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11 (1830) T bis V
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Voß

deutschten Horaz. Seine letzte dem Publicum übergebene Übersetz, ist der AratuS1824. Noch müssen wir des kolossalen Unternehmens gedenken, mit s. Söhnen,Heinri ch (st. 1822) und AbrahamV., den ganzen Shakspcare zu übersetzen:eine Aufgabe, die, wenn sie auch, mit Schlegel's Vorarbeit verglichen, nicht genügendgelöst scheint, doch von der rüstigen Kühnyeitdes unermüdlichen Greises zeugt. Die3 ersten Bde. nebst den Erläuterungen erschienen 1819 in Leipzig; Mctzler inStuttgart übernahm den Verlag der Fortsetzung, und 1830 wurde die Übers. mit dem9. Bde. vollendet. 1823 brach V.'s Opposition gegen Creu zer (vgl. d.) aus. Erschrieb dieAntisymbolik" (Stuttg. 1823; den 2. Th. gab nach s. Tode AbrahamV. aus der Handschrift 1826 heraus), in welcher V. nicht ohne Leidenschaft zurWachsamkeit gegen überspannte Lobredner der heidnischen Mystik aufrief. Fastgleichzeitig entflammte sich der religiöse und moralischeKampfüberKatholicismus,Pfaffenlhum und Junkerthum, welchen V. durch s. Aufsatz imSophronizon"über den Abfall s. alten Freundes Fritz Stolberg von der protcst. Kirche anzündete,und wodurch er die letzten Tage dieses würdigen Greises, wie auch vielleicht s. eignen,bitter trübte. Denn wenn auch zugegeben werden mag, daß jener Abfall B. um sotiefer schmerzte, je näher ihm Stolberg stand, so kann doch der Ton, in dem er gegenDiesen nach so vielen Jahren, in denen sich jede Leidenschaft hatte abkühlen müssen,auftrat, selbst Gleichdenkenden nicht als der rechte für eine solche Sache erscheinen.(Vgl.Hermes", VI und IX.) Unter solchen Verhältnissen, in denen 3). bis zus. Ende als entschlossener und kräftiger Streiter Stand hielt, starb er zu Hei-delberg den 30. März 1826, gestärkt und beruhigt durch häuslichen patririrchali-schen Frieden und das Bewußtsein, das Gute, Wahre und Rechte gewollt zu ha-ben. (Vgl. Paulus'sLebens- und Tvdeskunden von I. H. Voß", 1826.)Wenn wir V.'s reiches Leben bis jetzt nach diesen Hauptpunkten übersehen, so ist eSunverkennbar, daß er auf seiner Laufbahn als Dichter und Philolog, als Lehrerund Freund, für Wahrheit und Recht, für allgemeine Menschenveredlung gear-beitet, ja gekämpst hat; wir finden in ihm einen wahrhaft gediegenen, deutschenCharakter, in mündlicher Rede liebenswürdig, in seinem Wesen patriarchalischfreundlich; doch können wir auf der andern Seite nicht läugnen, daß Eitelkeit, Ei-gensinn und Streitsucht ihn oft verblendet haben. Er hat die Herrlichsten i.m deut-schen Volke zu Freunden gehabt; zuerst jene poetischen Jugendgenosscn in Göttin-gen, deren Verbindung für unsere Literatur so wichtig geworden ist, dann hat ermit Klopstock, Gleim, Claudius, Schlosser, späterhin mit Herder, Wieland und a-cdeln Männern im freundschaftlichen Bunde gelebt. Göthe und Schiller habenihn laut gepriesen, und wenn derwackre mimische Leue" von A. W. Schlegelscherzhaft parodirt ward, so hat ihm derselbe geistreiche Kritiker auch in manchenRecensionen vollkommene Gerechtigkeit widerfahren lassen. Noch erwähnen wirs. Fehde mit Wolf, die s. Sohn Heinrich aufgeregt hat. Als Philolog hatV eine vertraute Bekanntschaft mit den Alten und einen weiten Umfan g gelehrterSprach- und Sachkenntnisse bewährt; als deutscher Sprachforscher uni> Metrikerhat er unsterbliche Verdienste um unsere Sprache. Als Übersetzer classischer Dich-terwerke behauptet er unstreitig den ersten Rang, und es ist erfreulich, zu bemerken,mit welchem beharrlichen Ernste, mit welcher gewissenhaften Strenge, mit welchermetrischen Kunst er das Höchste in dieser Gattung erstrebt hat. Man hat zwar hinund wieder die Kühnheit mancher Sprachfügungen als Empörung gegen den Ge-nius der deutschen Sprache rügen wollen; allein es ist schon sehr richtn, bemerktworden, daß man die Mittel nach dem Zwecke wählen müsse, daß man viele ange-fochtene Wendungen, Stellungen und Constructioncn schon bri den besten Dich-tern aus der ersten Hälfte des 17. Jahrh, finde, und daß diese mit unerschütterlicherStrenge durchgeführte Methode nicht allein bei den Lesern Eingang gefunden, son-dern auch bei spätern Übersetzern wirklich zum feststehenden Typus geworden ist.