Veitstanz 595
letischen und «seelischen Arbeiten dieses helldcnkenden Religionsgelehrten haben ihmeinen ehrenvollen Platz unter Deutschlands Kanzelrednern und Ecbauungsschrift-stellern angewiesen. Er gib nicht nur „Predigten über freie Texte auf alle Sonn-und Festtage" (2Bde., 1799—1800), „ Neue Predigten auf alle Sonn - undFesttage" (2Bde., 1816 und 1817), „Predigten über auserlesene Stellen derPsalmen" (1820), „Predigten über die Episteln des ganzen Jahres" (3 Bde.,1806) und treffliche Gelcgenheitspredigten, sondern auch „Summarische Erklä-rung der Sonn-, Fest- und Feiertagsepistcln zum Vorlesen am Altare" (Leipzig1808), eine „Sammlung biblischer Texte" (1794), und „Gebete am Morgen undAbend" (2 Bde., 1801 fg.) heraus. Von s. „Ideen über Leben, Tod und Unsterb-lichkeit" erschien 1818 die 3., von s. Schrift: „An junge Christen bei der ersten Feierdes Abendmahls", 1805 ebenfalls die 3., von s. trefflichen „Communionbuche fürgebildete Christen" 1815 die 6., von s. „Christlichen Beicht- und Communionbuchefür Landleute" 1819 die 2. Aust. Ein großer Theil der in s. Communionbuch auf-genommenen Lieder, in welchen sich ein wahrhaft dichterisches und aufgeklärt from-mes Gemüth ausspricht, haben seine, 1808 im 42. I. verstorbene Schwester,Juliane Marie Charlotte V., zur Verfasserin und sind in mehre neue Ge-sangbücher aufgenommen worden. Er gab auch heraus: „Lieder, Erzählungen undFabeln für Kinder" (2. A., 1808), und in Verbindung mit Scheibler und Hen-nings „Allgemeine Chronik der 3. Jubelfeier der deutschen evangel. Kirche" (2 Bde.,Erf. und Gotha 1819), auch lieferte er schätzbare Beiträge zu Vater's „Jahrbuchder häuslichen Andacht". VielAufsehen machte eine anonyme Schrift dieses Verf.:„Wie sehr die protestantischeKirche Ursache habe, es nie zu ver essen, sie sei ihr Da-sein vornehmlich der Erneuerung des Lehrsatzes von der wahren evangelischen Frei-heit schuldig; eine veränderte Aufl. der vom v. F. V. Reinhard am Gedächtniß-feste der Kirchenverbefferung d. 31. Oct. 1800 in Dresden gehaltenen Predigt"(Dresden und Pirna 1801). Sie liefert eine, von vielem Witz und Scharfsinnzeugende, Parodie der vielfach angefochtenenPredigt Rein h ard's (s. d.) über diefreie Gnade Gottes in Christo, als Grundlehre der evangel. Kirche. S. über ihndie Schrift von I. Adam Götz (Nürnberg 1829). 11.
Veitstanz, eine Krankheit, welche sich vorzüglich durch schnellwachsendeKrämpfe in den Muskeln der äußern Glieder offenbart, wodurch so heftige undmannigfaltige Bewegungen des Körpers hervorgebracht werden, daß der Kranke da,TAnsehen eines Tanzenden und Springenden bekommt. Zuerst entstehen einfacheZuckungen in einem Gliede,;. B. in dem einen Beine, wodurch dieses unwillkür-lich bewegt wird; bald kommen die Krämpfe auch in das andre Glied, und die Be-wegungen werden vielfältiger; endlich verbreiten sich dieselben in mehre Glieder,Arme und Beine bewegen sich schnell und abwechselnd auf eine wunderliche Weise,die Kranken laufen in der Stube herum, springen auf Tische und Bänke, und mitbewundernswürdiger Schnellkraft an den Wänden hinauf. Aber durch diese über-mäßige Anstrengung erschöpft sich endlich die Muskelkraft, und nach einer Viertel-,halben oder zuweilen auch einer Stunde tritt auf einige Zeit wieder Ruhe ein. Je-den Tag, in manchen Fällen zur bestimmten Stunde, zuweilen auch mehrmals desTages, kehren die Krämpfe zurück, und das Springen geht von Neuem an. Die- wesentliche Ursache dieser Krankheit ist höchst wahrscheinlich eine unregelmäßige und! stürmische Einwirkung des Nervenreizes auf die Muskeln der Gliedmaßen, derenBewegung dadurch der Willkür entzogen wird. Meistens sind die Kranken in die-sem Zustande ihrer sich nicht bewußt. Dieser Nervenreiz hat vermuthlich in denhäufigsten Fällen seinen Sitz in dem Unterleibsnervensystem, setzt sich von da fortnach dem Rückenmark und verbreitet sich durch dieses auf die Muskeln, welche zurBewegung des Körpers dienen und von dem Rückenmark mit Nerven versehen wer-ben. (S. Vertebralsystem.) Die veranlassenden Ursachen sind nicht allemal
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