Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
787
Einzelbild herunterladen
 

767

Vorschlag

um ebenso viel und im nämlichen Sinne verrückt; daher der Name des Vorganges,obschon freilich eigentlich nicht sowol ein Vorrücken, sondern vielmehr ein Zurück-weichen stattfindet. Gerade Aufsteigung, Abweichung und Lange, die sich sammt-

> sich auf diesen Punkt und die Lage des Äquators beziehen, müssen also dabei noth-wendig mit verändert werden, und nur die von der Stellung des Fixsterns gegen

! die Ebene der Erdbahn, darin keine Veränderung vorgegangen ist, abhängige BreiteI> bleibt dieselbe. Zur Vcrsinnlichung des Vorganges hat der Prof.Bohnenberger

ü zu Tübingen eine sinnreiche Maschine ausgcdacht, wo ein Gewicht, welches auf

eine Kugel wirkt, die anziehende Kraft von Sonne und Mond auf die Erde darstellt,sodaß, wenn die Kugel zugleich in rotircnde Bewegung gesetzt wird, ihre Axe an-fangt, einen kleinen Kreis um eine gedachte senkrechte zu beschreiben, wie es die^ oben gegebene Erklärung von dem Vorrücken der Nachtgleichen ersodert. DerMechanikus Buzengeiger zu Tübingen verfertigt dergl. Maschinen zu 1 Carolin,und sie sind ihrer Brauchbarkeit wegen, auf den Vorschlag von Laplace, inderLcolopol^toclinigno eingeführt. Da diese Vorrücknng der Nachtgleichen angegcbener-maßen 50s-" auss Jahr beträgt, so werden zur Zurücklegung der ganzen 360° derErdbahn 25,788 Jahre erfodert: eine Periode, die man das große oder Platonische, Jahr nennt, indem die Sache schon den alten griech. Astronomen, wenngleich nichtmit der nämlichen Genauigkeit, bekannt war. Die Erklärung der physischen Ur-

> fache dieser langsamen Veränderung im Parallelisrnus der Erdaxeisteine der schwie-t rigsten Aufgaben der physischen Astronomie, und deren vollkommen befriedigendes Darstellung, an welcher sich selbst Newton vergeblich versucht hat, erst den neuesten

Geometcrn, einem d'Alembert, Euler, Simpson, Laplace, gelungen. Hier kann! darüber nur im Allgemeinsten angeführt werden, daß die abgeplattete Gestalt der! Erde (s. Abplattung) und die davon abhängige ringförmige Massenanhäufung^ in den Äquatorialgegenden, woraus sich Verschiedenheiten in den Anziehungen des

> Mondes und der Sonne ergeben, die Ursache dieser Erscheinung sind, welche eine

> überraschende und vollkommene Bestätigung der Newton'schen Ättractionsthcorieabgegeben hat. Hätte die Erde, bei gleicher Massenvertheilung, eine genaue Kugel-gestalt, so würde sie von einer, durch ihren und der Sonne Mittelpunkt gelegten,

I auf der Bahn senkrechten Ebene immer in gleiche und gleichlicgende Hälften getheiltwerden; und also, da die Anziehung auf jede dieser Hälften gleichmäßig ausfiele,

I keine dicsfallsige Stellungsveränderung erleiden können. Bei der wirklichen Lages der Sachen theilt jene Ebene dagegen, mit Ausnahme der Solstitialpunkte, den, sphäroidischen Erdkörper stets in 2 gegen dieselbe ungleich liegende Hälften. Alsofällt die Änziehung, sowol der Sonne als des Mondes, von dem das Nämlichegilt, auf diese beiden Hälften auch ungleichmäßig aus, und es springt in die Augen,daß eine Veränderung in der Stellung der Axe die Folge davon sein muß. Aus-führlich und deutlich handelt diesen Gegenstand ab: Lalande im 22. Buche derAstronomie" (3. Aufl., Paris 1792). Auch vgl. man d'Alembert'SUeolier-ellos sur lapreeession «los ögniaoxos" (Paris 1749, 4.); und den 1. Bd. vonLittrow'sPopulairer Astronomie" (Wien 1825). 0.

Vorschlag (oppoxgikrtura) in der Musik, heißt ein der Grundharmoniefür sich betrachtet unwesentlicher Ton, welcher irgend einem Hauptton in einer' Melodie hinzugefügt wird, um auf denselben vorzubereiten oder ibn besonders zu^ heben. Als Verzierung der Melodie werden die Vorschläge daher mit kleinen Notengeschrieben, um sie von den wesentlichen Noten zu unterscheiden,

und es ist nicht wesentlich, daß der Vorschlag aus der zunächst liegenden Ober- oderUntersecunde bestehe. Man unterscheidet aber einen langen und einen kurzen Vor«

5V*