Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
727
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Violon 727

schnitte wie beim Sattel. Zwischen dem Stege und dem Griffbrett wird der Bo-gen , durch dessen Anstreichen die Saiten klingend gemacht werden, geführt. Diehier beschriebene Einrichtung der Violine haben die Mole, das Violoncello und derContrabaß in größerm Maßstabe. (S, Schaum, „Über den Bau der Violen, Brat-schen, Violoncelli und Violons", a. d. Jtal., m. 2 K., Lpz. b. Breitkvpf u. Härtet.)Die Violine wird mit 4 Darmsaiten von verhältnißmäßig abnehmender Starke be-zogen, von denen die tiefste und stärkste mit Silberdraht überspannen ist. Diese 4

Saiten werden in die Töne z, <l, a, s gestimmt. Das o heißt auch schlechthindie Quinte, franz. klurntorollo. Diese Saite hat am schicklichsten die halbe Dickedes I). Je weiter man mit dem Aufsetzen der Finger nach dem Stege zu rückt,desto höher werden die dadurch erzeugten Töne, und man redet daher von Lagen(Positionen). Die Noten für die Violine werden durchaus in den 6-Schlüssel(der deßhalb auch vorzugsweise Violinschlüssel genannt wird) gesetzt. Der Um-fang der guten Töne der Violine geht von § bis etwa rr. Doch ist man erst inunsern Tagen bis zu dieser schwindelnden Höhe hinaufgestiegen. Früher ging

man höchstens bis g oder -r, und im 16. Jahrh, kaum bis o. Alle in obigemUmfange begriffene Töne, ja selbst die kleinsten cnharmonischcn Verhältnisse, wer-den bloß durch das Aufsetzen der Finger hervorgebracht, daher die Violine sowoldadurch als durch ihren schönen, eindringenden Ton unter die vollkommensten undangenehmsten musikalischen Instrumente zu zählen ist. Das Werkzeug, wodurchdie Saiten der Violine klingend gemacht werden, ist der Bogen. Dieser bestehtin einem, etwgs über 1 Elle langen, runden Stäbchen von Schlangenholz oder Fer-nambuk (wenigstens sind dieses die besten Holzarten dazu), welches von untennach oben in abnehmender Stärke zuläuft und oben sich mit einem ausgeschweiftenKlötzchen endigt, welches der Kopf heißt. In dem untern und stärkern Ende desBogens geht eine Schraube, wodurch der Frosch angezogen oder nachgelassen wird.Dieser Frosch ist ein ausgeschweiftes Klötzchen von Holz, welches in gleicher Rich-tung mit dem Kopfe am untern Ende des Bogens steht, und durch welches dieSchraube geht. Der Bogen wird mit weißen Pferdehaaren bezogen, welche obenim Kopf und unten im Frosch befestigt und durch das Auf- und Zudrehen derl Schraube ab - oder angespannt werden, je nachdem es nöthig ist. Die Güte desTons der Violine besteht in Klarheit und Reinheit, Kraft, Fülle und leichter An-sprache. Der Römer Eorelli und der Florentiner Verazini lehrten zuerst die Violinekunstmäßig spielen. Eorelli errichtete 1728 zu Padua eine Musikschule, welche dieHauptschule aller spätern Violinspieler wurde. Die deutsche Violinschule, von Joh.Stamitz zu Manheim und von Leop. Mozart gegründet, und die franz. Schule,von Lecler und Gavinicz gegründet, folgten der ital. Schule Cardini's, aus wel-cher Nardini hervorging. Jetzt ist die Kunst, auf der Violine zu spielen, so ver-vollkommnet , daß sie zuweilen in fast unnütze Künstelei ausartet. Die bekannte-sten Anweisungen zur Erlernung des Violinspiels sind die von Löhlein (durch Rei-chardt vermehrt), von Leopold Mozart, von Geminiani, dir von Rode, Kreutzerund Balllot (geordnet von Letzterm und vorn pariser Conttrvatorium angenommen),von Fröhlich in Würzburg und Eampagnoli in Hanover. Die berühmtesten jetztlebenden Violinspieler sind: Rode, Spohr, Lafont, Kreutzer, Viotti, Polledro,Lipinski, Maurer, Fränzel, Mayseder, Novelli, Täglichsbeck, Braune, K.Müller, Molique, Rolla, Möscr, Matthäi und vor allen Paganini, k. k. östr.Cammervirtuos und königl. preuß. Conccrtmeister.

Violon (ital. Violono; französisch heißt Violon die Violine), richtiger! Contrabaß (franz. Contrvbasoo), Baßgeige, nennt man das größte aufrecht-stehende Geigeninstrumcnt, welches bestimmt ist, den Grundbaß zuführen, aber