Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
590
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56S Vaudoncourt

Vaudeville ist, daß es eine leichte, gefällige Melodie habe, und der Hauptgedankeam Ende jeder Strophe mit passenden Veränderungen wiederholt werde. Die klei-nen, leichten Schauspiele mit Strophen aus solchen Liedern oder beliebten Volks-melodien witzig unterlegten Versen durchwetzt, die auf dem seit 1791 zu PmiS er-össnctcn 3'irelltio cku vauiieville ausgeführt werden und OomviUes-vauäovilli!heißen, endigen mit einem Vaudeville; jede der spielenden Personen singt eine Stro-phe desselben, die auf den Charakter, den sie im Stücke vorstellt, Bezug hat, daherVaudeville auch überhaupt ein solches komisches Liederspicl selbst heißt, welchesirgend einen Gegenstand des Tages salyrisch behandelt. Der Versuch, diese ArtTheaterstücke in dem Liederspiele (s. d.) auf die deutsche Bühne zu verpflanzen,ist bisher nicht immer gelungen. In der neuesten Zeit haben vornehmlich Scribeund Mclcsville diese Gattungen bearbeitet; Angely, Blum und v. Holtei sie aufder deutschen Bühne einheimisch zu machen versucht. — Das Wörterbuch derftsinz. Akademie leitet das Wort von V-ru äe Vire, einem Thale in der Normandie,her. Im Städtchen Vaux-äe-Vire soll nämlich Olivicr Basselin, ein normanni-scher Dichter d. 14. Jahrh., die Lächerlichkeiten seiner Zeit in geistreichen Spöttereiengeschildert haben. Aus diesen V»» clo Viro, welche schon 1576 erschienen und 1821von Louis Dubais wieder herausgegeben worden sind, sei V-rux äo toutos los villes— Vauäevillos geworden. Sonst erklärt man es auch durch V«u-«Io-v!IIo, einLied, das durch die Stadt und gleichsam von Mund zu Mund geht. Vgl. Heiberg'sSchrift über das Vaudeville (Kopenhagen 1826). Man würde es mit Unrechtdurch Gassenhauer, eine Benennung, die gewöhnlich nur im verächtlichen Sinnegebraucht wird, übersehen.

Vaudoncourt (Guillaume von), geb. zu Wien in Östreich d. 22. Sept.1772 von franz. Ältern, ward in Berlin erzogen, wo sein Vater als examinirenderProfessor der Eleven des königl. Artilleriecorps angestellt war. 1786 kam V. nachFrankreich, wo er seine militairischeAusbildung vollendete, bestimmt für das preuss.Geniecorps, zu welchem Friedrich d. Gr. kurz vor s. Tode ihn zuließ. Als die franz.Revolution ausbrach, trat V. 1791 als Lieutenant in ein Bataillon Freiwilliger.1792 übernahm er das Commando eines Freikorps, mit welchem er bei der Vorhutder Vogesenarmee die Feldzüge von 1792 und 1793 machte. In dem Treffen beiPirmasenz 1793 erhielt er 6 Wunden, wurde gefangen und kehrte erst 1794 nachFrankreich zurück. Dann diente er in Italien als Adjutant während der Feldzügevon 1796 und 1797, und Bonaparte ernannte ihn zum Major der Artillerie, die erin der cisalpinischen Republik bildete. In dem Feldzuge von 1799 stand er bei demGeneralstabe der franz.Artillerie und wurde 1800aufdemSchlachtfelde zumObri-sten ernannt. Dann übernahm er das Oberkommando der cisalpinischen Artillerie,und 1801 die Gencraldircction des Materiellen. In diesem Amte vollzog er nochandre Aufträge, z. B-1802, als Mitglied der Commission, welche die Arbeiten derIlvnsultrr zu Lyon vorbereitete; zugleich war er Mitgl. der Miütairakademie, 1804Dircctor des Kriegsdepot. 1803 und 1804 errichtete er Arscnäle und Fabriken fürdie Artillerie der ital. Republik. 1805 übernahm er die Oberaufsicht der Artillerie-schule zu Pavia und machte zugleich den Feldzug unter Massvna als Befehlshaberder ital. Artillerie und Generaldirektor der Parks der franz. Armee. 1807 wurde ernach Epirus zu Ali-Pascha gesandt, um daselbst das Militair zu organisiren und dieUnterhandlungen gegen die Russen zu Korft«, zu Sta.-Maura und im lepantischenMeerbusen zu leiten. Von da kehrte er auf s. Posten zurück und wurde zu Ende1808 Generaladjutant. 1809 erhielt er ein Commando in Tirol, und im Mo-nat Mai ernannte ihn Napoleon zum General. Nach der Einnahme von Raabin Ungarn wurde er Gouverneur dieses Platzes bis zum Frieden. 1810 und 1811verwaltete er mehre Ämter im Königreiche Italien, wo man ihn zum Mitgliede derAkademie <iei 3'rsskormsti in Mailand ernannte. Unter Eugen machte er den