Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
728
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728 Violoncello Violti

von Einigen neuerdings (z.B. dem Italiener dall'Occa und dem Virtuosen Hindleaus Wien) als Soloinstrument, jedoch mit einigen der Stärke des Tons Eintragthuenden Abänderungen angewendet worden ist, um eine wenig belohnendeVirtuosität zu zeigen. In dem italienischen Orchester hat es noch meist nur3 Saiten, wodurch aber sein Umfang zu sehr beschränkt ist, in Deutschlandmeist 4, an einigen Orten auch 5 Saiten. Die 4 Saiten werden in L,ck, x gestimmt und klingen alle um eine Octave tiefer als auf dem Violon-cell. Da Schwerfälligkeit von der Kraft dieses Instruments nicht zu trennenist, so sollten die Tonsetzer es nicht mit Passagen belästigen, welche es nicht deut-lich hervorbringen kann.

Violoncello (Violoncelli), kleine Baßgeige, steht in Hinsicht seiner Größe,sowie in Hinsicht auf die Tiefe und Stärke seiner Töne, zwischen der Bratsche (s.Viola) und dem Contrabaß in der Mitte. Das Violoncelli hat übrigens ganz denBau der Violine und Bratsche (s. Violine), nur daß es größer ist, und nicht, wiediese, in horizontaler Richtung an die Schulter gesetzt, sondern senkrecht zwischenden Knieen festgehalten wird. Es ist ebenfalls mit 4 Darmsaiten bezogen, wovondie beiden tiefsten mit Draht überspannen sind. Die Stimmung der Saiten ist in6, 6, ä, n, also wie bei der Bratsche, nur eine Octave tiefer. Sein ernster,bedeutsamer Ton überhaupt, seine durchdringende, angenehme Tiefe, seine volle,ans Herz sprechende Mitte und Höhe (die aber nicht übertrieben werden darf), eig-nen zu ernsten, charakteristischen und eindringlichen Melodien und besonders zurGrundlage des Bogenquartetts. Die Noten für das Violvncell werden im V - oderBaßschlüssel gesetzt, und es geht dieses Instrument auch meistens mit dem Contra-basse, obgleich seine Töne um eine Octave höher klingen als die Töne des letztem.Ost jedoch lassen neuereComponisten, wie Cherubin!, Beethoven, Weber, Spon-tini, das Violvncell in besondern Gängen hervortreten. Im ersten Falle also dientes zur Verdoppelung und Verdeutlichung der Baßstimme und die untere Stimme zuvermitteln. Für die Töne, welche das 6 oder s übersteigen, wird gewöhnlich derTenor - oder auch (besonders für die ganz hohen Töne in Concerten, Solos u. dgl.)deck- oder Violinschlüssel gebraucht. In diesem letztem Falle aber müssen dieNoten allemal eine Octave höher geschrieben werden, weil das Violvncell an sich

eine Octave tiefer steht als die Violine, und folglich, wo z. B. das o vorgeschriebenist, dem Klänge nach erst das o angibt. Das Violvncell ist eigentlich nur eine ver-vollkommnete Umgestaltung der vorher üblichen Viola »ia gamba (s. Viola), undwurde erst später als Solvinstrument gebraucht und gemißbraucht. Der Erfinderdesselben war Tardieu, ein Geistlicher von Tarascon, im Anfange des 18. Jahrh.Anfangs bezog man es mit 5 Saiten, nämlich 6, 6, 6, », <i. 1725 aber schafft«man das ck als überflüssig wieder ab. Die berühmtesten Violoncellspielcr sind gegen-wärtig: Bernh. Romberg (in Berlin), Kraft (in Stuttgart), Merk (in Wien),Knoop (in Meiningen), Bohrer (in Paris), Dotzauer (in Dresden), welche auchfür dieses Instrument geschrieben haben. Eine neue Anweisung zum Violoncellspielist von Alexander (Lpz., b. Härtel); ferner Baillot's, Levasseur's, Catel's undBaudiot's „Violoncellschule und Lehre vom begleitenden Baß für daS Conservato-rium in Paris bearbeitet" (stanz, und deutsch, Lpz., b. Peters).

Viotti (Giovanni Battista), einer der größten Violinspielcr und zugleich !einer der vorzüglichsten Componisten für s. Instrument, geb. zu Fontana in Pie-mont 1755, war anfangs Violinist in der königl. Capelle zu Turin. 1780 trat Ier s. erste Reise ins Ausland an und kam 1782 auch nach Paris, wo er außer-ordentliches Aufsehen erregte. Durch die Revolution vertrieben, ging er 1780nach London, wo er denselben Beifall fand und als Soloviolinist im Salomoni'-schen großen Concert und nachher auch als Director des Opernorchesters angestellt