHerr geworden ist. 19.

Ovidius (Publius), mit dem Beinamen Naso, einer der berühmtestenrömischen Dichter des augustischen Zeitalters, war aus ritterlichem Geschlechte,geb. zu Sulmo im Lande der Peligner, vor Chr. 43. Wenn er auch an künstleri-scher Vollendung einigen seiner Zeitgenossen nachsteht, so wird er doch von keinemderselben in anmuthiger Leichtigkeit und Gewandtheit übcrtroffen, wiewol er mit-unter in leere Geschwätzigkeit, witzelnde Antithesensucht und frostige Spielerei ver-fällt. Aber glücklich weiß er die kleinen, eigenthümlichen Züge menschlicher Lei-denschaft aufzufasscn und darzustcllen. Manche seiner Erzählungen aus dem Ge-biete der Idylle und Romanze sind ungemein lieblich und lebendig, z. B. dievon Pyramus und Thisbe, von DädaluS und Ikarus, von Philcmon undBauciS. Ovid sagt selbst in der merkwürdigen Elegie (der 10. d. 4. Buchs seinerTrauergcsängc), wo ec sein inneres und äußeres Leben schildert, er sei zum Dichtergeboren. Trotz der Ermahnungen seines Vaters, der einen tüchtigen Rcchtsge-lehrtcn aus ihm bilden wollte, habe ihn schon als Knabe ein geheimer, unwider-stehlicher Trieb zum Dienste der Musen hingezogcn; vergeblich habe ec sich bemüht,den Wunsch seines Vaters zu erfüllen! was er geschrieben, sei von selbst zumVerse geworden. Auf Reisen in Griechenland und Asien bildete er sich weiter aus.Sein Hang zur Gemächlichkeit und zum fröhlichen Lebensgenüsse, bei welchem ihmsein ansehnliches Vermögen zu statten kam, machte es ihm unmöglich, viel Zeitauf die Vollendung seiner Verse zu wenden, die auch in mangelhafter Gestalt vonder großen Menge mit Begierde gelesen wurden; denn die Sinnlichkeit fand inihnen reichliche Nahrung, und auch die Edlcrn wurden durch das Anmuthige derDarstellung und durch die Wahl des Stoffs vielfach ungezogen. Sein berühmtestesGedicht, welches die Mythologie poetisch zu umfassen strebt, sind dieMetamor-phosen" oder Verwandlungen, in Hexametern geschrieben; ein seltsames Werk, wennman cs als ein Ganzes betrachtet, was cs doch unstreitig nach dem Plane desDichters sein sollte. An einen Faden gereiht, den man nicht selten in Gefahr istganz aus dem Auge zu verlieren, windet sich der bunte Kranz der mannigfaltigstenErzählungen von dem gestaltlosen Chaos an, aus dem man das schön geordneteWeltall mit Allem, was darin lebt und webt, sich entwickeln sieht, durch diemythische Zeit und alle Wcltalter hindurch bis zu den Tagen Julius Casar's. Jededieser Erzählungen endigt mit einer Verwandlung; aber diese erscheint oft alsNebensache, während nicht selten eine lange Reihe von Versen, die darauf nicht diegeringste Beziehung haben, das Vorzüglichste und Anziehendste enthält. Ähnlich istein andres Gedicht Ovid's in Distichen, wo an die merkwürdigen Tage und Festedes römischen Calenders Erzählungen aus der Mythologie und aus der ältern römi-schen und italienischen Geschichte geknüpft sind. Es ist übcrschriebcnK.wti", um-faßt aber in 6 Büchern nur die 6 ersten Monate. Auch Sänger der Liebe ist O.,aber nicht der himmlischen. Jene göttliche Begeisterung, die in der Liebe un -endlich mehr ahnet und ahnen läßt als einen flüchtigen Sinncmausch, war jenerHeit fremd. Wir haben noch 3 Gedichte von ihm, welche sich ans die Likör beziehen,