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Vogel
Wandern der Vogel, d. h. das Verändern des Aufenthaltsortes zu bestimmten Zei-ten. Man nennt diejenigen, welche wandern, Zugvogel, zum Unterschiede vondenen, die ihren Aufenthaltsort nie verändern und darum Standvogel genanntwerden. Die meisten kommen im Frühlinge zu uns, brüten, und ziehen im Herbstesich nach wärmern Ländern zurück; andre kommen aus kältern Ländern in unsreGegend, um hier zu überwintern. Viele Zugvogel, welche zeitig abgehen und spätkommen, z.B. die Schwalben, wandern bis nach dem Senegal; andre dagegen,die uns spät verlassen und früh zurückkehren, bleiben ohne Zweifel im südl. Europa.Vogel, die in unserm Klima Zugvogel sind, sind es im südlichen Frankreich, Italienund Spanien nicht; dagegen sind in Schweden und Norwegen viele Vogel Zugvogel,die bei uns das ganze Jahr über sich aufhalten. Diese Fremdlinge aus dem Nordenbleiben selten bei uns, sondern ziehen gewöhnlich noch weiter südlich; wie z. B. dieDohlen, die im Herbste scharenweise ankommen, mit den unserigen eine Zeit langumherstceisen, und wieder weiter gehen, wenn es '»wintert. Man bemerkt, daß siedie unserigen zum Mitziehen anlocken, doch die natürliche Liebe zurHcimath scheintdiese zurückzuhalten. Dies Wandern der Wöge! von Norden nach Süden, und um-gekehrt, findet auf der ganzen Erde statt. Die Gründe dieses Wanderns aber, sowiedie nähern Umstände der Wanderungen selbst, sind noch ein Räthsel; wir wissenvon wenigen unserer Zugvogel, wo sie überwintern, und ob sie die Reise ununter-brochen, d. h. so fortsetzen, daß sie unterwegs nur die nöthige Ruhe und Nahrung, genießen, oder ob sie lange verweilen und Streif- und Qucrzüge machen; ferner
wie sie dort leben, einzeln oder in Gesellschaft, ob sie singen u. s. w. Doch ist eswahrscheinlich, daß die von uns nach Süden gezogenen Vögel sich dort ebenso be-nehmen, wie die Ankömmlinge aus Norden bei uns, die sich als Gäste im Winterhier aufhalten. Sie leben unstät, streifen aus einer Gegend in die andre, schlafenund weiden da, wo es ihnen gerade gefällt, gesellen sich zu den einheimischen Vögeln,wie z. B. der Bergfink, der Schneeammer und dgl., besuchen mit ihnen, als willkom-mene oder lästige Gaste, sehr zudringlich die Bauerhöfe, Landstraßen u. s. w., undnehmen mit Freuden Abschied, wenn eine geheime Ahnung ihnen sagt, daß die Jah-reszeit in ihrer Heimath wieder milder werde. Meistentheils treten die Zugvögel desNachts, zumal gern bei Mondschein, ihre Wanderungen an. Sie locken sich dazumit eignen Tönen, und ermuntern sich so auf der Reise. Viele Gattungen, z. B. dieSchwalben, versammeln sich mehre Tage vor ihrer Abreise an gemeinsamen Orten,und ziehen dann in großer Gesellschaft fort. Mit der Rückkehr ist es vielleicht ebenso.Zur Zeit der Wanderung äußern auch die eingesperrten Zugvögel diesen Trieb; siesind unruhig, flattern, zumal des Nachts, im Käfig herum, und zeigen deutlich, daßauch sie, obgleich im warmen Zimmer und im Überflüsse, gern mit ihren Brüdernfortziehen möchten. Einige Naturforscher wollen vermuthen, daß in der Luft einedie Vögel leitende Ursache vorhanden sei; Kirwan meint, es sei ein Strom brenn-baren Gases, welches durch die Fäulniß der Thier- und Pflanzenkörper und durchVulkane innerhalb der heißen Zone sich entwickelte, uno den Polen zuströme. Eineziemlich gekünstelte und unwahrscheinliche Hypothese!! — In dem Haushalte die-ses Thiergeschlechts verdient der Nesterbau und das Brüten (s. d.) noch besondereAufmerksamkeit; hier zeigt sich ein Theil der Vögel bewunderungswürdig kunstreich.Äußert sich der Bcgattungstrieb, haben sich Männchen und Weibchen zusammen-gefunden, so beginnt gewöhnlich der Bau des Nestes. Die Materialien, sowie dieBauart, sind nach den Bedürfnissen und Umständen unendlich verschieden; sie ver-bergen sie sorgsam vor den gefahrdrohenden Augen der Raubthiere und Menschen,desto sorgsamer, je gefährlicher die Umgebungen sind. Die Materialien werden mitstrenger Wahl zusammengeschleppt und von den meisten kunstreich in einander ge-' fügt. Bei den meisten Gattungen ist das Weibchen der Baumeister, während dasMännchen ihm die Materialien zuträgt. Ist der Bau vollendet, so legt das Weib-