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Venedig (Republik)
nahen Küstenlandes, sondern machte selbst in Jstrien und Dalmatien Eroberungen.Denn schon in den Kriegen mit den Ärabern (im 9. Jahrh.) hatten sich dieVenetia-ncr durch die Bekämpfung der Seeräuber zu trefflichen Seeleuten gebildet; daherbegaben sich (um 997) die Städte Dalmatiens unter ihren Schutz. Hierauf gewannVenedig durch die Kreuzzüge ungemein, und ward nicht allein die reichste, sondernauch die mächtigste Stadt der Lombardei, in welcher die Schätze des ganzen Orientszusammenflössen. Aber schon kämpfte der Aristokratismus dem Volke entgegen, undder Doge suchte s. Macht zu erweitern; daher mehrmal. Aufstand des Volks. End-lich, nach der Ermordung des 38. Doge, Vitali Michieli, 1172, wurde die Verfas-sung dahin abgeändert, daß man die willkürliche Macht des Dogen einschränkte unddie höchste Gewalt einer zahlreichen Versammlung von Edeln (k^obili) übertrug,die durch feste Gesetze in Schranken gehalten werden sollten. In diesem Zustandeeiner gemäßigten Aristokratie bildete sich die Gesetzgebung aus, wie die Verwaltung.Die Sitten wurden milder, und die Künste begannen aufzublühen. Die Handels-macht der Republik erhielt ihre größte Ausdehnung unter dem Doge Enrico Dan-dolo. Dieser berühmte Staatsmann und Feldherr eroberte an der Spitze der ve-netianischen Flotte, in dem 1202 von denVenetianern, Franzosen u. a. unternom-menen Kreuzzuge, Konstantinopel und erwarb denVenetianern den Besitz von Kan-dia und mehren archipelagischen und ionischen Inseln. Aber nach der Wiederherstel-lung des byzantinischen Kaiserthums 1261 zog sich der ostindische Handelsweg vonKonstantinopel nach Alexandrien, und die Genueser, welche das lateinische Kaiser-thum vorzüglich mit gestürzt hatten, verdrängten V. aus dem Besitze des Handelsim byzantinischen Reiche. Noch folgenreicher war die letzte Staatsrcvolution, alsder Doge Gradonigo 1297 den Erbaristokratismus in Venedig einführte, in-dem das alte, bisher jährlich neugewählte große Collegium von milregierenden Gro-ßen sich in eine geschlossene Gesellschaft von Erbaristokraten (der im goldenen Bucheeingezeichneten Familien der Ncbili) verwandelte. Zugleich muß der furchtbare,nach Tiepolo's Verschwörung (1310) errichtete Rath der Zehn als eine von den Ur-sachen angesehen werden, welche Venedig endlich seinem Falle entgegenführten. Un-terdessen breitete die Republik ihre Besitzungen auf dem festen Lande immer weiteraus, besonders nachdem die Nebenbuhlerin Genua in dem 130jähc. Kampfe um dieOberherrschaft der Lombardei 1381 untergelegen hatte. Vicenza, Verona, Bas-sano, Feltre, Belluno und Padua mit ihren Gebieten wurden seit 1402, Friaulseit 1421, Brcscia, Bergamo und Erema 1428, und die Inseln Zante und Cefa-lonia 1483 Bestandtheile des venctianifchen Gebiets. Endlich trat auch die Gemah-lin Jakobs, des letzten Königs von Cypern, Katharina Cornaro von Venedig, die-ses schöne Land 1486 an ihre Mutter, die Republik, ab. Venedigs damaliger Se-nat erinnert an die römische Zeit. Andre Staaten suchten hier ihre Muster; sie ba-ten selbst um venetian. Rathgeber und Führer. Zu Ende des 15. Jahrh, war Ve-nedig reich, mächtig, geehrt, das gebildetste Volk der Welt in sich fassend, derKünste und Wissenschaften Hciligthum. Aber die Staatsweisheit ging über in Klug-heit, in Arglist. Zu seiner Erhaltung bedurfte dieser Freistaat eines Großinquisitors.Aber das Sittenverderbniß hatte die Lebenskraft zerstört. Edle Venctiancr, welchedie ersten Staatsämter bekleideten, hielten öffentliche Farobanken u. s. w. Dochblühten Handel und Gcwerbfleiß; die Abgaben waren gering, die Regierung mild.— Da traten Umstände ein, die keine Klugheit abzuwenden vermochte. Die Por-tugiesen entdeckten den Seeweg nach Ostindien 1498, und Venedig verlor den ost-indischen Handel über Alexandrien ganz; dieOsmanen waren Herren von Konstan-tinopel geworden, und ihre Macht drückte Alles vor sich her zu Boden, sie entrissenden Vcnctiancrn nach und nach, was sie im Archipel und auf Morea besessen hat-ten, auch Albanien und Negroponte. Dagegen rettete sich die staatskluge Republikdurch geschickte Unterhandlungen auö der Gefahr, welche ihr die Liguc von Cambrar