764 Bolkscalender, Volkslieder
nete Schriften, sie mögen sich nun auf Bildung und Unterhaltung im Allgemei-nen, oder auf körperliche, geistige, sittliche oder religiöse Bildung insbesonderebeziehen. Ihre Zahl ist sebr groß, und ihr Werth sehr verschieden. Schon diefrühern Zeiten hatten ibre Volksbücher; die deutschen insbesondere waren auchaußerhalb Deutschland bekannt; sie bestanden größtentheils aus alten Vvlkssagen,welche man nach Erfindung der Buchdruckerkunst aufzeichnete, als: „Die wun-derschöne Historie von dem gehörnten Siegfried'^; „Der ewige Jude"; „Historiavon der schönen Magellona"; „Der wiedererstandene Eulenspiegesi ; „Des Erz-schwarzkünstlers I). Faust's mit dem Teufel aufgerichtetes Bündniß"; „Fortu-natus mit seinem Scckcl und Wünschhütlein" (s. Görres's „Deutsche Volks-bücher", 1807), deren poetischer Gehalt von neuern Dichtern empfunden undin gediegenern Formen gefaßt worden ist, z, B. von Göthe und Tieck. In neuernZeiten bat man angefangen, das Gemeinnützigste aus mehren Fächern des mensch-lichen Wissens auszuheben und in einer der Fassungskraft des Volks angemessenenSprache darzustellen. Bccker's „Noth- und Hülfsbüchlein", welches 1781 er-schien und in die ungarische, böhmische, lettische, russische, dänische u. s. w.Sprache übersetzt ward, ist eins der vorzüglichsten. Im weitesten Sinne abergehören nicht nur die zum Unterrichte der Jugend bestimmten Bücher, sondernauch Predigt-, Gesang-, Communion-, Gebet-, Erbauungs - und Andachts-büchcr hierher, welche auch ascetische Schriften genannt werden. (S. Gesang-b ü ch er.) Den statistischen Beweis, wie nachtheilig der Mangel an Volksun-terricht dem Staate sei, hat Eh. Dupin in seiner merkwürdigen Rede über die „lüf-tete <Ie I'enseiFllernertt popuiaire «ur les prosperite, äo Is kranev" (PariS1826) geführt. 11.
Das allgemein verbreitetste Volksbuch ist der Bolkscalender, dem mandaher in mehren Staaten eine vorzügliche Aufmerksamkeit gewidmet hat. Unterden in Hinsicht auf Volksbildung zweckmäßig bearbeiteten Ealendern ist der vonFröding zu bemerken. Auszeichnung verdienen: „Der rheinländische Hausfreund",vvm großherz. badsicben Prälaten und Reichsraeh Hebel, und der gemeinnützige,Allen, die auf Volksbildung einwirken wollen, zu empfehlende „Nationalca-lender" vvm Hosralh Andre, der früher zu Prag, „für die östreichische Monar-chie" bestimmt, erschien, seit 1823 aber zu Stuttgart und Tübingen bei Eclta,von dem verdienstvollen Andre „für die deutschen Bundesstaaten, für Katholiken,Protestanten, Griechen, Russen, zum Unterricht und Vergnügen für Geistliche ,und Weltliche, Lehrer, Beamte, Bürger und Landleute" faßlich eingerichtet, mitKupfern herausgegeben wird. Noch sind zu nennen: „Der erheiternde Haus-calender" eWien, bei Strauß) und der „Bairische Nationalcalender" (München,bei Finsterlin). Wie in Berlin, so hat die Regierung auch in München dasganze Calenderwesen dem obersten Gelchrtenvereine des Reichs, der Akademie derWssfensch., übertragen. In Vaiern besorgt dieses Geschäft der OberkirchenrathWißmayr. (Vgl. seinen Aufsatz: „Über zweckmäßige Einrichtung der Volkscalen- !der, mit besonderer Rücksicht auf Daiern", in dem „Bairischen Nationalcalender" jfür das I. 1822.) , 20. ^
Zur Volksbildung, die am glücklichsten auf einem heitern, fröhlichen Grunde ^
gedeiht, tragen insbesondere noch bei die Volkslieder. So werden 1) in wei- i
lerer Bedeutung alle Lieder genannt, welche zum Gesänge für das Volk, im allge- !
meinsten Sinne des Worts, bestimmt sind. 2) In einer engern Bedeutung un- j
terscheidet man Kirchen - oder religiöse, oder sogen, geistliche Lieder von den Volks-liedern, und versteht unter diesen nur solche, welche nicht religiösen Inhalts oder für <>den kirchlichen Gebrauch, und überhaupt nicht zur Weckung und Belebung der An- jdacht oder zur Erbauung bestimmt sind. 3) Versteht man darunter Lieder, welche zvon den mittlern und untern Ständen in gesellschaftlichen Kreisen, oder im Haus- -