Vorsehung
schlag. Der erstere wird durch eine kleine Note bezeichn-t, welche eine mit der we-sentlichen Note gleiche, oder wenigstens die Hälfte ihrer Geltung hat, und in die-sem Falle gibt die Hauptnote an ihn die Hälfte ihres Werthes ab; z. B. vor einerViertelnote wird ein Vierteloorschlag wie eine Achtelnote vorgetragen, und bei einerpunktirten Note behält diese bloß die Geltung des Punktes. Der kurze Vorschlagkommt gar nicht in Rechnung und wird nach Beschaffenheit der Melodie mehr oderminder kurz genommen. Er wird bezeichnet durch eine im Verhältniß zur Haupt-note viel kleinere Note, oder mittelst eines Strichs durch den Schwanz der Note.
Die Vorschläge werden jetzt häufig ausgeschrieben und gemißbraucht, so z. B. derVorschlug der Note auf dem Septimcnaccorde.
Vorsehung (proviilentia) heißt die zu einem Plan übereinstimmendeRegierung des Wellganzen, weil sie ein Vorherschen aller möglichen Erfolge undVeränderungen, und eine Vorsicht, die im Verhüten und Abwehren des Gemein-schädlichen ebenso folgerecht, als im Ordnen und Lenken zusammentreffender Um-stände und menschlicher Privatabsichtcn zum Zwecke des Ganzen wirksam ist, vor-auszusetzen scheint. Allein das Ewige hat keine Zukunft, und Gottes Wissen ist .ein immer gegenwärtiges Schauen alles ScinS. Wissenschaftlich erklärt ist daherdie Vorsehung derjenige Act des göttlichen Willens, wodurch die Fortdauer derWelt nach Maßgabe ihrer Bestimmung bewirkt, und jede Äußerung der in ihrthätigen Kräfte zum Ziele der allgemeinen Wohlfahrt geleitet wird. Ihr Einflußwird, in Rücksicht auf die Gegenstände ihrer Wirksamkeit, als Alles umfassende ^Weltregierung, abgesehen von den bezichlichen Begriffen des Großen und Kleinen,generell, als Obhut über das Einzelne und Kleine speciell, in Rücksicht auf ihreMittel, wenn sie nach den uns bekannten und begreiflichen Gesetzen der Welt-ordnung wirkt, natürlich, ordentlich und mittelbar, wenn sie uns davon abzuweichenscheint, übernatürlich, außerordentlich, unmittelbar, auch wunderbar genannt:Eintheilungen, die auf einem höhern Standpunkte, als der unsrige ist, zusammen-fallen müssen, weil Gott gleichzeitig das All im Einzelnen wie im All das Einzelnesieht und hält, und eine vollkommene Anschauung der Welt auch das Wunderbarenatürlich finden würde, wie schon die religiöse Ansicht der Dinge in Dem, wasnatürlich heißt, überall Wunder entdeckt. Daß diese Bestimmungen der wissen-schaftlichen Theologie das Gepräge der Unzulänglichkeit, die den menschlichen Vor-stellungen von Gott und göttlichen Dingen überhaupt eigen ist, an sich tragen, hin- >dert nicht die Anerkennung ihrer unläugbaren Übereinstimmung mit den Aussprü- <chen der heiligen Schrift, die, wo der menschliche Verstand nicht ausreicht, Grundund Anhalt gibt. Aus allen Blättern widerspricht sie, und mit ihr der gesundeMcnschensinn, der trostlosen Lehre des Fatalismus (s. Fatum), welche die dra-matische Kunst neuerdings, durch die Einführung einer nicht christlichen Schicksals-idee in die Tragödie, zu einem Hebel ihrer grausenerregendcn Wirkungen gemachthat. Das religiöse Gemüth wendet sich von solchen Zuckungen eines krankhaftenZeitgeschmacks weg, um mit den Augen des Glaubens und der Ergebung in Allem,was kommt, die Weisheit und Liebe des himmlischen Vaters, in dem stillen, be-glückenden Gange seines Waltcns über die Schicksale des Ganzen und der Ci-zel-ncn das unvergänglich Schöne, das nur durch die Schuld der Menschen entstelltwird, und in der Vergleichung der göttlichen Zusage mit den Erfahrungen der Auf- ^wirksamen die Bürgschaft einer nie ermüdenden, täglich neuen Sorgfalt für daSWohl des Geringsten wie des Größten zu sehen. bi.
Vorspiel (praoluäium) im allgemeinen Sinne ist ein musikalischer Vor-bsreitungssatz in der Instrumentalmusik. Insbesondere heißt so die Einleitung,w.lche der Organist beim Anfange des Gottesdienstes oder überhaupt als Vor-bereitung zu einem darauf folgenden Ehoralgesange vorträgt. Der Zweck des Vor-spiels ist, theils die Gemüther der Gemeinde in die zur Andacht erfvderliche Stim-