Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
784
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784 Vorherr

bei der Regierung des Jsarkceises, Vorstand der k. Baugewerksschule und Mitgliedder k. Akad. der bildenden Künste, des landwirthschaftl. und des polytechnischen Ver-eins, dann Secretair der Deputation für Bauwesen und Landesverschönerung zuMünchen, geb. am 19. Oct. 1778 zu Freudenbach im Fürstenth. Ansbach, evan-gelisch, erlernte die Architektur, in Verbindung mit Staatswirthschast, durch Pri-vatunterricht und öffentliche Schulen: zu Freudenbach (die ersten Anfangsgründebei seinem Vater, einem verdienten Landbaumeister, der sich früher in Dresden,Berlin, Hamburg und Wien gebildet hatte und in einem großen Umkreise seinesWohnorts bedeutende Baugeschafte leitete; dann bei dem um seine Gemeinde, be-sonders um Jugendbildung, hochverdienten Ortspfarrec F. D. I. Ammon), zuUffenheim und Ansbach; auf den Universitäten Erlangen und Marburg, auf denKunstakademien zu Berlin und Paris, als königl. preuß. Pensionnair und Bau-praktikant, und bildete sich weiter aus durch Reisen in ganz Deutschland, in derSchweiz, den Niederlanden, Frankreich, Italien und England. Von 18003war er grast. Görtz'scher Architekt zu Schlitz; dort sind von ihm der neue Schloß-bau, mehre Garten und Wirthschafksgebäude, ein paar steinerne Brücken :c. be-sorgt worden; auch begann er schon damals im Kleinen für Landesverschönerungzu wirken, hierzu besonders angeregt durch seinen kunstsinnigen Bauherrn. Von1803 6 war er sürstl. manischer, dann bis 1809 kaiserl. stanz. Baumeister zuFulda, wo unter seiner Leitung die neue Wilhelmsstraße, eine neue Kirche, dannmehre Schulhauser, Hof-, Domainen- u. Salinenbauten, eine neue Hochstraße rc.entstanden sind. Daselbst bildeten sich seine Ideen für Landesverschöncrung mehraus; da aber die kriegerischen Zeiten in dieser Hinsicht keine praktischen Übungen ge-statteten, so theilte er sich darüber in Schriften mit, zuerst 1807 imAllgem. An-zeiger der Deutschen". 1809 erhielt er zu Paris sein Anstellungsdecret als Kreis-bauinspector zu München, 1810 wurde er Mitgl. des Obcrbaucommissariats, dannBaureferent bei der Krcisoberadministration, 1815 zugleich Baucommissionsrathund 1817 provisorischer Oberdaucommiffair im Slaatsministerium des Innern,1818 Baurath bei obengedachter Regierung. Viele neue Kirchen, Pfarr- undSchulhäuser, Wohlthätigkeitsgebäude, mehr? Wasser-, Brücken-und Straßen-bauten der Communen, der neue Bcgräbnißplatz zu München, zahlreiche Privatge-baude rc. sind nach seinen Entwürfen und unter seiner Leitung entstanden; besonderssuchte er auf die Vervollkommnung u. Unterstützung der Bauhandwerker nach allenKräften einzuwirken, bessern Baustyl zu verbreiten, und gab durchAndcuiungenüber die Direction des öffentlichen Bauwesens in Baiern" (1819) Fingerzeige zurOrganisation dieses wichtigen Verwaltungszweiges. Vorzüglich dürfte seine Be-gründung der großen Volkssache: Landesverschöncrung, Erwähnung verdienen,worüber seinMonatsblatt für Bauwesen und LandeSverschönerung" (München1821 fg 4.) Auskunft gibt. Nach ihm umfaßt die Landesverschönerungskunst imAllgemeinen den großen Gcsammtbau der Erde auf höchster Stufe; sie lehrt, wiedie Menschen sich besser und vernünftiger anzusiedeln, wie sie von dem Boden neuBesitz zu nehmen und solchen klüger zu benutzen haben; sie legt das Fundament zueinem verbesserten Kunst - und Gewerbwesen u. s. w. Im Besondern umfaßt siedas gesammte Bauwesen eines Landes, Wasser-, Brücken-, Straßen und Hoch-bau des Hofs und Staats, der Communen und Stiftungen, dann die Baupolizei,einschließlich der Polizei des Feld- und Gartenbaus; lehrt die Hochgebäude nach denWcltgegenden oricntiren und die Wohnhäuser, mit steter Hinsicht auf die Sonne,möglichst vollkommen einrichten; die Städte und Dörfer verschönern und besseranlegen; die Fluren vernünftiger eintheilen und freundlicher gestalten; bildet ge-schicktere Bauleute, und strebt, ein glückliches Bürgerthum zu gründen und zu er-halten. Die wahre Landesverschönerung entsteht nur dadurch, wenn Agricullur,Gartenkunst und Architektur, in größter Reinheit, ungelrennt nicht bloß für das