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11 (1830) T bis V
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Vossius (Gerhard Johann Jsaak)

Dazu kommt die technische Vollkommenheit des Versbaues, in welcher ihm, wennman zugleich auf Reinheit der antiken Form Rücksicht nimmt, vielleicht nur Apelzur Seite stehen möchte. Im deutschen Homer hat V-, in Beziehung auf Geistund Form, eine seltene Meisterschaft bewiesen, wiewol eine gewisse Übcrbietung deseinfachen Grundtons und eine Liebe zu tönenden Prachtwörtern oft sichtbar sind.Noch gelungener ist die Übersetzung der Virgil'schen Eklogen und des Lehrgedichtsvom Landbau, in welchem er vielleicht das Höchste erreicht hat. Am wenigsten ge-fällt die Übersetzung der Horazischen Oden, und eine starre, gekünstelte Monotoniecharakteri'sirt als Manier s. letzten Arbeiten, namentlich dcnAristophancs und Shak-speare. Als Dichter ging V. mit s. Freunden von Klopstock aus, und s. ersten Her-vorbrmgungen fallen in die sogen. Sturm- und Drangperiode, von deren Einflüssenauch V. nicht freigeblicben ist. Er ist zwar weniger sentimental als naiv, allein durchindividuelle Wahrheit und gediegene Natur ringt er, vorzüglich in s. Idyllen, denbesten griech. Mustern nach. Auch besitzen wir von ihm manche ergreifende Ode,manches liebliche Lied, besonders aus s. Jugendzeit. Das berühmteste s. Gedichtein der idyllischen Gattung ist dieLuise", in welcher er mit dem glücklichsten Erfolgeden Geist und Styl der Theokrit'schen Idylle nicht ohne Nachklänge des Homer'schenEpos ausdeutsche Häuslichkeit übertragen hat. Es erschien davon 1823 eineAusg.letzter Hand (auch in lat. Hexameter übers. vom Pros. Fischer). V. ist überhaupts. Natur nach mehr ein antiker Dichter; das zeigt schon s. Bekämpfung der neuromantischen Schule und die Verschmähung mancher südlichen Formen in der Re-cension der Bürger'schen Sonette. Neue wohlfeile Ausg. s. Gedichte, Königsberg1825, 4 Bde., 12. Nachrichten aus s. Leben stehen im 2. Th. s.Antisymbolik".Seine kleinen Schriften erschienen u. d. T.:Kritische Blätter, nebst geograph.Abhandlungen" (Stuttg. 1829,2 Bde.). Abraham Voß gab dieBriefe vonJoh.Heinr. Voß, nebst erläuternden Beil." heraus. Der 1- Bd. (Halberst. 1829)enthält die früher geordnetenErinnerungen aus meinem Jugendleben" bis1766; s. Briefe an Kästner, Boje, Brückner und an Ernestine Boje. Die Büstevon I. H. Voß hat Zwerger in Franks, a. M. (nach einer Todtenmaske) ähnlichmodellntt. bl>.

Bvssius, oder eigentlich Vos, ist der Name einer niederländ. Familie,aus welcher im 17. Jahrh. 2 Gelehrte sich berühmt machten. GerhardJohannV, geb. 1577, der Sohn eines Landpredigers in der Nähe von Heidelberg, studirtedie schönen Wissenschaften, Geschichte und Alterthümer, und galt für einen Polyhi-stor. Nachdem er eine Zeit lang der Schule zu Dortrecht als Rcctor vorgestanden,ward er als Pros. der Beredsamkeit nach Leyden und von da (1643) als Pros. derGeschichte nach Amsterdam berufen. Dieser fleißige Gelehrte schrieb viel im histor.und philologischen Fache. Seine sämmtl. Werke sind zu Amsterdam in 6 Folioban-den herausgekommen. Seine beiden Bücher über die griech. und lat. Geschicht-schreiber und s. Schriften zur lat. Grammatik werden besonders geschätzt. Er starb1649. Von s. 5 Söhnen, die alle Schriftsteller wurden, überlebte ihn nur einer,Jsaak!L., geb. zu Leyden 1618, der auch Geschichte und Kritik studirte und sichbesonders durch letztere einen ausgebreiteten Ruhm erwarb. Er machte eine gelehrteReise durch England, Frankreich und Italien, wurde 1648 von der Königin Ehri-stina nach Schweden berufen, verließ aber dieses Land wieder wegen Streitigkeitenmit dem berühmten Salmasius. Auch mit Jakob Gronov bekam er später gelehr-ten Streit. In der Folge ging er nach England, wurde Kanonicus zu Windsor undstarb 1688. Seine zahlreichen Schriften sind philosophischen, historischen und phi-lologischen Inhalts. Er wollte das chronologische System, wie es in der griech.Übersetz, der 70 Dolmetscher enthalten ist, und das man seit langer Zeit aufgegebenhatte, wieder einführen und vertheidigte es mit vieler Heftigkeit, die er auch bei an-dern gelehrten Streitigkeiten bewies, in denen er bisweilen sonderbare Meinungen