Druckschrift 
8 (1830) O bis Q
Entstehung
Seite
11
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Obsesiuium Okkasionalismus H

ten Art aber sind meistens Selbstsüchtige, welche zwar selbst gern klar und deutlichsehen möchten, aber Andre nicht an ihrem Lichte Theil nehmen lasten wollen. Vor-nehmlich ist dies der Fall bei denen von der dritten Art. Sie wollen gern über Andreherrschen, und meinen, dies sei um so leichter, je unaufgeklärter Jene seien. Dahersind sie die hartnäckigsten Gegner aller Aufklärung und bilden eine Art von Partei,die man vorzugsweise Obskuranten nennt, sowie ihr gemeinschaftliches StrebenObskurantismus. In frühem Zeiten bezog sich dieser Obskurantismus hauptsächlichauf das Religiöse, und ging von der Geistlichkeit aus, welche das Volk (die sogen..Laien, hohen und niedcrn Standes) in der Dummheit zu erhalten suchte, um cSdesto leichter für ihre selbstsüchtigen Zwecke zu benutzen. In unsern Zeiten bezieht ecsich mehr auf das Politische, und seine meisten Anhänger finden sich in den höher»Ständen der Gesellschaft, welche aus ähnlichem Grunde wünschen, daß das Volk(worunter sie aber nur die nicoern Stände verstehen) nicht über seine Rechte aufge-klärt werde. Indessen verbinden sich auch oft der religiöse und der politische Obsku-rantismus mit einander, weil beiderlei Obscuranien in gewisser Hinsicht einen ge-meinsamen Zweck haben und durch gemeinschaftliches Wirken ihre Absichten besterzu erreiche!, hoffen. Da aber das Licht ein natürliches Bedürfniß der Menschen(körperlich und geistig) ist, so ist der Obscurantismus ein widernatürliches und ebendarum vergebliches Bestreben. v.

Obsequium (lat.), 1) Gehorsam, Ergebenheit, insbesondere der unbe-dingte Gehorsam gegen die Obern, zu dem sich Mönche und Nonnen durch die Or-drnsgclübde verpflichten (s. K l o st c r g e l ü b d e); 2) ein Gefängniß, in das sie we-gen bewiesener Widerspenstigkeit eingespcrrt werden, um Gehorsam zu lernen; 3) inder Mehrzahl, und mit deutscherEndigung(Obsequien), bei den Katholiken dasTobten- oder Seelenamt für Verstorbene; auch das feierliche Leichcnbcgängniß, dieTodtcnfeier. (S. Exequicn.)

Observanten, Observanten, Fratres de observantia, Fratres mi-nureo 8. I''raneioci reFuloris vbservantiae, s. Fr an ci s c a ne r.

Observanz (ubserv-intia), Gewohnheit, Herkommen; im besonder»Sinne eine, in einer Gesellschaft (universitsn) durch stillschweigende Einwilligungihrer Mitglieder eingeführte Regel.

Observatorium, s. Sternwarte.

Obsidian, ein natürliches Glas, welches keine Spur von Krystallformzeigt, sich meist derb oder in Körnern findet, muscheligen Bruch, Glasglanz,schwarze, graue und dunkelgrüne Farben und mittlere oder geringere Durchsichtig-keit hat. Ec ist hart, hat 2, Zfachcs specifischeS Gewicht und findet sich lagen-weiS in der Nähe thätigcr und ausgebrannter Vulkane, auf Island, in Ungarn,auf den liparischen Inseln, auf Teneriffa und in Mexico. Wegen seiner Politur-sähigkeit wird er unter dem Namen Lavaglas und isländischer Achat zu allerleiOrnamenten und zu Schmuck verschlissen. Nach dembblinb. pbilos. journ.",VllI, 1823, soll der Obsidian derselbe Stein sein, wie der kürzlich wiedergefun-dcne äthiopische Opsianstein.

Obstbaumzucht, s. Pomologie.

Occam oder Ockam (Wilhelmvon), s. Nominalisten und Scho-lastiker.

Occasionalismus, Veranlastungslehre, System der gelegentlichen Ur-sachen, ist eine metaphysische Ansicht, betreffend das Wirken der Dinge in ihrerBeziehung auf Gott, welche sich in Descartes's Schule ausbildetc. Bor diesemherrschte nämlich die Meinung, daß der Körper in die Seele wirke und Bewegun-gen in derselben hcrvorbringe, und umgekehrt; man schrieb also jedem von beideneine Fähigkeit zu, Veränderungen in dem andern hervorzubringen; und diese An-sicht wurde das System des natürlichen Einflusses genannt (8/8tema inlluxu«