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Urwelt und Vorwelt
^ begreift, und nur sehr beschränkte Zeugnisse hinsichtlich vieler wichtigen Punkte inder Geschichte der Umwandlungen der Erde darbietet. Sind doch selbst einige wich-tige Fragen, worauf es bei der Geschichte der Erdbildung ankommt, wie z. B. dieFrage, ob das Fluidum, das bei den verschiedenen Lagerungen wirkte, nur alleindas allgemeine Meergewcsen sei, oder ob nicht auch von diesem getrennte, in ihrenBestandtheilen chemisch verschiedene Binnenmeere Antheil daran gehabt haben,noch lange nicht zur Entscheidung reif; ist es selbst noch wenigstens zweifelhaft, obdie Beobachtung, worauf man die Bestimmung des Verhältnisses der organischenj Überreste zu den Lagerstätten gründet, allgemein gültig sei, da die neuerlich aufge-
stellte Behauptung, daß man inAmcrika in altem, rothem, auf Urgestein liegendemSandsteine Säugthierknochcn gefunden babe, schon jetzt zu Zweifeln berechtigendürfte. Die fossilen organischen Überreste, dieman früher gewöhnlichunter dem zu engen Begriff der Versteinerungen oder Petrefacten zusammen-faßte, sind von vierfach verschiedener Art, nämlich entweder bloß verkalkt, wennKnochen, Eonchylien und andre Thiergebilde, wie man sie meist im aufgeschwemm-ten Lande findet, ihren thierischenLeim und damitgrößtentheils ihre frühereFestig-keit verloren haben, und stattDessen bloß mitKalksinter oderMergeltuffdurchzogenworden sind, oder im eigentlichen Sinne versteinert, petrisicirt, indcnfestenSchich-ten derFlötzgebirge eingeschlossen, und größtentheils selbst steinhart, wohin die un-bekannten verweltlichen Seegeschöpfe gehören, oder metallisirt, wenn die organi-, schen Reste mit metallischenStoffen, besonders mit Schwefel- und Kupferkies, odermit Fahler;, Thoneisenstein u. dgl. durchzogen sind, oder endlich verharzt, mit Erd-harzen durchzogen, wie das bituminöse Holz. Ein wichtiger Gesichtspunkt, derhier beachtet werden muß, ist das Verbältniß der fossilen Überreste vonPflanzen undThieren, besonders der Knochen von Vierfüßlern, zu den Gebirgslagern. So weit^ wenigstens bis jetzt die erwiesene Beobachtung reicht, hat man im sogen. Urgebirge! keine organische Überreste bemerkt, desto mehr aber im jünger» Gebirge, und zwar> im Flötzgebirge, im Kalkstein, Stinkschiefer, bituminösen Mergelschiefer, Gpps,Schieferthon, Kohlensandstein u s. w. in so erstaunlicher Menge, daß ganze Kalk-! gebirge oft von 10 und mehrenQuadratmeilen in der Fläche bloß aus versteinerten,theils bekannten Muscheln, Schnecken und a. sehr oft unvermischt mit a. Gattun-gen, in ganzen Bänken über einander gelagerten Seegeschöpfen bestehen, aus derenBeachtung sich ergibt, daß diese Erdstriche ehemals Meeresboden gewesen sind,und jene Bänke von Eonchylien nicht bloß durch eine Flut herangeschwemmt seinkonnten. Die ältesten Überreste organischer Gebilde, die wir in den Flötzgebirgcnfinden, sind Secerzeugnisse, welche größtentheils in die Classe der zwischen derThier-welt und dem Pflanzenreich stehenden Zoophyten gehören. In a.Flötzgebirgsarten,besonders in Gyps- und Thonlagcrn, findet man häufig Abdrücke von Seefischenund allerlei Pflanzen, die jetzt nur in heißen Erdstrichen und in den dortigen Meerenwohnen. Es gibt wieder a. Gebirge, worin man zwar keine Seeproducte, wohlaber eine große Menge von versteinertem und verkohltem Holze, ja ganze verschüt-tete Wälder findet, wohin auch die in Flötzgebirgcn und ihren Thälern gefundenenSteinkohlen gehören, die ohne Zweifel vegetabilischen Ursprungs sind. MancheKalksteinhöhlen (z. B. in Baireuth, am Harz, in den Karpathen) enthalten zumTheil Knochen einerArtvon Bären, die ehemals hier einheimisch gewesen sein müs-sen und von Einigen für den Polarbären gehalten worden sind. In stalaktitischenj Felsenmassen finden sich meist in Trümmern, durch Kalksinter gleichsam breccien-arlig verbunden, bedeutende thierische Überreste, wie die ungeheuern Knochenfelsenan einigen Küsten des mittelländischen u. adriatischenMecres. Im aufgeschwemm-ten Lande endlich, selbst in hohen nördlichen Breiten, gibt es, meist lose liegend, diemeisten fossilen großen pflanzenfressenden Landlhiece,die jetzt nur in wärmern Erd-strichen leben, z. V. der Elefant, das Rhinoceros, sowie die untergegangene Thier-