Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
559
Einzelbild herunterladen
 

559

Utrechter Friede

jetzt bestehende Regierung in England und ihre Erbfolge anzuerkennen, die Fe-stungswerke von Dünkirchen zu schleifen, die Inseln St.-Christoph, Tcrreneuve rc.und die Hudsonsbai, mit Vorbehalt des Stocksischfangs, an England abzutreten,den Generalstaaten Ppcrn, Knocke rc. zu überlassen und einen angemessenen Han-delsvertrag mit denselben zu schließen, wogegen es Douay, Bouchain rc. begehrte;auf die ital. Reiche der span. Monarchie zu verzichten, wogegen das Haus Habs-burg alle Ansprüche auf die span. Erbfolge aufgeben sollte; am Rheins sollten dieGrenzen dieselben bleiben, wie sie vor dem Kriege gewesen; die Kurfürsten vonKöln und Baiern sollten in alle ihre Rechte wieder eingesetzt werden, wie sie vor dem, Kriege gewesen; dagegen wollte es Preußen in seiner königl. Würde anerkennen;

Frankreichs und Spaniens Kronen sollten nie auf Einem Haupte vereinigt wer-, den rc. Kaiser und Reich begehrten, daß Frankreich alles durch die Friedens-! schlüsse zu Münster, Nimwegen und Nyßwi'ck ihm Zugefallene, sowie alle in Spa-! nien, Italien und in den Niederlanden eroberte Platze wieder herausgeben, unddaß das ganze span. Erbe dem Habsburgischen Hause zufallen solle. Englandsoderte die Anerkennung der protest. Erbfolge, die Entfernung des engl. Kronprä-tendenten aus Frankreich, Abtretung der Inseln St.-Ehristoph rc., die Errichtungeines Handelsvertrags und eine billige Entschädigung für die Verbündeten. Dieersten Besprechungen waren fruchtlos, und die franz. Gesandten fanden bald Ver-anlassung, sie zu unterbrechen, in der Absicht, England zu einem Separatfrieden zu^ bringen. In diesem Falle hoffte man sodann gegen die übrigen Verbündeten, ent-1 weder im Gange der Unterhandlungen, oder durch das Glück der Waffen gemäßig-tere Foderungen zu erringen. Wirklich wurden die Unterhandlungen mit Englandinsgeheim mit Erfolg fortgesetzt; denn die Königin schloß einen Waffenstillstand,wodurch dieUnternehmungcn derVerbündeten gehemmt wurden, ja der KaiserSpa-nien ganz aufgeben und einen nachtheiligen Räumungsvertrag eingehen mußte.Am 19. Aug. wurden Frankreich und England bereits über die Hauptpunkte einig;die Generalstaaten, Portugal,' Preußen, Savoyen (dasSicilien erhielt)rc. tratendiesen Unterhandlungen bei, und so brachte Frankreich am 11. April 1713 in Utrecht9 einzelne Friedensschlüsse zu Stande. England erlangte dadurch von Frankreichalles Vorerwähnte, von Spanien Gibraltar und Minorca, nebst dem Negerhan-del für das span. Westindien, und legte insbesondere den Grundstein zu seiner dar-^ auf so furchtbar erwachsenen Herrschaft zur See. In dieser Hinsicht ist der an dems.Tage unterzeichnete Handels- und Schifffahrtsvertrag merkwürdig, dessen Grund-sätze Napoleon 100 I. später gegen England wieder geltendmachen wollte. Der17.Art. verordnete nämlich.-Allen großbritannischcn und franz. Unterthanen sollfreistehen, nach den Hafen zu schiffen, die mit dem einen oder dem andern Theilein Krieg begriffen sind, und dies nicht nur aus feindlichen Häfen in einen neutralen,sondern auch aus einem friedlichen Ort in einen feindlichen. Unter dieser Freiheitder Schiffe sind auch die darauf befindlichen Menschen begriffen, wenn sie keineSoldaten sind". Und durch b. 18. Art.:Diese Freiheit erstreckt sich auf alle aufdem Schiffe befindliche Waaren, wenn auch diese dem Feinde zugehören sollten, die! Eontrebanden ausgenommen", ward die Handelsfreiheit der Neutralen anerkannt! und dervölkerrecktliche Grundsatz:Frei Schiff macht frei Gut". (Vgl. d. Schrift:!l,e trnite «Ulitreviit revlsme psr la kranvv etc.", Lpz. 1814.) England er-fuhr schon bei diesem Friedensschlüsse, welchen Einfluß es auf die Mächte des Fest-landes äußern könn«; denn nur sein Abfall zwang die übrigen zu gleichen Unter-handlungen. Durch diesen Abfall konnte es sich günstige Resultate erkaufen;denn das furchtbare Dünkirchen (Hafen und Festung) verschwand, es gewann dieHudsonsbai und große Wichtigkeit in Westindien, Gibraltar und damit denSchlüssel zum mittelländ. Meere. Mit Kaiser und Reich ward in Utrecht keinFriede zu Stande gebracht, sondern 1714 zu Nastadt und Baden, Spanien und