Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
608
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6V8 Venen Venerische Krankheit

die Untiefe der Canäle und den sich immer verändernden Sand erschwert. 1829 er- *klärte der Kaiser Franz l. ganz Venedig vvm 1. Febr. 1830 an zu einem Freihafen;dieser war bisher auf die Insel S.-Giorgio beschränkt. Eine Palisadirung um dieStadt nach der Seite der Lagunen hin bildet nun die Mauthlinie. Bis auf einigeArtikel, welche Consumozölle entrichten, gehen alle Waaren frei aus und ein. ZuVenedig gehören und machen gewissermaßen s. Vorstädte aus: die Inseln Giudecca,S.-Giorgio, S.-Helena, S.-Erasmo, il Lido di Malamocco, Michele und Mu- srano, meistens von Künstlern, Fabricanten und Handwerkern bewohnt; auch wird .auf denselben vorzügliches Gemüse gezogen. Sonst hatte Venedig weder Festungs- Vwerke noch Garnison und war bloß durch seine Lage fest; jetzt sind nach der Landscitezu Festungswerke angelegt, und eine starke Garnison vertheidigt den Platz. Das ge-sellige Leben, das hier von jeher finster einherschlich, ist jetzt ganz verödet und erhalt .

nur während des rauschenden Earnevals einige lichte Augenblicke. Die Theater sind '

schön, aber die Kunst ist sehr gesunken. — I. Eh. Maier schrieb das ausführlichsteWerk über Venedig. Vgl. Moschini's „KuülapeilavittäiU Vene^iaeto." (Vened.

1815, 2Thle., m. K.); G. v. Martens's (lehrreiche) „Reise nach Venedig" (2 Thle, ,

Ulm 1824, m. Charten u.Kpf); auch „Venedig und dessen Umgebungen", beschr. ^vom Bibliothekar Zäck (Weim. 1823), und „lottere su Vonetia", Mailand 1827 >

(von Dandolo, Sohn des verst. Grafen D.). I

Venen, f Adern, Arterien und Blut. s

Venerabile (lat.), das Hochwürdige, heißt bei den Katholiken die ge-weihte Hostie, welche in einem eignen Behältnisse (Monstranz) während des Got-tesdienstes oder auch zu gewissen heiligen Zeiten auf dem Altare zur öffentlichenAnbetung ausgestellt, und in den Landern, wo die kath. Religion herrschend ist, beifeierlichen Processionen, oder wenn ein Sterbender die Communion empfangen soll,von einem Priester öffentlich umgetragen wird. Die übrige Zeit hindurch wird dieseHostie indem aufeinemAltare befindlichen Tabernakel (s. d.) verwahrt, unddie ewige Lampe dabei stets brennend unterhalten.

VenerischeKrankheit, Lustseuche l^piiili»). Zu Ende des 15. Jahrh,und im Anfange des 16. zeigte sich fast gleichzeitig in Europa eine vorher fast ganzunbekannte Krankheit, die durch ihre schnelle Verbreitung, durch die schrecklichen siebezeichnenden Zufälle, durch ihre große Ansteckungsfahigkeit, durch die Kraftlosig-keit aller dagegen angewandten Mittel den Ärzten ein Räthsel, den Übrigen einSchrecken war, und über deren Ursprung noch bis jetzt nichts Bestimmtes ausge- ^macht ist, auch wol darum nie ausgemacht werden wird, weil die Ärzte damals imAllgemeinen zu ungebildet waren, um auf den Ursprung einer innern Krankheit zusehen, die sie nur selten vollkommen heilen konnten. Bis auf die neuern Forschun-gen glaubte man ziemlich allgemein, das Übel sei durch die Schiffe des Colomboaus Amerika nach Europa gebracht worden. Allein die genaueste Prüfung zeigtdas Unrichtige dieser Ansicht. Der erste Schriftsteller, der darauf hindeutete,war ein nürnberger Arzt, Leonhard Schmauß, 1518; er stützte seine Mei-nung auf das aus Amerika zugeführte Guajakholz, das als ein gutes Heilmit-tel bekannt wurde, und woraus er den Schluß zog, daß die Krankheit, gegendie es nütze, nothwendig da sein müsse, wo sich das Mittel fand, indem im-mer in der Natur das Gegengift beim Gifte liege. Am meisten gewann diese ^

Meinung Gewicht durch das Zeugniß vom Sohne des Colombo und von dem ,

Nachfolger desselben, Oviedo; allein der Erstere spricht nur von einer grindartigenKrankheit, die in Domingo herrschend sein soll, der Andre aber, ein Tyrann, wiefast alle damalige Spanier, hat seine Freude daran, diese als das gelobte Volk >Gottes, die Amerikaner als verworfene Philister vorzustellen. Wenn manAlles vergleicht, so ergibt sich nur, daß die ganze Mannschaft der Colombo'- 'schen Schiffe eine ansteckende Krankheit mitbrachte, die den größten Theil aufrieb