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11 (1830) T bis V
Entstehung
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Voltaire

dien verderben".Mein Freund Jean Jacques", sagte hierauf V.,ist kränkerals ich glaubte". Bald darauf mischte sich V. in die damals in Genf herrschendenpolitischen Streitigkeiten, und da er dadurch mit vielen angesehenen Leuten inZwist gerieth, hielt er für gut, diesen Aufenthalt zu verlassen. Er kaufte daherdas Landgut Ferney, im Pays de Gex, wo er in Gesellschaft seiner Nichte, Ma-dame Dem's, den Rest seines Lebens unabhängig verlebte. Er zog Manufacturi-sten und Colonisten in sein Gebiet, verschaffte ihnen durch seinen Einfluß bedeu-tende Vortheile, und herrschte wie ein kleiner Fürst unter seinen Unterthanen. Hierbaute er statt der alten eine neue prächtige Kirche mit der Inschrift:veo erexitVoltaire". In Genf, wo er bloß Personen des ersten Ranges besuchte, wurdeer als ein Theaterphilosoph ohne Grundsätze und Tiefe, als ein höfischer Sklaveder Großen und als ein Verderb« der Sitten dieses kleinen Staates angesehen.Auch machte sich V. über Genf lustig:tzuanäje seeoue ma perrugue, je pou-ilre toute la rspubligue". Ein entschiedener Feind der Tyrannei und Unterdrü-ckung, gewährte er manchem Verfolgten Schutz und Hülfe, u. a. der unglücklichenFamilie des Jean Calas, der als ein Opfer des Fanatismus gefallen war. Da-mals schrieb er seine meisterhafte Abhandlung über die Toleranz. Auch die Enkelindes großen Corneille fand bei ihm eine anständige Versorgung. In den zahlrei-chen Schriften, welche er in diesem, von der Welt geschiedenen Aufenthalte ver-faßte, bekämpfte sein freier Geist mit den Waffen des geistvollsten Spottes undder kühnsten Beredtsamkcit Alles, was seinen Ideen von Freiheit und Selbstän-digkeit, sowol in weltlichen als religiösen Dingen, widersprach. Der Geistlichkeitwar er wegen des Glaubenszwangcs und der Verfolgungssucht besonders abhold.Nur kränkte er oft die Religion selbst, indem er ihre Diener angreifen wollte.Auch leiteten ihn nicht immer die edelsten Bewegungsgründe. Unter And. schrieberdenCandide", einen philosophischen Roman, der von Seiten des Styls unterdie Meisterwerke dieser Art gehört. 1757 erschien die erste Ausgabe seiner Werke,unter seinen Augen veranstaltet. Sie versöhnten ihn mit Friedrich d. Gr. DerMonarch erneuerte seinen Briefwechsel mit V. und sandte ihm seine eigne Büsteaus Porzellan mit der Unterschrift:Viro immortsli!"Sire", antwortete V.,Sie haben mir ein Gut in Ihrem Gebiete geschenkt". Die Kaiserin Katharinasandte ihm gleichfalls prächtige Geschenke, von den artigsten Briefen begleitet. Erdankte ihr für eine von ihr selbst verfertigte elfenbeinerne Dose und für ihre Jnstruc-rion (für die von ihr angeordnete Gesetzcommisflon), die sie ihm übcrschickt hatte,durch ein von ihm selbst gestricktes Armband. 1769 ward eine Medaille auf ihngeprägt, zu der man den Vers aus derHenriade" nahm:II ote aux nstion»Is bancleau 6« I-erreur". Auch errichteten ihm franz. Gelehrte und Friedrich eineBildsäule mit der Inschrift:8tatue öri^ee ü Voltaire par l«8 iiommos des let-tre« 8vs ooinpatriotoa" ; und Ludwig XV. sagte:Er verdient sie". Kein Frem-der von Bedeutung ging Ferney vorüber, ohne dem merkwürdigen Manne seineAchtung zu bezeugen. Nur Joseph II. sah ihn nicht. Gleichwol war V. nichtsweniger als glücklich. Zu sehr an die immerwährende Bewunderung der Welt ge-wöhnt, ward er bald seines stillen Aufenthaltes überdrüßig, und begab sich in sei-nem schon weit vorgerückten Alter (Febr. 1778) noch einmal auf den Schauplatzdes Kampfes aller, auch der kleinlichsten, Leidenschaften, nach Paris. Hier fander ebenso viel Bewunderer, die ihn vergötterten, als erbitterte Feinde. V. wußtedies, daher antwortete er den Zollbedienten, die seinen Wagen anhielten, auf dieFrage, ob er nicht Eonlrebande bei sich habe:Nein, keine, als meine Person!" Die Frage des Königs bei seiner Ankunft, ob das Decret des Parlaments ge-gen V. noch seine Kraft habe, machte ihn besorgt, indessen geschah nichts weitergegen ihn. Die franz. Akademie sandte 3 ihrer Mitglieder zu seiner Bewillkomm-nungab, da sonst eins gesandt zu werden pflegte; die Schauspieler warteten ihm