Veneti'anische Schule 609
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und sich auch Denen mittheilte, welche Mit ihr Umgang hatten, die aber in nichtsAnderm als in der unvollkommenen Sorge für ihre Gesundheit und den damals un-gewöhnlich großen Beschwerlichkeiten einer Seereise zu suchen war. In keinemFalle war sie die Lustseuche, indem diese fast im nämlichen Augenblick,', im Som-mer 1493, im südlichen Frankreich, in der Lombardei, wie im nördlichen Deutsch-land ansbrach. Da nun Colombo's Schiffe erst im April zu Sevilla landeten, sokonnte sie von da aus unmöglich !n 2 Monaten so weit verbreitet sein. Andre such-ten den Ursprung der Krankheit in der Vertreibung der Marranvs (heimlichen Ju-den) aus Spanien zwischen 1485 und 1493. Viele Tausende dieser Unglücklichenstarben auf der Seereise nach Italien, Griechenland rc. an der Pest; andre Tau-sende litten am Aussatz, und sie brachten allerdings Krankheit und Elend mit, wosie geachtet und verfolgt hinkamen. Aber daß gerade diese Krankhe'usform bei ihnenbegründet gewesen sei, kann um so weniger erwiesen werden, da Deutschland vondieser Einwanderung frei blieb, und sich die erstere doch 1493 gleichzeitig in Halle,Braunschwcig, Mecklenburg rc. zeigte. Was nun vollends die Meinung betrifft,daß immer venerische Ärankheitszufälle obgewaltet hatten, so laust dies auf einWortspiel hinaus, indem krankhafte Erscheinungen an den Zeugungstheilcn, und sol-che, die das Wesen der Lustseuche begründen, durchaus zweierlei Dinge sind, besonderswenn man auf die schrecklichen Erscheinungen Rücksicht nimmt, die sie damalszeigte, und es bleibt daher immer am wahrscheinlichsten, daß die venerische Krank-heit das Eczeugniß einer damaligen epidemischen Constilution gewesen sei, die demallgemein verbreiteten Aussatze diese neue Form gab, daher auch die alten Schrift-steller die venerische Krankheit viele Jahre lang mehr als eins fürchterliche Haut-und Knochenkrankheit denn als ein Heer einzelner Zufälle, mehr als eine Pest dennals eine nur einzelne Menschen ergreifende Krankheit schildern. Die ganze Krank-heitsconstitution war damals so pestartig, daß die Ärzte in allen Gestirnen davonden Grund suchten. Es konnte sich daher allerdings um so eher nach und nachdaraus eine neue Krankheilsform bilden, da die politischen Verhältnisse die Völkerdamals ungemein zusammenmischten, Spanier, Franzosen und Deutsche Italienund jene mit den Italienern Deutschland durchzogen, und die dem Scharbock naheverwandte Krankheit der aus Amerika zurückgekehrten Matrosen wol auch ihre»Beitrag spenden konnte. — So viel ist gewiß, daß die Krankheit, die als Lust-seuche Alles in Schrecken setzte, damals tausend Mal fürchterlicher war als jetzt.Sie machte den Kranken zum Scheusal für s. Freunde und stürzte ihn fast noth-wendig in Verzweiflung, da kein Arzt zu helfen wußte, und s. Mittel fast so schreck-lich wie die Zufälle waren. Weil die Ansteckung damals viel leichter stattfand alsjetzt, wo eine anhaltende Berührung der Haut an ihren dünnsten oder verletztenStellen sie allein möglich macht, und die allgemein gewöhnlichen Freudenhäuser vol-lends das Ihrige dazu beitrugen, so ward damit keineswegs der zweideutige Begriffverbunden, den man jetzt von einem daran Leidenden hegt. Im Gegentheil bliebHütten, der Jahre lang daran litt und endlich erst durch das Guajak und seine kräf-tige Natur genaß, immer in Achtung, und konnte s. Schrift darüber ohne Anstoßund Beleidigung einem der ersten geistlichen deutschen Fürsten widmen. Wie jedeKrankheit allmälig in ihrer Wuth mit der Zeit nachläßt, so hat auch diese sich »mso mehr gemindert, da die Ärzte seit Paracelsus besonders im Quecksilber und seitSwediauer in den Säuren die kräftigsten Mittel dagegen fanden, und allgemeinesLeide» des Körpers ist daher jetzt nur Folge großer Vernachlässigung, nicht mehr inder Krankheit selbst nothwendig begründet. Fürchterlich bleibt sie jedoch immer,da sie nicht allein die ganze Maschine mehr oder weniger zerrüttet, sondern auch denGrund zu andern dann sehr hartnäckigen Krankheiten andrer Art, besonders zurGicht, Rheumatismus, Fehlern der Harnblase rc. legt. (Vgl. Lustseuche.)
Venetianische Schule, s. Malerei und Italienischc Kunst.
Conv -Lcx. Siebente Aufl. Bd- XI. si Z9