Druckschrift 
12 (1830) W bis Z
Entstehung
Seite
XI
Einzelbild herunterladen
 

XI

7 ->

ausgchobcn wisscn wollte, der Theolog, Jurist, Mcdi'cincr, Philvlog,Militair, der Kaufmann, der Landwirth, der Politiker, machte Jeder inseiner Art andre Anfoderungen, und es blieb für die beiden RedactorenNichts übrig, als sich dabei'am Ende ihrem individuellen Takte zu über-lassen, zwar alle darüber laut werdende Stimmen zu hören, jedoch nurDem zu folgen, was ihnen die eigne Beachtung der Welt, der Lite-ratur und der Wissenschaft darüber anrieth.

Bei den neuen Auflagen hingegen verglich der Herausgeber undHauptredacteur die von wohlwollenden Freunden eingegangencn Be-merkungen, und beachtete vor Allem die Zeit und ihre Erscheinungenmit Sorgfalt und mit Rücksicht auf die für das Werk daraus sich er-gebenden Gegenstände. Außerdem hatte er die höchste Aufmerksamkeitauf die gesammte europäische Literatur gerichtet, und sobald die Unter-stützung des Publicums es zuließ, ward jedes neue Werk, welches Aus-beute für das Lexikon hoffen ließ, angeschafft. Nicht bloß die deutschen,sondern auch fast alle wichtigem ausländischen Zeitschriften wurden inBeziehung auf das Werk von ihm durchlaufen, und aus ihnen Allesangemerkt, was für dasselbe passend oder näherer Erwägung werthschien. Er nahm ferner die von den Mitarbeitern eingehenden Artikelin Empfang und besprach sich über ihre Aufnahme nach Inhalt, Formund Umfang mit dem zweiten Redacteur v. Ludwig Hain. Eig-nen Ausarbeitungen unterzog er sich dagegen selten, und nur im Facheder neuesten Zeit - und Literargeschichte und Biographie. In letztererübernahm er jedoch bei der vierten und fünften Auflage die letzte Durch-sicht. Eine große Thätigkcit, ein besonders auf das Praktische gerichte-ter Blick, eine allgemeine encyklopadisch-literarische Bildung, ein vielbe-wegtcs Leben, bedeutende Reisen, Kenntniß der neuern Sprachen undder neuern europäischen Literatur, verbunden mit einem lebendigen Eiferfür Alles, was Kunst und Literatur und deren Förderung betrifft, mach-ten ihn zur Leitung dieser nicht für die Schule, sondern für dieWelt bestimmten Unternehmung vielleicht vor vielen Andern geschickt.Denn, indem er die Schule, als Verleger bedeutender wissenschaft-licher Werke und Zeitschriften, insbesondere als Herausgeber und Re-dacteur desHermes", stets vor Augen hatte, die Welt aber, alsHerausgeber und Redacteur derDeutschen Blätter", derZeitgenossen",desLiterarischen Conversationsblatts" *) und derUrania", prüfendbeobachtete, stand er gleichsam in der Mitte zwischen beiden, was auf dieAusbildung des Conv.-Lcx. und auf die sichere Grundlegung der NeuenFolge desselben den wichtigsten Einfluß haben mußte.

Die innere Leitung im Ganzen und im Einzelnen, mithin dieeigentliche Nedaction der Artikel, hatte dagegen der zweite Redacteur.Ihm lag es zunächst ob, in die vielen Hunderte der aus jeder Wissen-schaft gewählten Artikel eine gewisse Übereinstimmung zu bringen, dieLücken derselben anzugeben, die Verweisungen anzuordnen und die Wie-derholungen auszumerzen. Wo sich nach gedruckten Hülfsmitteln Ar-r tikel entwerfen oder bearbeiten ließen, faßte er dieselben in der Regelselbst ab. Die Beiträge fremder Mitarbeiter wurden, nach vorgängiger

*) DiesesLiterarische Conversations-Blatt", seit Juli 1826Blat-ter für literarische Unterhaltung" genannt, hat sich, aller Anfeindungenungeachtet, seine Fortdauer gesichert, und der verstorbene Herausgeber erlebte nochdie Genugthuung, zu sehen, daß es eins der gelesensten und geschätztesten deutschenBlätter wurde.

1

* !

i

>

i

U

--»--U-ck..