Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
776
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Voltair

quise de Pric, der Geliebten des Regenten, die sein poetisches Talent bewunderte;doch mußte er das Reich verlassen. Er ging nach England, wo seineHenriade"auf Subscription, nach Verwendung des Königs Georg l. und der Prinzessin v.Wales, gedruckt wurde. Er hatte davon bedeutenden Gewinn. Auch ward ermit vielen Leuten von Stande und großen Gelehrten bekannt, allein seine gesell-schaftliche Bildung sprach die Engländer nicht an, wiewol er selbst große Vorliebefür die Engländer hatte. Er erlaubte seinem Witze so viel, daß man sagt: Pope'sMutter sei bisweilen durch ihn von ihres Sohnes Tische vertrieben worden. *) Als ^

er die Erlaubniß erhalten hatte, nach Frankreich zurückzukehren (1728), legte er '

seinen Gewinn in eine Lotterie, wodurch er, sowie durch andre glückliche Specula-tionen (er handelte u. d. N. Du Moulin, und befrachtete Schiffe nach Afrika), eingroßes Vermögen erwarb, sodaß er endlich, nachdem er seines Vaters und Bru-ders Erbschaft erhalten hatte, fast 130,000 Livres jährt. Renten besaß, wovon erjedoch einen löblichen Gebrauch machte, indem er besonders aufkeimende literarischeTalente unterstützte. Er selbst war so glücklich, niemals um seinen Unterhalt ar-beiten zu dürfen. 1730 brachte er die TragödieBrutus" auf die Bühne, einStück, welches ungeachtet mancher Vorzüge doch nicht allgemein gefiel. Manbezweifelte sogar sein Talent zum dramatischen Dichter, ja Fonkenelle und la Motteriechen ihm, nicht mehr in diesem Gebiete der Dichtkunst zu arbeiten. Seine Ant-wort war dieZaire", ein Trauerspiel, das einen so tiefen und allgemeinen Eindruckhervorbrachte, daß es noch jetzt ein Lieblingsstück auf der franz. Bühne ist. In iV.'s Geist lag ein Streben nach Opposition. Wo er die mindeste Blöße bemerkte, i

trat er mit allen Waffen, die ihm zu Gebote standen, als Gegner auf, und traf den r

verwundbaren Fleck. So bekämpfte er die Anmaßungen der Kirche in seinenLet- ^tre« piiilosopiüguen" mit solcher Heftigkeit, daß das Parlament von Paris dasBuch zum Feuer verdammte. Er selbst sollte verhaftet werd-n, und brachte dahereinige Jahre in Verborgenheit zu Cirey bei Vassi in der Champagne zu, wo er, vonder Besitzerin, der Marquise du C häkelet (s.d.) mit Freundschaft überhäuft, seinekllsmens sie I» piillosopbio cle Xevton" schrieb, wodurch er die großen Ansichtendes unsterblichen Briten seinen Landsleutcn begreiflich zu machen suchte. Er wollte,wie er sich ausdrückte, den Briareus in Miniatur als Zwerg darstellen. Indeßgelangen ihm wissenschaftliche Bestrebungen lange nicht so, wie die im Felde derschönen Literatur. Deßhalb kehrte er bald zur Dichtkunst zurück und schrieb 1736seineAlzire" und 1741 seinenMahomet". Die Ausfälle in dem letzter,, auf 'den Fanatismus machten, daß er der Geistlichkeit mißfiel, und daß er das Stück aus iden Rath des Ministers Fleury zurücknahm; doch ward es späterhin von demPapste (Bencdict XIV.) selbst in Schutz genommen, und ist, als eine der bestenfranz. Arbeiten dieser Art, auf der Bühne geblieben. SeineMerope" (1743)war das erste wirksame Drama voll Pathos ohne Liebe. Hier ward auch zum er-sten Male die Sitte des Hervorrufens des Dichters bemerkt. Schon vor diesemZeiträume hatte sich V. mit dem Hofe durch einen politischen Dienst versöhnt. Erstand nämlich mit dem damaligen Kronprinzen, nachherigen König v. Preußen,Friedrich d. Gr., der eine große Vorliebe für die franz. Literatur hegte, in Brief-wechsel. Als nun Friedrich 1740 den Thron bestieg, hielt man in Frankreich eineVerbindung mit ihm für wünschenswerth. V. wurde nach Berlin gesandt, und es ^gelang ihm, den Grund von Friedrichs Weigerung zu entdecken. Das Bündnißerfolgte, als Frankreich sich gegen Östreich erklärt hatte. Jetzt wünschte V. alsBelohnung seiner Dienste einige Zeichen der Gunst des Hofes, wodurch seine Auf-

*) Sein Stachelwitz entzweite ihn mit mehren Männern, die er hochschätzte; u.A.mit dem Odendichter, I.B. Rousseau, der seine Kritik benutzte. Einst rccitirte ihmdieser seineOüe st I» posterite".Diese Ode wird schwerlich an ihre Adresse ge-sangen", spöttelt? ;,nd Rousseau winde für iinmer sein Feind.