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11 (1830) T bis V
Entstehung
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Vencdig (Stadt)

fast sämmtlich mit der Hauptseite gegen die Eanäle gekehrt, die sich zu breiten undlangen Gassen öffnen, dagegen die eigentlichen Straßen kaum für 3 neben einandergehende Fußgänger gangbar sind. Es gibt zwar 41 öffentliche Plätze, aber nur dermit Bogengängen umgebene und von 2 hohen Säulen geschmückte Marcusplatz ver-dient diesen Namen. Auf ihm steht die St.-Marcuskirche, ein altes, in byzanti-nischer Weise geformtes und im Innern mit orientalischem Reichthum ausgeschmück-tes Gebäude, worin die heilige Sage den Körper des Evangelisten Marcus ruhenläßt, welcher unter dem Dogen Giustiniano angeblich aus Alexandricn in Ägyptenhierher gebracht wurde. Vor derselben sind die antiken Pferde, die einst zu Kon-stantinopel und neuerdings zu Paris standen, jetzt wieder aufgestellt. Der vorma-lige Dogenpalast, worin jetzt das östr. Gouvernement s. Sitz hat, ist ebenfalls vongothischer Bauart; in demselben zeigt man noch die Staatsgefängnissc oder Blei-dächer (piomln) und die Seufzerbrücke; aber der Löwcnrachen (mit der Inschrift:„venunrüe «kAreto", heimliche Angaben) ist verschwunden. Auch die Bibliothek,welche ihr Vorsteher, Abbate Morclli, beschrieben hat, ist in diesem Palaste.Übrigens ist der Marcusplatz zugleich der einzige Spaziergang der Wenetianer, derSammelplatz der Fremden, der Abenteurer und Gaukler. Das Arsenal, eine dergrößten Merkwürdigkeiten Venedigs, bildet eine mit hohen Mauern und Thürmenumgebene Insel, die einen Umfang von §-Meilen hat; in demselben findet manAlles, was zu der Ausrüstung einer Flotte gehört, sehr gute Docken, reiche Ma-gazine, Tau- und Segeltuchfabriken, Stückgießereien und Schmieden. Manzeigt hier noch die reich vergoldete Galeere, Bucentaur genannt, auf welcher derDoge seit 1311 jährlich am Himmclfahrtstage mit großen Feierlichkeiten eineStrecke weit auf das Meer hinausfuhr, einen Ring ins Wasser warf, und sich so,zum Zeichen der angemaßten Oberherrschaft der Republik über das adriatischeMcer,gleichsam mit demselben vermahlte. Außer der Patriarchat - und 29 andern kath.Kirchen gibt es hier Kirchen der Unirten, Armenier und Protestanten. In der al-ten Kirche de'Frati wurde 1827 das Denkmal aufgestellt, das dem berühmtenCanova von Beitragen, die aus ganz Europa und aus Amerika eingegangen sind,errichtet wurde. Die Juden haben 7 Synagogen. Unter den Stiftungen sindmerkwürdig: das Conservatorio di Pieta, worin mehre hundert Mädchen in weib-lichen Arbeiten und in der Musik Unterricht erhalten, und wo man die künstlichen,von ganz Europa bewunderten Wachsblumen verfertigt; das Conservatorium derMusik mit einem Pensionate für 24 Zöglinge, das sonst so treffliche Künstler zog;die k. k. Bibliothek, die Akad. der schönen Künste, die Schifffahrtsschule, das Con-victlyceum, das Collegium Armeniacum, welches hier in einem armenischen Klo-ster die in der Levante viel gelesene armenische Zeitung drucken läßt, u. a. — Vene-dig hat 15,000Häuser; die Zähl derEinw., sonst 160,000, war im 1.1828 auf

100.000 gefallen. Die vorzüglichsten Manufacturen bestehen in Tuch, Leinwand,Seide, in Gold-und Silberstoffen, in Masken, künstlichen Blumen, Golddrahtund a. Goldarbeiten, Seife, Wachs, Theriak und chemischen Productcn; in Ku-pfergeschirr und Mcssingwaaren, Leder, Darm - und Drahtsaiten. Auf 16 Werf-ten wild ein starker Schiffbau getrieben. In der Glasfabrication war Venedig vor-mals die Lehrerin von Europa, wird aber jetzt, was Spiegel und größere Glasar-beiten anlangt, von a. Ländern übertreffen; bloß die Teleskope, Brillen und Per-len genießen einer verdienten Achtung. Im Ganzen ist die Fabrication außerordent-lich gesunken, noch mehr der Handel; doch ist sie noch immer einer der wichtigstenHandelsplätze am adriatischen Meere, und ihrc Eommissions- und Wechselgeschästedehnen sich über den größten Theil von Europa aus. 1817 liefen von Venedig un-ter östr. Flagge 1050 Schiffe aus und 2653 ein, außerdem noch 315 fremde Schiffe.Von ihnen sämmtlich wurden 524,000 Ctnr. Waaren eingebracht, an Werth

34.500.000 Lire. Der Hafen ist sicher und geräumig, aber die Einfuhr wird durch