Vatkcan Vatikanische Bibliothek 587
Grund versagen, wird sie vom Staate ergänzt. Alle diese Punkte sind in den neuernGesetzen nicht überall gleichförmig bestimmt. Erworben wird die väterliche Gewalt,außer durch die natürliche Vaterschaft, auch durch dieAdoption (s. d.). 37.
Vatican, der größte Palast des heutigen Roms, auf dem vatikanischenBerge erbaut, von welchem er den Namen erhalten hat. Es ist ein weitläufiges,aber nicht regelmäßiges Gebäude, das 22 Höfe und, wie angegeben wird, 11,000Zimmer enthält. Mehre Päpste haben an demselben gebaut, und erst unter Six-tus V. (st. 1590) ist er vollendet worden. Er enthält die berühmte vatican. Biblio-thek, unermeßliche Kunstschätze, die sixtinische und paulinische Capelle, die berühm-ten Bogen und Stanzen, das Vlusso Oliiarnmonti, kio-Olamvntinum, das Hg-psrtomvnto Lorgikr, die 8tan2ackeip»i>irl (Sammlung der Papyrusrollen)», s. w.Der Vatican ist mit dem wegen seiner Statuen berühmten Belvcdere und mit derEngelsburg verbunden. Hier wird auch das Eonclave zur Wahl eines neuen Pap-stes gehalten. Da der Papst gewöhnlich in diesem Palaste wohnt, so wird die Be-nennung Vatican oft für die päpstliche Regierung selbst gebraucht. S. „ll Vati-o»no ilesoritto V«I illustrato", von Erasmo Pistolesi, NI. Umrissen, Rom 1829 fg.,Fol. (unter der Leitung des Malers Camillo Guerra).
Vaticanifche Bibliothek. In dem schönsten Locale, das für einenBücherschatz gewonnen werden kann, ist die kostbare Sammlung aufgestellt, welcheder Päpste Liebe zu den Wissenschaften und ihre Prunksucht nach und nach zusam-mengebracht hat. An ein Vorzimmer, welches mit dem Corridor der Inschriftenzusammenhängt, stößt das Zimmer an, welches für die Benutzung der vatikanischenBücherschätze zunächst bestimmt ist, und daran reihen sich die großen Säle, in de-nen die Handschriften in unscheinbaren Schränken verwahrt werden. Nicht unbe-deutende Freskomalereien schmücken die Decken und Wände, antike Gefäße die ein-zelnen hervortretenden Augenpunkte, und 2 antike Statuen die innern Durchgänge.Die Geschichte dieser Sammlung, die man mit Recht eine Panoplia genannt hat,reicht bis an die Zeilen Konstantins d. Gr. hinan, wenn man der legendenartigenErzählung Assemanni's im Kataloge dieser Bibliothek („Lidl. apoot. V»t. Ooä<I.LIss. eatsloAU8 etc.", Rom 1756) glauben darf. Frühere, wahrscheinlich unbe-deutendere Anfänge vermehrte Nicolaus V. durch die Ankäufe, wozu die Zeitum-stände ihm Gelegenheit verschafften. So wurde er beinahe ihr neuer Begründer.Sixtus V. verschönerte ihre äußere Einrichtung und ließ den großen Saal einrichten,in welchem jetzt ein Haupttheil derselben aufgestellt ist. Leo X. sorgte für griechi-sche, Plus IV. für orientalische Handschriften; Pius V. vereinigte das nock heuteunzugängliche Archiv mit der Bibl., und Paul V. und Urban VUl. ließen das Lo-cal erweitern. Das Geschenk der Heidelberger Bibliothek (s. d.) machtediese Vermehrung des Raumes nothwendig. Clemens VII. fügte die Handschriftender Bibliothek von Urbino, Alexander VIll 1900 aus dem Nachlasse der KöniginChristine v. Schweden, Benedict Xlll. die Ottcboni'schen hinzu, andrer Aus-schmückungen und Erwerbungen nicht zu gedenken. Die neueste war die Bibl. desGrafen Cicognara, welche vom Papste Leo Xll. einzeln aufgestellt worden ist.Aber dieser Reichthum von Handschriften und alten Drucken (neue Werke vermißtman leider) ist darum weniger brauchbar, weil er nicht in Ordnung gehalten ist.Selbst die Verzeichnisse fehlen, oder werden verläugnet, die nur eine Übersicht Des-^ sen gewähren könnten, was eigentlich da ist. Denn der erwähnte Katalog vonAssemanni umfaßt nur einen sehr kleinen Theil und ist in der Bibliothek selbst eineSeltenheit, weil seine meisten Exemplare 1768 verbrannten. Für die andern Bi-! bliothckcn gibt es nur geschriebene, schlecht abgefaßte Kataloge, deren Einsicht schon! als eine Begünstigung gilt. Dann bestehen für ihre Benutzung noch die alten,
! nicht sehr liberalen Gesetze von Clemens Xlll. und Jnnvcenz X!ll., die bei derMenge der Festtage doppelt beschränkend wirken. Klagen neuerer Reisenden lassen