Völkerwanderung 759
und (375) die Westgothen, welche in dem alten Dacien und ln den Gegenden zwi-schen dem Dniester, der Donau und der Weichsel wohnten. Ein Theil der Alanenkam nach langem Herumschweifen an die Donau, im heutigen Ungarn, verbandsich mit den seit ungefähr 100 I. da wohnenden Vandalen, einer ursprünglich nord-deutschen Völkerschaft, durchzog mit ihnen Germanien und vereinigte sich mit ei-nem Theile der Sueven, einem deutschen Volke, das sich an der obern Donau nie-dergelassen hatte. Diese 3 Völker nahmen nun vereinigt den Weg nach dem Rheine,drangen (406) über denselben in Gallien ein und richteten da die größten V-rwü-i stungen an. Mainz, Strasburg und andre blühende Städte Galliens wurden vonihnen geplündert. Nachdem jene 3 Völker 2 I. hindurch Gallien verwüstet hatten,drangen sie (409) über die Pyrenäen in Spanien ein und theilten (411) das größ-tenthcils eroberte Land durch das Loos unter sich; nur ein kleiner Theil Spaniensblieb noch unter der Herrschaft der Römer. Diese Letztem sammelten jedoch baldwieder Kräfte und fanden sich im Stande, in Verbindung mit den inzwischen auchnach Spanien gekommenen Westgothen, die Eroberer anzugreifen. Die Alanen,die in Lusitanien (dem heutigen Portugal) ein Reich gestiftet hatten, wurden (418)gänzlich überwunden. Der kleine Rest dieses Volks begab sich unter den Schutz desvandalischen Reichs, und der Name der Alanen verschwand seit dieser Zeit aus derGeschichte. Die Vandalen (s. d.) führten mehre Kriege milden Römern undhatten sich dadurch über diese eine Überlegenheit verschafft, als sie (427) den Ent-schluß faßten, nach Afrika überzugehen. Das Reich, das ihr berühmter König1 Genserich da errichtete, wurde nach einer Dauer von 105 I. von des griech. Kai-sers Justinian großem Feldherrn Bclisar (534) vernichtet. Die Sueven, die sichnach dem Abzüge der Vandalen weiter in Spanien ausgebreitet hatten, behauptetensich in Galicien; doch ward auch ihr Reich durch die Westgothen (584) zertrüm-mert. — Die Hunnen, welche die erste Veranlassung zu diesen Kriegen gewesenwaren, hatten sich (377) in Pannonien niedergelassen. Von da aus unternahmensie, unter Attila (s- d.), einen verwüstenden Zug nach Gallien. Nach der Nie-derlage, dieAttila hier (451) erlitt, wendete er sich nach Italien, und nur mitMühe konnte er bewogen werden, Rom zu verschonen und Italien zu verlassen.Nach s. Tode (453) kam das Reich der Hunnen in Verfall; sie wurden von den Go-thm und Gepiden überwunden und hörten von dieser Zeit auf, ein eignes Volkauszumachen.
Gefährlichere Feinde für die Römer als die bisher erwähnten warm die G o -then, die wahrscheinlich zuerst an der Ostsee, in dem heutigen Westpreußen, ge-wohnt, sich aber nachher durch Polen bis zum schwarzen Meere und in die röm.Provinzen an der Donau ausgebreitet hatten. Schon im 3. Jahrh, sah Rom sichgenöthigt, ihnen (274) Dacien zu überlassen. Diese mächtige Nation, die ersteunter den germanischen Völkerschaften, welche diechristl. Religion annahmen, haltesich in 2 Hauptzweige getheilt. Ostgothen hießen die, welche gegen O., an demDon und dem schwarzen Meere wohnten; Westgothen die, welche die westwärtsgelegenen röm. Provinzen und die Gegenden zwischen dem Dniester, der Donauund der Weichftl innehatten. Als auch sie hier (375) von den Hunnen angegrif-fen und ihre Besitzungen zum Theil zu verlassen genöthigt wurden, räumten ihnendie Römer andre Wohnsitze innerhalb der Grenzen ihres Reiches ein. Die West-gothsn griffen (403) unter ihrem Könige Alarich die Römer in Italien an, bela-gerten Rom zu verschiedenen Malen, eroberten und plünderten es (410). Ala-! rich's Nachfolger, Ataulf, führte (411) s. Volk nach Gallien, und von da nachSpamen. Hier wurde das westgothische Reich errichtet, das von 624 an ganz Spa-nien umfaßte, zu welchem auch noch ein Stück von Frankreich und von Afrika gehörte,das aber (711) durch die Mauren (Araber) nach der Schlacht bei L-re« zerstörtwurde. Die Ostgothen, denen die Römer vorhin Mösicn eingeräumt hatten, zogen