Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
561
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^ Utzschneidcr 561

! und mit Zos. Li.bherr das mechanische Institut und kaufte die Klosterrealitäte» zuBenedictbeurn, weil er für das mechanische Institut Crown- und Flintglasnöthig hatte. Die schönen Klostergebäude hielt er nicht allein in gutem Stande,sondern erweiterte sie noch, und begann die Cultur der dortigen öden Gründe nacheinem wohl überdachten Plane. In Benedictbeurn wurde von ihm und Ios.Fraunhoser (s. d.) das so berühmt gewordene optische Institut gegründet.Während er auf diese Weise durch mehre Fabriken Leben in der Umgegend verbrei-tete, wurde er 1807 aufgcfodert, in den Staatsdienst zurückzutreten. Der Ve-. trieb der Salinen entsprach der Erwartung der Regierung nicht; man machte Vor-I schlage, dieselben zu verpachten. U. widersetzte sich der Verpachtung der in jeder

I Beziehung unentbehrlichsten Domaine des Staates, und berechnete einen um mehre

^ hunderttausend Gulden höhern Ertrag, als das Staatsarar im Wege der Verpach-tung erhalten haben würde. Nun wurde er zum General - Salinenadministralorund zugleich zum königl. Geh.-Finanzreserendaic ernannt. Der jährliche Salinen-ertrag unter s. Verwaltung überstieg noch die Summe, welche er früher, um denPacht zu beseitigen, berechnet hatte. Um diese Zeit veranstaltete und vollendete Hr.v. U. den Bau der neuen Saline zu Rosenheim mit der ganzen Soolenlritung vonRcichenhall dahin, wobei der damalige Salinenrath, Georg v. Neichenbach, Ge-legenheit erhielt, in der Ausstellung der Wassersäulenmaschincn sein Genie für die, größere Mechanik zu bethätigen. Im Kriegsjahre 1809 waren die bairischen Sa-linen in Gefahr, an ihrer jährl. Rente durch die k. k. östr. Salinen, welche in franz.Kciegsgewalt kamen, bedeutend zu verlieren. Hr. v. U. schloß daher in Wien den17. Mai 1809 mit dem franz. Generalintendanten der Armee einen Vertrag, nachwelchem neben der Saline Derchtoldsgaden auch die k- k. Saline von Hallein mitallen Vorräthen in bairische Administration überging, wodurch alle, selbst die östr.Interessen, mehr geschont wurden, und für Baiern ein bedeutender Vortheil sich er-gab, welchen außerdem die franz. Armee an sich gezogen hätte. Eine der vor-züglichsten Anstalten, welche unter U.'s Leitung in Baiern Wurzel faßte, war dasGcundkataster, und es scheint, daß seine mit den geschicktesten Geschäftsmännernverabredeten Grundsätze in Bezug auf Landesvermessung, Bonilirung, Liquidirungund Katastcirung sich immer mehr befestigen werden. Nach dem am 14. Oct. 1809zu Wien geschlossenen Frieden waren die bairischen Finanzen sehr geschwächt. Zur! Herstellung derselben wurde eine Finanzcomite niedergesetzt, von welcher U. Mit-glied war. Das Resultat davon war die Trennung der allen und neuen Staats-schuld von den Finanzcaffen für den laufenden Dienst. U. wurde neben seinen übri-! gen Geschäften 1811 auch noch Vorstand derStaatsschulden-Tilgungsanstalt. DieI Geschäfte derselbe» gingen gut bis zum Wiederausbruche des Kriegs, wo das bairi-schc Heer beinahe ganz neu ausgerüstet werden mußte. Diese Wiederherstellung derArmee und des nöthigen Kriegsmaterials erschöpfte alle entbehrliche Fonds. Durch! Unterstützung dieses großen Nationalzwecks, nämlich durch die Armee Baierns! Selbständigkeit zu erhalten, setzte U., als Vorstand der Staatsschuldentilgungs-! commission, seine eigne Existenz aufs Spiel. Nach dem pariser Frieden 1814hoffte er die Mittel zu erhalten, um die Rückstände der Staatsschulden-Tilgungs-cassc zu decken; allein die Hülfe, die er mit Recht für diese Staattzanstalt in An-spruch nehmen konnte, wurde ihr nicht zu Theil. Er verlangte daher seine Entlas-sung , um durch freiwilliges Abtreten den Fortbestand der von ihm verwalteten Ge-schäftszweige zu retten. Nunmehr errichtete er eine Tuchmanufactur. Aberseine Gegner verbreiteten Mißcredit über seine Vcrmögensumstände nicht allein mBaiern, sondern auch auf allen Handelsplätzen Deutschlands, aufweichen er bis-her für Hunderttausende Credit genoß. Als Baierns Verfassungsurkunde 1818erschien, wurde er zum Bürgermeister der Stadt München und gleich darauf auchzum Landtagsdeputirlen für München in die 1. und 2. bairische Ständeversamm-Conv.-Lex. Siebente Aufl. Bd. Xl. ch 36