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11 (1830) T bis V
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Vögel

besteht, ist zugleich ein merkwürdiger Schmuck derselben, an den die Natur, beson-ders in wärmern Himmelsstrichen, in Ostindien und Brasilien, die bewunderns-würdigste Farbenpracht verschwendet hat. — Was die Sinne der Bögel betriff;, sosind besonders das Gesicht und das Gehör ungcmein scharf und fein; die Sperberz. B. erblickt in der weitesten Entfernung die kleinste Lerche, und die Singvögel ler-nen ganze Melodiken ohne Fehler nachsingen. Bei Geiern, Raben u. s. w. zeigtsich auch ein weitspürendcr Geruch; minder fein scheint der Geschmack zu sein; dasGefühl hingegen ist so zart, daß der leiseste Hauch einen Vogel aus dem Schlafewecken kann. — An Seelcnfähigkeitcn kommen die Vögel den Saugcthieren voll-kommen gleich, ja übertreffen sie zum Theil. Papageien, Staarc u. s. w. behal-ten mehre Worte, die sie lernen, und viele Singvögel ganze Melodien. Die Stärkeihres Gedächtnisses scheint auch der Umstand zu beweisen, daß Zugvögel nach halb-jähriger Entfernung, und nach Reisen von mehr als 1000 Meilen, ihren heimi-schen Aufenthalt, die Schwalbe den Balken, der Fink den Baum, die Grasmückeden verborgenen Strauch, wiederfinden, wo sie im vorigen Jahre ungestört ihreKinder erzogen, oder wo sie geboren wurden. Daß ihre Klugheit, List und Geleh-rigkeit auch geweckt und gebildet werden könne, beweist der Unterschied zwischenVögeln, die in unbewohnten Gegenden wohnen und nie Nachstellungen zu fürch-ten haben, und denen, die den Menschen nahe, von Gefahren umgeben sind. Schonder Feldsperling ist weniger schlau als der Haussperling, der der Menschen feindlicheGesinnungen täglich wahrzunehmen Gelegenheit hat; in unbewohnten Gegendensetzen sich Vögel dem Jäger auf den Flintenlauf, wenn er gegen sie anlegt, währendbei uns schon ein Stock, aufder Achsel getragen, der wilden Gans Verdacht einflößt;und Jeannot's gelehrt« Canarienvögel sind ein überzeugender Beweis, bis zu wel-chem Grade sich diese Thierchen durch fortgesetzte Aufmerksamkeit abrichten lassen.— Die Stimme ist eine Auszeichnung, die dem größer« Theile der Vögel vor derganzen übrigen Thierwelt eigenthümlich ist. Die Luftröhre der Singvögel, welchezu den kleinern Gattungen der Vögel gehören, ist so eingerichtet, daß sie ihre Stim-men zu den entzückendsten Melodien moduliren können. Dir Gabe des Gesangeshat nur das Männchen, und der Gesang selbst ist meistentheils Ausdruck der Liebe,daher er vorzüglich zur Zeit der Paarung gehört wird. Auch singen die Vögel nur,wenn sie sich wohl befinden; in Traurigkeit, bei rauhem Wetter und körperlichemÜbelbesinden schweigen sie. Es wird behauptet, daß der Gesang nur den Vögelndes nördlichen Klima eigen sei, die Natur im heißesten Süden dagegen sie mit glän-zenderer Farbenpracht ausgestattet habe; allein Förster erzählt, daß auf Otahaiti dieVögel entzückend schön singen, und Eook fand auf seiner ersten Reise in Eharlotten-Sund auf Neuseeland die Wälder mit kleinen Vögeln angefüllt, deren Stimmenan Lieblichkeit einem Silberglöckchen glichen. Keinem andern Thiere sind für denAusdruck der verschiedenen Empfindungen so mannigfaltige Töne gegeben; Hun-ger, Furcht, Wahrnehmung einer nahen Gefahr, Sehnsucht nach der Gesellschaftoder dem Gatten, Liebe, Traurigkeit u. s. w., werden durch eigne Töne ausgedrückt,die nicht nur den Individuen derselben Gattung eine verständliche Sprache sind,sondern auch oft von andern Gattungen verstanden werden. Wenn unter den Sän-gern eines Waldes einer einen Raubvogel gewahr wird, so verstummt auf seinewarnende Stimme der ganze Wald. — Die Vögelgattungen sind über die ganzeErde verbreitet; manche einzelne sogar von den Polarkreisen bis zu den Tropcnlän-dern; ihr Wohnort richtet sich nach ihren Bedürfnissen und ihren Eigenthümlichkei-ten; Felsen und Klüfte, Baum und Staude, Erde und Wasser dienen den ver-schiedenen Gattungen zum Aufenthalte. Während Spechte und Papageien fastimmer auf den Bäumen leben, sieht man Rebhühner, Wachteln u. s. w. nur aufder Erde; Störche und Reiher und dgl. bevölkern die Sümpfe, Schwäne undWasserhühner Flüsse und Teiche. Eine der merkwürdigsten Erscheinungen ist das