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Ottokar II. Otway
des Mittelalters einen ehrenvollen Rang erworben. Hat auch sein Styl bisweilenetwas Gezwungenes und Gekünsteltes, so zeigt doch die ganze Behandlung desStoffs den mit dem Leben und Treiben der großen Welt vertrauten Mann. SeineVerwandtschaft mit dem Kaiserhaus« verschaffte ihm die genauesten Nachrichten undwichtige Urkunden, die er ganz einrücktc. Seine mit Unrecht bezweifelte Unpartci-lichkeitmachtihnhöchst schätzcnswerth; am schönsten har erste in der Schilderung derStreitigkeiten zwischen dem Papste und dem Kaiser bewahrt, bei welchen er, an dieeine Partei durch seine Verhältnisse als Geistlicher, an die andre durch seine Bluts-freundschaft geknüpft, allerdings einen mißlichen Standpunkt hatte. Übrigens warseine Ansicht der Geschichte, als eines großen Trauerspiels, welche durch sein ganzesWerk hindurchgeht, gewiß nicht mönchische Frömmelei, sondern tiefgeschöpstcs Er-gebniß aus den Schicksalen seiner eignen Familie und aus den Ereignissen, welche diedamals in trüben Massen zählende Welt seiner Beobachtung darbot. Neueste Ausgseiner Schriften in Urftistus's „Sammlung deutscher Geschichtschreiber"; seine Ge-schichte Friedrichs I. deutsch bearbeitet in Schillers „Memoiren", 1. Abth., 2. Bd.
Oitokar II., Primislaus, König von Böhmen seit 1253, Herzog vonOstreich seit 1251, der erste Erbauer Königsbergs in Preußen (auf einem Äreuz-zuge 1254), war ein kriegerischer, kronensüchtigcr Fürst, der eine Menge Gcwalt-thatcn auf sein Haupt häufte. Er schändete, wie man behauptet, die Tochter sei-nes Vasallen, Benesch von Dieditz, und zog sich dadurch die Feindschaft des mäch-tigen Hauses der Rosenberg zu. Nachdem er Steiermark durch den Sieg auf demMarchfelde (s. d.) 1260 behauptet hatte, ließ er Gertruden, Friedrichs vonOstreich Mutter, aus ihrer letzten Freistatt vertreiben. Er verstieß seine unfrucht-bare Gemahlin, Margaretha von Ostreich (1261), um sich mit Kunigunden vonMassovien, der Enkelin Bela's, zu vermählen, die mit Zawisch von Rosenbergbuhlte. Er ließ den Benesch nebst dem Otto von Meißau in dem Hungerthurmezu Eichhorn verbrennen u s. w. O. ward seines frühem Waffengesährten, Ru-dolfs von Habsburg, tödtlicher Feind, als dieser zum Kaiser erwählt wurde undim Namen des Reichs die usirrpirten Rechte von ihm zurückfoderte. Besiegt vomKaiser 1277, leistete er demselben auf der Donauinscl Kamberg die Huldigung.Daß hier die Vorhänge des Zeltes niedcrgefa'len seien, sodaß beide Heere den O.vor dem Kaiser kniend erblickten, ist eine unerwiesene Sage. Bald aber, durchKunigundens Schmähungen gereizt, brach O. seinen Eid und bereitete sich selbstden Untergang. O.'s Schicksal während 18 I., von seinem Sieg über Bela IV.von Ungarn bei Kroissenbruun (1260) bis zu seinem Falle in der Schlacht am Wei-denbache bei Stillfricd oder Marchegg (26. Aug. 1278) auf dem Marchfelde, gegenKaiser Rudolf, hat Grillparzer den Stoffzu einem Trauerspiele: „König OttokarsGlück und Ende" (Wien 1825) gegeben. In dieser Schlacht hatte ihn einRosen-bcrg, des Benesch Bruder, mit seinem Hecrhaufen verrätherisch verlassen, undein Merenberg, der unter des Kaisers Fahnen focht, gegen Rudolfs Befehl, imKampfe getödtet. Ihm folgte in Böhmen und Mahren sein Sohn Wcnzeslav II.,mit welchem 1305 der Stamm Przemislas's erlosch.
Ottvmanische Pforte, s. Osmanen.
Otus, s. Aloiden.
Orway (Thomas), Tragödicndichtcr, gcb. 1651 zu Trotting in Sufsex,erhielt seinen ersten Unterricht zu Winchester und bezog 1669 die Universität zuOxford, die er aber vor Beendigung seiner Studien verließ. Er betrat in Londondie Bühne, jedoch ohne Erfolg. Glücklicher war er als Theaterdichter. 1675wurde sein erstes Trauerspiel „Alcibiadcs" gegeben; und 1676 „Don Carlos", dermit großem Beifall ausgenommen wurde. Seine theatralischen Arbeiten verschaff-ten ihm vornehm ' Bekanntschaften, durch welche er 1677 eine Anstellung als Cor-ner bei den nach Flandern bestimmten Truppen erhielt. O. folgte zwar seinem Re-