558 Utrechter Friede ^
2000 Schritt lange Maillebahn die vorzüglichste ist. Es gibt hier Seiden-, Spie- 'gel- und Gewehrfabrikcn. Die Universität wurde 1634 von den Ständen der ver-einigten Niederlande gestiftet und 1666 eingeweiht. Es gehören zu derselben einanatomisches Theater, ein botanischer Garten, ein phystkal. Cabinet, eine Stern-warte und ein Museum der Künste. Zu Utrecht wurde am 23. Ja». 1579 die sogen.Union (s. Nied er lande, Königr. d.) der 7 vereinigten Provinzen, welche alsdas erste und vornehmste Grundgesetz derselben angesehen wurde, geschlossen. Auchwurden dieVersammlungen derGeneralstaatenanfangs hier gehalten, bis sie 1593nach dem Haag verlegt wurden, wo sie nachher bis zu den neuern Zeiten blieben. HUtrechter Friede, geschlossen 1713, macht Epoche in der Geschichte des >europ. Gleichgcwichtssystems, weil er die britische Macht in der Reihe der Haupt-staaten voranstellte und dadurch Frankreichs Politik zuerst in feste Schranken zu- irückwies. — Der Tod Karls il., Königs v. Spanien (I.Nov. 1700), des letz- ,ten Habsburg in Spanien, veranlaßte einen Erbfolgestreit, der ganz Europa un-ter die Waffen rief und bis 1710 mit abwechselndem Glücke fortgeführt wurde.
Es galt, die Kronen von Spanien, die Niederlande, Neapel und Sicilien, Mai-land und die großen spar». Besitzungen jenseits des Weltmeeres entweder mit demmächtigen Östreich oder dem nicht minder furchtbaren Frankreich vereinigt zu sehen.Kaiser Leopold I., aus dem östr. Hause Habsburg, soderte nämlich die ungetheilteErbfolge für s. zweiten Sohn, den Erzherzog Karl (nachmals Kaiser Karl VI.),als Agnat. Ludwig XiV. aber federte sie aus dem Testamente Karls H. für s. jzweiten Enkel, Philipp v. Anjou (nachmals König Philipp V.). Für jenen strit-ten England, das deutsche Reich und die Generalstaatcn; für diesen die Kurfür-sten v. Baiern und Köln als Frankreichs Bundesgenossen. Wilhelm lil., Königv. England und Erbflatlhalter v. Holland, war der Stifter des Bundes gegenFrankreich gewesen, und Anna, s. Nachfolgerin, folgte s. politischen Grundsätzen.
Als aber nach mehren blutigen Feldzügen Ludwig XlV. schon zum Nachgeben be-reit war, änderte des Kaisers Joseph 1. (Leopolds I. Nachfolger) Tod (1711) dasSystem, und in England erhob sich um dieselbe Zeit in der Gunst der Königin diePartei der Tories, welche für den Frieden war, und stürzte das Whigministeriumund die Kriezspartci, deren Seele Marlborough war. Da nun Karl Vl., alsJosephs!. Bruder und Nachfolger im Besitz von Östreich, Ungarn und Böhmenund dcrKaiserwürde, durch den Anfall der gesammten span. Monarchie eine dasGleichgewicht der Staaten bedrohende Macht vereinigt haben würde, andrerseits ,aber Frankreichs und Spaniens Scepter in verschiedenen Linien getrennt bleiben Ikonnte, so neigte sich der engl. Hof zur Erneuerung der bereits öfter vergeblich an-geknüpften Friedensunterhandlungen. Die (man sagt) durch franz. Politik her-beigeführte Ungnade des Herzogs von Marlborough, oder, wie Andre sagen, derdurch ein Paar Handschuhe der Herzogin beleidigte Stolz der Königin Anna för-derten sehr das Friedensgeschäst. GrafTallard, der als Kriegsgefangener in Eng-land sich befand, machte dem nach dem Sturze des Whigministeriums gestiegenenBolingbrocke die ersten Eröffnungen; im Öct. 1711 war man bereits über dieHauptpunkte einig und machte sie als Präliminarien bekannt. Die Königin, durch >Verträge zu gemeinsamem Unterhandeln verpflichtet, benachrichtigte sogleich dieVerbündeten davon. Der Kaiser fand zwar diese Artikel nicht angemessen und be-harrte auf der Fortsetzung des Kriegs; England aber erklärte, daß es einen Sepa^ratfrieden schließen werde, wenn man nicht zu einem Congresse zusammentretenwolle. Also wurde Utrecht zum Versammlungsorte und der 12. Ja». 1712 zurEröffnung des Congresses bestimmt. Die ausgezeichnetsten unter den hier ver-sammelten Gesandten waren der Marschall d'Uxelles und der Abbö Polignac vonSeiten Frankreichs, der Bischof von Bristol von Seiten Englands, der Graf vonSinzendorf von Seiten des römischen Kaisers, u. s. f. — Frankreich erbot sich, die !