Balliere Vallisneria 569
! von Werth. Ein Unfall störte seine Ruhe. Als er einst auf dem quirinalischen! Platze einer Procession zusah, sielen unter des Papstes Augen die Bedienten dessel-
i! den über sein morgenländisches Gefolge her. Er eilte den Scinigcn zu Hülfe; da
aber Worte nicht helfen wollten, stieß er einen päpstl. Diener nieder. Der Rachedes Papstes zu entgehen, floh er nach Neapel, und blieb dort, bis eS s. Freundenj gelang, ihm Verzeihung und Wiedereinsetzung in seine Güter auszuwirken. Erstarb zu Rom 1652.
! Balliere (Louise Fran^oisc de la Baume le Blanc, Herzogin de la), Mai»
> treffe Ludwigs XIV., aus dem altadeligen Hause de la Baume !m Bourbonnais,
! war Hofdame bei der Gemahlin des Herzogs v. Orleans. Sie nährte 2 Jahrelang im Stillen eine zärtliche Neigung für Ludwig, bis dieser sie bemerkte. Ihrensanften Charakter verläugncte sie auch nicht im Sonnenglan; ihres Glücks, das sienur um Gutes zu thun benutzte. Aus Liebe zu ihr erhob der König das LandgutVaujour und die Baronie St.-Christophle zu einem Herzogthum und einer Paine.Von der Montespan verdrängt, ging sie 1675 als Büßerin in ein Earmeliterklo-ster in der Vorstadt St.-Jacqucs zu Paris, wo sie die Schwester Louise de la Mise-ricvrde hieß und 1710 im 66. Jahre starb. Man nennt sie als Vers. der ,,L«-
stexions 8'ir la misericvrcle <Ie viou". Die Frau v. Gcnli's hat sie zum Gegen-^ stände eines anziehenden Romans gemacht, und der berühmte Lcbrun eine büßende
i Magdalena nach ihrem Bilde gemalt. S. „liiern, cke Nach la Ouvlreoae cke la
Valliere" (Paris 1829, 2 Bde.).
Vallisneria, eine Pflanze, welche Linne zu Ehren des Antonio Val-lisneri, der 1733 zu Venedig seine „Opere lisieo-meilielre" herausgab, be-nannte, nachdem sie früher der berühmte Italiener Michel! u. d.N. VallisnerioideSabgebildet und ihre Merkwürdigkeiten erzählt hatte. Das Pflänzchcn selbst ist kleinund unansehnlich, es wächst im Schlamm unter Wasser, sowol in Italien alsauch in Frankreich. Die zarte Wurzel treibt schmale und dünne, grasartige Blät-ter , welche unter der Oberfläche des Wassers bleiben. Die einzelnen Pflanzen sinddem Geschlechte nach getrennt, manche männlich, andre weiblich. Die männlichentreiben eine kleine Ähre, welche mit einer großen Anzahl sehr kleiner Blüthchen be-setzt ist, von denen jedes 2 Staubfäden trägt. Die weiblichen Pflanzen treibendagegen nur einzelne Blüthen, auf sehr langen, fadcndünnen und spiralförmig zu-sammengewundenen Blüthenstielen. (Die Pflanze hat von dieser Bildung des weib-lichen Blüthenstiels den Namen Vallioneri» »piralia erhalten.) Da nun die männ-lichen Blüthchen vermöge der Kürze ihres Blüthenstieles sich unter der Oberflächedes Wassers nicht entfalten können, so reißt sich die ganze Blüthenährc von ihremBlüthenstiele los, und kommt durch dieses Freiwerden auf der Oberfläche des Was-sers zum Schwimmen, wo die vollständige Entfaltung vor sich geht. Um dieselbeZeit steigt die weibliche Blüthe, durch Aufwickclung ihres langen sadenartigen Stie-les, gleichfalls aus den dunkeln Räumen aus Licht, und kommt auf der Oberflächedes Wassers mit den herumschwimmenden männlichen Blüthen in Berührung, so-daß ihre Befruchtung möglich wird. Nachdem diese geschehen, sterben die männ-lichen Blüthen ab, und die weiblichen ziehen sich durch abermalige Zusammenwin-dung ihres Stieles in die niedern Räume des Wassers zurück, wo sich in dunkclmSchoße der Sprößling ihrer Liebe entwickelt. — Schon mehrmals diente diese merk-würdige und ziemlich einzige Erscheinung im Pflanzenreiche Dichtern als Stoff ih-rer Gemälde. Die Vallisneria kann zugleich als einer der zahlreichen Beweise fürdie Wirklichkeit eines Geschlechtsverhältniffes im Pflanzenreiche (die in neuern Zei-ten ein paar Schriftsteller philosophirend angefochten haben) gelten. Daß der Blü-thenstaub auch in den von der Mutterpflanze losgerissenen Blüthen die Kraft habe,die weiblichen Blüthen zu befruchten, sieht man gleichfalls deutlich aus der bckann-srn Befruchtung der Palmen, Mhciss lese pian hierüber hie Nachrichten im 1, Heft?