Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
752
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752 Voi'gt (Johannes)

Hamburg Klopstock's, und mit neuer Kraft und Liebe zu s. Studien zurückkehrte.Nach glücklicher Vollendung s. akademischen Laufbahn hielt er sich fast ein ganzesJahr in Dresden auf, um den öffentlichen Geschäftsgang kennen zu lernen, und erfand daselbst, sowol im Umgänge der geachtetstcn Männer und Familien als in derBenutzung der öffentlichen Anstalten, reiche Belehrung und Unterhaltung. Hieraufrief ihn der Herzog Karl August 1796 als Assessor in der Regierung zurück; 2 Jahrenachher ward er Regicrungsrath und endlich 1806 Gehcimerrath. In diesen Äm-tern wirkte er nicht nur viel Gutes, sondern erwarb sich auch allgemeine Liebe undAchtung. Mit der größten Ordnung und Gewissenhaftigkeit übernahm er seit 1801die Stelle des Geh. Archivars. Neben diesen wichtigen Posten erhielt V. zuweilenaußerordentliche Auftrage von s. Fürsten. 1798 übertrug ihm der Herzog den Un-terricht des Erbprinzen Karl Friedrich im Staatsrecht, und V. entledigte sich diesesehrenvollen Auftrags so rühmlich, daß ihn die Juristensacultät zu Jena 1800 mitdem Doctordiplom beschenkte, nachdem ihn im Jan. dess. I. der Fürst v. Schwarz-burg zum PfalMafen ernannt hatte. Schon früher hatten ihn mehre Gelehrten-vcreine, u. a. 1799 die herzogt. Societät für die gesummte Mineralogie in Jena,zu ihrem Mitgliede gewählt. Gleich ehrenvoll waren für ihn die beiden Sendungennach Petersburg 1801 und 1804, wo er Klinger's, Storch's, Köhler's und Ade-lung's Bekanntschaft machte, sowie nach Berlin. Ganz vorzüglich waren s. Dienstein den Kricgsjahren 1806—7. — Auch häusliche und gesellige Tugenden übte ermit liebenswürdiger Anmuth; wie sein Geist und Charakter stark und erhaben, sowar auch s. äußereHaltung und s. Ausdruck ernst und edel. 1811 vermählte er sichmit s. Freundes Herder Witwe, Henriette Maria, geb. Schmid, einer Frau, welchemit den Vorzügen des Geistes und der Bildung alle Tugenden der Häuslichkeit ver-band. Sie brachte ihm 3 Kinder ins Haus und gebar ihm einen Sohn, der abernur kurze Zeit s. Glück erhöhte. Doch bald darauf (im Mai 1812) ergriff V. selbsteine tödtliche Krankheit, welche er sich durch ungewöhnliche Gemüthsbewegung,langen Aufenthalt in ungesunder Luft und ungewohnte Nahrungsmittel zugezogenhatte, wie es in jener unglücklichen Kriegsperiode fast nicht zü vermeiden war. Erstarb zu Weimar d. 19. Mai 1813. Classischen Werth hat Eichstädt's „Nemoriadiristiani klottl. <ie VoiAt eto." (Jena 1823, 4.).

Voigt (Johannes), Professor der Geschichte in Königsberg, Mitglied derGesellsch. für ältere deutsche Gcschichtskunde, geb. d. 27. Aug. 1786 in dem DorfeBettenhausen im Herzogthum Sachsen-Meiningen, wo sein Vater Chirurg war,sollte nach dessen Willen, aber ohne eigne Neigung, die Chirurgie studiren. Er kamdeßhalb zu einem Verwandten im Dorfe Henneberg, wo ihn aber die Ruinen desalten Stammschlosses weit mehr anzogen als die Stunden im Latein und in derMusik. Mit einer Tasche voll Erdäpfel hauste er ganze Tage darin. Nach Verlaufeines Jahres brachte ihn der Vater nach Meiningen aufs Lyceum, wo der DirectorSchaubach, durch s. Werke über die Geschichte der Astronomie berühmt, in ihm dieNeigung zum Studiren erregte, und er entschloß sich, nach dem Willen s. Ältern, zurTheologie, wicwol er lieber Schulmann werden wollte. So ging er 1806 nachJena, und studicte zuerst Theologie unter Griesbach, Gabler und August!; Philo-logie unter Eichstädt, der ihn in s. lat. Gesellschaft aufnahm, und dessen Vorlesun-gen ihn, nächst Griesbach's Kirchengeschichtc, am meisten intcressicten. Als kurzvor der Schlacht bei Jena Luden von Berlin als Lehrer der Geschichte kam, fühlteer sich durch dessen Programm über die Universalgeschichte und noch mehr durchs. Vorlesungen zu ihm und zur Geschichte hingezogen. Er hörte nur Einiges beiHeinrich, dem eigentlichen Pros. der Geschichte, und eilte s. theologischen Studienzu beendigen. Eine fast tödtliche Krankheit aber, während welcher er, bei einerOstündigen Ohnmacht, bald begraben worden wäre, verschob s. theoloa. Examenbis zu Ende des 2. Jahres, Er ward Candidat der Theologie und pr.'digte auch