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11 (1830) T bis V
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Vorsprung Vorstellung

mung zu versetzen, theils der Gemeinde die Tonart des Chorals einzuprägen undsie mit der Melodie desselben bekanntzumachen. Hieraus folgen die Erfodernisseeines solchen zweckmäßigen Vorspiels von selbst. Es muß vor Allem einen demOrte und Gegenstände angemessenen Charakter im Allgemeinen haben, und folglichvon Allem frei sein, was der Würde der religiösen Musik widerstreitet. Alles Tän-delnde, alle schwülstige, verworrene Harmonien, »erkünstelte, gesuchte Modulatio-nen, galante Verzierungen rc. müssen daraus verbannt sein; insbesondere aber mußbeim Vorspiel Rücksicht auf den Charakter und Inhalt des darauf folgenden Ge-sanges genommen werden, damit nicht durch dasselbe eine dem Gesänge fremde Em-pfindung ausgedrückt werde. Der Hauptton des Chorals muß festgehalten unddurch keine weit ausschweifenden Ausweichungen, grelle gehäufte Dissonanzenoder dgl. verdunkelt werden. Durch Einwebung der Melodie des Chorals selbstwird diese der Gemeinde fester eingeprägt und kann von dieser nachher um so leich-ter vorgetragen werden, daher auch dies unter die Erfodernisse eines guten Vor-spiels gehört. Einsichtsvolle Organisten wissen ihre Gemeinde immer durch Ein-webung der Choralmclodien in ihr Vorspiel vorzubereiten, und nur schlechte versäu-men dies entweder aus Mangel an Einsicht und Überlegung, oder aus Mangel anharmonischer und contrapunktischer Kenntniß (die freilich hierzu durchaus nöthigist), oder an mechanischer Fertigkeit. Noch hat man unter der Benennung Prä-ludien viele Clavier- und Orgelstücke von Bach, Händel, Mozart u. A., die zumTheil ohne besondere Beziehung auf kirchlichen Gebrauch sind, zum Theil dazu an-gewendet werden können. So befindet sich z. B. in I. S. Bach'sWohltemperir-tem Clavier" vor jeder Fuge ein solches Präludium als Vorbereitung zur Fugeselbst. Außer der musikalischen Bedeutung versteht man unter Vorspiel auchnoch eine Art kleiner dramatischer Stücke (mit oder ohne Gesang, in Versen oderin Prosa), welche als Vorbereitung zu der darauf folgenden theatralischen Dar-stellung, wie das Vorspiel zuWilhelm Teil", oder zuweilen auch bloß (wie dieProloge) in Beziehung auf irgend eine wichtige Begebenheit verfertigt und darge-stellt werden. IHr.

Vorsprung, s. Risalit.

Vorstellung, Vorstellungsvermögen. Der Begriff der Vor-stellung wird verschieden bestimmt. Wir sehen dieselbe an als Veränderung derj Seele, wodurch dieselbe ein Object (ein von dem Ich abgesondertes Etwas) inS

1 Bewußtsein faßt. Das wesentliche Merkmal der Vorstellung ist, nach Fries,

Beziehung auf Gegenstand und Existenz überhaupt. Die Beziehung der Vor-i stcllung aber auf ihren bestimmten, durch sinnliche oder übersinnliche Anschauung> gegebenen Gegenstand ist die Erkenntniß, woraus sich ergibt, daß der Begriff desVorstellungsvermögens, als der Fähigkeit dieser Veränderungen, ein allgemeinerenBegriff als der des Erkenntnißvermögens ist, so nämlich, daß jede Erkenntniß aufVorstellungen beruht, aber nicht jede Vorstellung Erkenntniß ist. Beim Vorstellenaber unterscheidet man den vorstellenden Geist (Subject), ein vorgestelltes Object,

. und die Vorstellung als Beziehung des Subjects auf das Object. Diese Beziehungist selbst eine Modifikation des Bewußtseins, und ohne Bewußtsein keine Vor-stellung möglich. Wenn man daher von dunkeln Vorstellungen, im Gegensatze der^ klaren, redet, so gründet sich dieser Unterschied auf die verschiedenen Grade des Be-wußtseins. Oft sind wir uns nämlich der Gegenstände im Augenblicke bewußt,aber wir sind uns nicht immer bewußt, daß wir vorstellen (z. B. im Schlafe) undwas wir früher vorstellten (d. h. Dessen, was wir uns früher bewußt waren), soz B. nach einem Traume. Gleichwol erkennen wir später aus den Folgen, daß wirEtwas vorgestellt haben. Ferner, das augenblickliche Vorstellen selbst ist klarer odrrdunkler, je nachdem man mehr oder weniger an einem vorgestellten GegenständeUnterscheiden und ihn dadurch von andern absondern kann, welches Letztere von dex