740 Vließ (güldenes) Vließ, das goldene (Orden)
renz, und gewann das ganze Vertrauen dieses liberalen Beförderers der Wissen-schaften und Künste. Wie sein Vorgänger Torricelli war er Mitglied der von Fer-dinand !i errichteten Accsllcmia >IeI cimento. V. ward zu verschiedenen Verrich-tungen, u. A. bei der Entwässerung deS Valdichiana (eines Thales, welches derFluß Chiana oft überschwemmte) gebraucht, worüber sein Bericht noch vorhandenist. Sein Name ward auch im Auslande bekannt. Ludwig XlV. ernannte ihn1699 zum Mitgliede der Akademie der Wissenschaften in Paris und gab ihm einePension. V. starb den 22. Sept. 1703 in einem Alter von 82 I. und hinterließden Ruhm eines großen und bescheidenen Gelehrten. Außer den beiden obenange-zeiglen Werken hat er noch hinterlassen: „linorlLtio ;>ioblematuru uuirersis Foa-rnetris propvsitorurn etc., » Olsuilo etv." (1677, 4.).
V ließ (goldenes), s. Argonauten und Jason.
Vließ (das goldene). Den souverainen Orden des goldenenVließes, einer der ältesten und angesehensten weltlichen Ritterorden, stiftete Her-zog Philipp III. v. Burgund, mit dem Beinamen des Guten, am 10. Jan. 1430zu Brügge, bei Gelegenheit seiner Vermählung mit seiner dritten Gemahlin, Jsa-belle, Tochter König Johanns 1. von Portugal. In dem Eingänge der Ordenssta-tuten (von 1431) sagt Philipp: daß er die Benennung des Ordens von dem golde-nen Widderfelle des Argonauten Jason hergenommen habe, und daß die Beschützungder Kirche der Endzweck des Ordens sei. Er erklärte sich selbst zum Großmeister desOrdens, und setzte fest, daß diese Würde auf seine Nachfolger in der Regierungübergehen solle. Der Ordensämter waren 4: ein Kanzler, ein Schatzmeister, einSecretair und ein Herold. Die eigentliche Ordensdecocation, die aus Feuersteinenund Feueressen abwechselnd zusammengesetzte Ordenskctte, in deren Mitte das gol-dene Vließ hing, sollte von den Rittern beständig getragen werden; auch solltendieselben bei den jährl. Ordenscapiteln in einer vorgeschriebenen Kleidung erscheinen.Bei diesen Capiteln ward über die aufzunehmenden Mitglieder von den anwesendenRittern gestimmt; die Mehrheit entschied. Diese ursprünglichen Einrichtungendes Ordens wurden in der Folge größtcntheils abgeändert. Herzog Philipp selbstvermehrte die anfangs auf 24 festgesetzte Zahl der Ritter schon 1431 mit 7, KaiserKarl V-, sein Großsvhn, mit 20 neuen Mitgliedern. Auch änderte Karl V. dasStatut wegen des beständigen Tragens der Ordenskette und verordnete, daß sienur an gewissen feierlichen Tagen, gewöhnlich aber bloß das goldene Vließ am roth-feidenen Bande getragen werden sollte. Mit der Ocdensklcidung wurden ebenfallsVeränderungen vorgenommen. Die Ordenscapitel hörten nach und nach auf; dasletzte wurde 1559 zu Gent gehalten. Die Großmeister verliehen nun den Ordennach eignem Gefallen, ohne die Meinung der ältern Ritter deßwegen zu befragen.Ais nach dem Tode Karls V. die burgundischen Besitzungen, sowie die ganzen Nie-derlande, an die bu'gundisch - spanische Linie des Hauses Östreich gefallen waren,übten die Könige von Spanien das Amt eines Großmeisters dieses Ordens auS;nachdem aber Karl lil. (als römischer Kaiser Karl VI.) nach Endigung des span.Erbfolgekrieges die span. (nachher östr.) Niederlande 1715 erhalten hatte, behaup-tete er, gegen den span. Hof, sein Recht auf diese Würde; doch ward darübernichts entschieden, und es werden daher seitdem fowol zu Wien als zu Madrid Rit-ter des goldenen Vließes ernannt. Die Ordenskette ist jetzt ausschließend die Deko-ration des Großmeisters. Die Ritter erhalten bloß das Ordenßzeichen, das sie aneinem rothseidenen, ungefähr 2 Zoll breiten, um den Hals g henden Bande aufder Brust tragen. Es besteht aus 3 Theilen, oben ist das sogen. Feueressen; inder Mitte befinden sich 6 aus einem Cirkel hervorgehende Flammen oder Strahlen,«nd unten hängt das goldene Vließ. Das Ordenszeichen, welches der span. Hofertheilt, unterscheidet sich durch die auf dem Rande des Feuereisens befindliche In-schrift: ,,?retiuln laborum, non vitge", und die darunter befindliche Figur eines