Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
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Voigt (Christian Gottlob v.)

Lehrer der Tonkunst angestellt und hielt eine Zeit lang öffentliche Vorlesungen überMusik. 1803 machte er eine Reise nach Wien, um dort eine Oper zu componiren;als 1805 der Krieg ausbrach, begab er sich nach Baiern und führte in München beider Vermählungsfeiec der dasigcn Prinzessin s. große Oper: „Castor und Pollux",auf. 1807 machte er eine Reise nach Frankfurt a. M. und in die dasige Umgegend,und folgte einer Einladung des Großherzogs v. Hessen nach Darmstadt, wo der feu-rige Mann bis zu seinem, für die Tonkunst noch zu frühen Tode (1814) verblieb,nachdem ihn der Großherzog als Hoscapcllmeister angestellt und mit der Würdeeines Geh. geistlichen Rathes und dem Verdienstorden erster Classe bekleidet hatte.Don seinem Ersindungsgeiste zeigte das oben genannte Orchestrion, eine Art Orgelaus 4 Clavieren (jedes von 63 Tasten) bestehend, und an Stärke einer 16füßigenOrgel gleichend, wobei der Ton auf eine ganz neue Weise, durch Vermehrung undVerminderung der Luft bestimmt wird, und der Schall sich durch eine Dffnung derMauer gegen eine an seidenen Schnüren hängende kupferne Wanne (in Form einerhalben Pauke) wirft. Jenen Namen gab ihm der Erfinder daher, weil es durchNachahmung der Instrumente sich einem vollständigen Orchester annähert. SeinSimplisicationsspstem bezweckte, dem Namen nach, eine Vereinfachung derOr-g eln (s. d.). Es hat viele Tadler gefunden, obgleich Kenner versichern, daß Orgeln,nach diesem System eingerichtet, sowol Stärke als andre Vorzüge vor den gewöhn-lichen Orgeln zeigten. — Auch in der Theorie der Harmonie hatte V. viel Eigen-thümliches und Tiefgcdachtes. Dies leuchtet schon hervor aus s. Buche „Tonwiffen-schaft und Tonsetzkunst" (Manh. 1776), aus s. „Ocganistenschule", s. „Choral-system", s. „Handb. zurHarmonielehre" (Prag 1802), „System für den Fugenbau"(Offenb 1811) und s. Aufsätzen die Akustik betreffend. Überdies war er ein treffli-cher Lehrer, welcher s. Schüler begeisterte. Schüler von ihm sind Winter, K. M. v.Weber und Gotifr. Weber, Meyer Beer, Frech. v. Poißl und a. bedeutende Ton-künstler. Seine Messen, s. Opern: „Hermann von Unna" und „Samori", sowieeinige s. Orchestcrstücke, z. B. Sympbonien, sind noch immer sehr geschätzt. Einige s.Tonstücke sind noch nicht bekannt. Seine Kirchenstücke sprechen ein hohes religiösesGefühl aus und sind voll des einfachsten und schönsten Gesanges- Reichthum derHarmonie, kunstmäßige Behandlung des Satzes, seltene Kenniniß der Instrumentedienen überall dem Charakter, welchen er in s. Tonstücken hervorbringen wollte.

Voigt (Christian Gottlob v.), beider Rechte v., großh. sachsen-weimarischerGeh. Regierungsrath und Geh. Archivarius, geb. d. 27. Aug. 1/74 zu Alstädt inThüringen, kam mit s.Ältern, 3 I. alt, nach Weimar, wo s.Vater, ChristianGottlob (geb. 1743) , vom Bibliothekar und Advocaten bis zu dem ersten Posteneines Staatsministers und Präsidenten gelangte und in den Adelsstand erhobenwurde. Seine Erziehung beschäftigte Vater und Mutter mit ganzer Seele, indemdiese echte Religiosität, jener den Sinn für alles Wahre, Gute und Schöne in ihmentwickelten. Außer einigen besondern Privatstunden unterrichtete ihn Herder nebsts. Sohne Wilhelm Gottfried, weil er seit langer Zeit mit dem Vater in freundschaft-lichen Verhältnissen stand. So war V. mit 10 Jahren in Kenntnissen weit überdieses Alter hinaus, und kaum 13 I.alt, fing er schon an, lat., franz. und engl. Ab-handlungen zu schreiben, lernte Griechisch und bezog schon 1789 die Universität Jena.Außer der Rechtsgelehrsamkeit, welche V.'s Hauptstudium war, widmete er sich nochder Philosophie, Geschichte und den Naturwissenschaften. Sein Leben war frei undheiter, ohne an irgend eine Burschenschaft gebunden zu sein, die damals auch ihr Un-wesen trieben; gleichwol lebte er mit Allen in Friede und Freundschaft. Dazu kam,daß er durch des Vaters Empfehlung u. Verwandtschaft mit den vornehmsten Profes-soren freundschaftlichen Umgang pflog, vorzüglich MitHufeland, dem Rechtsgelehr-ten, und Schiller. Die Ferien benutzte er zu kleinen Reisen, wodurch er seine Sach-und Menschenkenntniß erweiterte, interessant« Bekanntschaften machte, wir zu